Archiv für den Monat Januar 2015

300 Dinge und mein Perfektionismus

In einem Monat ziehen wir um. Ein guter Anlass, um mal wieder Zeugs zu reduzieren. Kaum zu glauben: das wird der vierte Umzug innerhalb von sechs Jahren sein. Trotzdem sieht man unserer Wohnung nicht an, dass wir bei jedem Packen ordentlich aussortiert haben. Von Minimalismus keine Spur.

Es fällt mir schwer, mich von Dingen zu trennen. Außerdem gibt es Wichtigeres zu tun, als vor Regalen und Schränken zu stehen und zu überlegen: Brauche ich das noch? Finde ich.

Also brauche ich einen sportlichen Anreiz. Und den habe ich jetzt (hier) gefunden: das Projekt 300. Trenne ich mich 30 Tage lang jeweils von 10 Gegenständen, dann kommen 300 Dinge zusammen. Das klingt viel, finde ich. Zehn pro Tag ist aber überschaubar. Angesichts eines Umzugs sind 300 Gegenstände wahrscheinlich sogar recht wenig. Entscheidend ist vor allem, ob es sich dabei um einen Kugelschreiber oder einen Kühlschrank handelt.

Ganz motiviert habe ich heute angefangen und diverse Bücherstapel gemacht. Verschenken, verkaufen, verlieren, wegschmeißen. Da grätschte mir mein Perfektionismus dazwischen. Er hat einen noch besseren Vorschlag: Bücher aussortieren ist gut. Noch besser wäre es natürlich, du würdest dich täglich in zehn unterschiedlichen Kategorien von etwas trennen. Pro Kategorie dürfen es dann gerne gleich mehrere Teile sein. Bücher, Klamotten, Küchenutensilien, Deko… Und außerdem, nur Stapel machen, das reicht nicht. Am besten verlassen jeden Tag zehn Gegenstände tatsächlich das Haus.

Klingt gut, finde ich. Konsequent. Ehrgeizig. Irgendwie zu ehrgeizig. Natürlich! Besser machen kann man es immer. Aber höre ich auf meinen Perfektionismus, dann gebe ich vermutlich übermorgen schon wieder auf. Weil dann die Messlatte zu hoch hängt. Warum das Ziel gleich so hoch stecken? Wo ich doch weiß, dass es mir schwer genug fällt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich tatsächlich 300 Bücher aussortiere, ist ohnehin nicht besonders groß! Mein Arbeitszimmer wäre nicht mehr das gleiche. Nach spätestens 50 Büchern nehme ich mir bestimmt die nächste Kategorie vor.

Und je mehr tatsächlich direkt aus der Haustüre wandert, desto besser. Aber ich will ja nicht einfach alles nur in die Tonne werfen. Ich suche nach geeigneten Orten – verkaufen, verschenken, spenden, recyclen, richtig entsorgen. Das braucht einfach seine Weile.

Ich gehe also meine Herausforderung an und höre wohlwollend auf meinen Perfektionismus. Aber ich lasse ihn nicht den Ton angeben.

Bilanz für heute: 9 Bücher und 1 unvollständiges Quartettspiel

Advertisements

Beten ist wie Elektrizität

Ein Abschnitt aus dem Buch Gute Geister von Kathryn Stockett. Aibileen ist ein farbiges Dienstmädchen im Mississippi der frühen 60er Jahre und Miss Skeeter eine weiße Lady, die etwas anders tickt als ihre weißen Freundinnen. Deren einziges Problem ist es nämlich, ob das farbige Dienstmädchen die gleiche Toilette benutzen sollte wie ihre Herrschaften. Aibileen sinniert:

Ich schreibe meine Gebete auf, seit ich auf der Junior High war. Wie ich in der Siebten meiner Lehrerin gesagt hab, ich kann nicht weiter in die Schule gehen, weil ich meiner Mama helfen muss, da hat Miss Ross fast geweint.

„Du bist die Gescheiteste in der Klasse, Aibileen“, hat sie gesagt. „Und die einzige Möglichkeit, deinen Kopf auf Trab zu halten, ist jeden Tag zu lesen und zu schreiben.“

Also hab ich angefangen, meine Gebete aufzuschreiben, statt sie zu sagen. Aber seither hat mich niemand mehr gescheit genannt.

Ich blätter in meinem Gebetsheft, um zu gucken, wer heut dran ist. Die Woche hab ich paarmal überlegt, Miss Skeeter auf meine Liste zu setzen. Warum weiß ich nicht genau. Sie ist immer nett, wenn sie kommt. Es macht mich nervös, aber ich kann nicht anders, ich denk immer wieder drüber nach, was sie mich da hat fragen wollen, als wir unterbrochen wurden, von wegen, ob ich die Dinge ändern will…

Das Problem ist, mir ist klar, wenn ich anfang, für Miss Skeeter zu beten, geht das Gespräch weiter, wenn ich sie das nächste Mal seh. Und auch beim übernächsten Mal und beim überübernächsten. Weil’s das ist, was Beten bewirkt. Es ist wie Elektrizität, hält Sachen in Gang.

windelfrei

Heute war ich wieder beim windelfrei-Treffen. Ja, so etwas gibt es! Bis ungefähr vier Wochen nach der Geburt unseres zweiten (!) Kindes wusste ich auch nichts davon.

Um es gleich vorweg zu nehmen: wir machen windelfrei mit Windeln! „Windelfrei“ ist der Begriff, der sich im deutschsprachigen Raum eingebürgert hat, so dass jeder, der sich auskennt (!), weiß, was damit gemeint ist. Ob das Baby Windeln trägt oder nicht, ist dabei nicht das Entscheidende! Es geht darum, mit dem Baby über seine Bedürfnisse zu kommunizieren – auch über sein Bedürfnis, sein Geschäft zu verrichten. Im Englischen heißt dieses Phänomen dann auch elimination communication – Ausscheidungs-Kommunikation. Aber mal ehrlich, dann ist „windelfrei“ doch besser!

Wie ich auf windelfrei gestoßen bin, habe ich bereits beschrieben. Erst nachdem wir unseren großen Kleinen über zweieinhalb Jahre herkömmlich gewickelt hatten und der Kleine schon geboren war, habe ich davon gehört.

Nun, so ganz stimmt das nicht. Das Phänomen, dass Babys – gerade Neugeborene – mit ihrem Geschäft gerne warten, bis der Weg frei ist – also auf dem Wickeltisch – das kannten wir natürlich schon. Wie wahrscheinlich alle frischgebackenen Eltern. Und unsere Hebamme hatte uns auch erzählt, dass die Kinder in China aus genau diesem Grund keine Windeln tragen, sondern kleine Schlitzhosen, die sogenannten Kaidangkus. Man zieht sie im Schritt auseinander und schon ist der Weg frei. Aber woher wissen die Eltern, wann es soweit ist?

Ich bin vorher sogar schon einer Mutter begegnet, die mit ihrer gut einjährigen Tochter aufs Klo ging. Aber das habe ich nur so am Rande mitbekommen. Ich habe nie näher mit ihr darüber geredet und unter „windelfrei“ konnte ich mir, ehrlich gesagt, nur eine riesige Sauerei vorstellen.

Der missing link kam mit Julia Dibberns Buch Geborgene Babys. Es ist keine Wahrsagerei den richtigen Zeitpunkt zu treffen und auch keine Glückssache. Die Babys zeigen es! So einfach!

Es gibt verschiedene Signale, die die Babys aussenden, wenn sie spüren, dass sie müssen. Bei uns war es „hektisches Ab- und Andocken beim Stillen“. Das war mir in den ersten Wochen immer wieder aufgefallen und ich habe mich gewundert: Wenn er trinken will, warum trinkt er dann nicht? Ich hatte mir fest vorgenommen, meine Hebamme beim nächsten Besuch danach zu fragen, aber dazu kam es nicht. Als ich gelesen hatte, dass diese Hektik beim Stillen ein Zeichen sein kann, dass der Kleine mal muss, habe ich es einfach ausprobiert. Ich habe seine Windel ausgezogen und ihn übers Waschbecken gehalten. Und siehe da: promt kam sein großes Geschäft! Ich war verblüfft. Ehrlich gesagt, damit hatte ich nicht gerechnet. Seit diesem Moment – der Kleine war knapp vier Wochen alt – geht das große Geschäft so gut wie nicht mehr in die Windel.

Die Signale fürs Pinkeln nehme ich nicht so eindeutig war. Vielleicht sind sie schlicht nicht so deutlich, vielleicht sind meine Antennen nicht feinfühlig genug dafür. Daher trägt der Kleine schon die meiste Zeit über Windeln – Stoffwindeln inzwischen.

Im PEKiP-Kurs habe ich von meiner Entdeckung berichtet und dafür nur verwunderte Blicke geerntet (einschließlich der Kursleiterin!). Trotzdem sagten zwei Mütter sofort: Ja, das stimmt! Wenn sie pinkeln muss, dann macht sie immer so, und zeigten den entsprechenden Gesichtsausdruck ihrer Babys. Die Signale können sehr unterschiedlich sein – Bewegungen wie z.B. ein Strampeln, Mimik, Laute oder jene besagte Hektik beim Stillen – und eben auch unterschiedlich deutlich. Seitdem ich davon weiß, kann ich aber nicht mehr anders: ich kann sie nicht nicht wahrnehmen!

Artgerecht-Planer

Ich bin begeistert! Als ich über meine Jahresziele schrieb, kannte ich ihn noch nicht – jetzt halte ich ihn bereits in den Händen: den passenden Kalender!

Artgerecht-Planer 2015

Ich freue mich aus mehreren Gründen. Erstens ging es super schnell: gestern bestellt – heute geliefert. Zudem bin ich scheinbar eine der letzten, die ein Exemplar bekommen hat: gestern gekauft – heute ausverkauft. 🙂 Zweitens hat der Kalender ein schönes Format – das ist mir enorm wichtig. Ich brauche einen kompakten Kalender, der gleichzeitig viel Raum für Notizen bietet. Drittens geht es natürlich vor allem um die inneren Werte.

Artgerecht-Planer – Ziele

Siehe da, gleich die zweite Doppelseite ist dem Thema Ziele gewidmet! Hier sind sie unterteilt in vier Rubriken: Familie/Freunde und Gemeinschaft entspricht ungefähr dem, was ich unter Beziehungen zusammengefasst habe, Arbeit fällt für mich unter den weiteren Begriff der Wirksamkeit und Persönliches habe ich mit Lebensgefühl benannt. Und die kleinen Fenster, die Ausblick auf 2016, 2017, 2018… geben, freuen mich diebisch. Ich weiß schon, was ich hier notieren werde…

Jeder Wochenübersicht steht eine To-Do-Liste gegenüber, die nach dem Eisenhower-Prinzip vorstrukturiert ist – der Unterscheidung von dringend und wichtig. Die Idee finde ich super, der Platz dafür ist für meinen Geschmack ein wenig knapp bemessen. Ich habe viel Kleinkram zu erledigen – Emails schreiben, Telefonate führen etc. – da könnte es eng werden. Mal sehen!

Zusätzlich gibt es die Wochenmantras – kleine Tipps für Eltern, die es in sich haben. Sie sind originell, hilfreich, praxiserprobt und erfahrungsgesättigt. Ich habe mich gleich ins Lesen vertieft. Überhaupt finde ich die Idee der Mantras gut. Diskutiere nicht mit einem müden Kind. Schreibe und bete. Wenn es stresst, ändere es. Oder auch: Remember how small they are.

Von den diversen Bonus-Seiten ist meine Lieblingsseite: Spielideen im Wald. Eine Idee für jeden Monat des Jahres. Zum Beispiel: Ich bin der Hüter des Schatzes. Aber oh weh – die Schatztruhe ist leer! Bitte bringt mir: 10 Eicheln, etwas Rotes, 4 Giersch-Blätter, 3 Gänseblümchen, eine Feder, etwas, das nicht in den Wald gehört etc. …

Natürlich ist das ein Statement: ein Kalender mit der Aufschrift artgerecht! Ich bin gespannt auf die Reaktionen, wenn der Planer auf dem Tisch liegt!

– Rückblick 2016 – wie der Artgerecht-Planer sich bewährt hat, erfährst du hier.

Jahresziele 2015

Bereits zum dritten Mal habe ich für das neue Jahr meine Jahresziele notiert. Das ist etwas anderes als gute Vorsätze, mit denen man ganz motiviert ins neue Jahr geht und die dann spätestens im Februar vergessen sind. Ich habe ein Liste mit Themen, die ich anpacken und voranbringen möchte. Ganz grob kann man diese Themen vielleicht in drei Rubriken einteilen: Lebensgefühl, Beziehungen, Wirksamkeit.

P1070984Regelmäßig schaue ich auf diese Liste und nehme mir eines der Themen genauer vor. Ich überlege: Was braucht es, um dieses Thema voranzubringen? Was kann ich tun? Wen muss ich kontaktieren? Brauche ich Unterstützung?

Auf dieses Weise habe ich beispielsweise meine neuen Seminarideen in Fortbildungsprogrammen plaziert. Als es dann an die konkrete Planung und Durchführung ging, hatte ich mehr als einmal Angst vor meiner eigenen Courage. Aber die gelungenen Seminare, die positiven Rückmeldungen der Teilnehmer und mein Spaß bei der Sache haben mich im Nachhinein mehr als bestätigt. Und mich selbst hat die Erarbeitung der Seminarthemen um Meilen nach vorne katapultiert!

P1070964In diesem Jahr haben die Jahresziele einen besonders schönen Rahmen bekommen: ein edles Heft aus der eigenen Papeterie! Die Idee dazu habe ich bei mamas kram gefunden. Sie ist so einfach wie schön: ausgewählte Bögen von Papier sowie einen schönen Karton für das Cover in der Mitte falten und einmal mit der Nähmaschine mit großen Stichen entlang der Falz nähen. Fertig!

Jahresrückblick

Zum Jahreswechsel habe ich meinen persönlichen Jahresrückblick gemacht – dieses Mal zum ersten Mal schriftlich! Ich habe in meinem Kalender geblättert und in meinem kleinen „Glückstagebuch“ gelesen, und dabei habe ich quer über eine Din A4 Seite die wichtigsten Stichworte notiert. Herausgekommen ist eine schöne Zusammenschau der Ereignisse und Themen des letzten Jahres, die ich sicherlich in ein, zwei oder drei Jahren gerne noch mal zur Hand nehmen werde. Es freut mich zu sehen, wie inspirierend und fruchtbar das vergangene Jahr war!

Meine Leitfragen für den persönlichen Jahresrückblick sehen ungefähr so aus:

Welche Themen, welche Aktivitäten haben mich beschäftigt?

Welche Menschen waren wichtig? Wer ist neu in mein Leben gekommen?

Wer/was hat mich inspiriert?

Wer/was hat mich geprägt?

Was habe ich gelernt?

Wo war ich wirksam?

Welche Orte waren wichtig?

Welche Weichen wurden gestellt?

Welche Meilensteine gab es bei den Kindern?