Beten ist wie Elektrizität

Ein Abschnitt aus dem Buch Gute Geister von Kathryn Stockett. Aibileen ist ein farbiges Dienstmädchen im Mississippi der frühen 60er Jahre und Miss Skeeter eine weiße Lady, die etwas anders tickt als ihre weißen Freundinnen. Deren einziges Problem ist es nämlich, ob das farbige Dienstmädchen die gleiche Toilette benutzen sollte wie ihre Herrschaften. Aibileen sinniert:

Ich schreibe meine Gebete auf, seit ich auf der Junior High war. Wie ich in der Siebten meiner Lehrerin gesagt hab, ich kann nicht weiter in die Schule gehen, weil ich meiner Mama helfen muss, da hat Miss Ross fast geweint.

„Du bist die Gescheiteste in der Klasse, Aibileen“, hat sie gesagt. „Und die einzige Möglichkeit, deinen Kopf auf Trab zu halten, ist jeden Tag zu lesen und zu schreiben.“

Also hab ich angefangen, meine Gebete aufzuschreiben, statt sie zu sagen. Aber seither hat mich niemand mehr gescheit genannt.

Ich blätter in meinem Gebetsheft, um zu gucken, wer heut dran ist. Die Woche hab ich paarmal überlegt, Miss Skeeter auf meine Liste zu setzen. Warum weiß ich nicht genau. Sie ist immer nett, wenn sie kommt. Es macht mich nervös, aber ich kann nicht anders, ich denk immer wieder drüber nach, was sie mich da hat fragen wollen, als wir unterbrochen wurden, von wegen, ob ich die Dinge ändern will…

Das Problem ist, mir ist klar, wenn ich anfang, für Miss Skeeter zu beten, geht das Gespräch weiter, wenn ich sie das nächste Mal seh. Und auch beim übernächsten Mal und beim überübernächsten. Weil’s das ist, was Beten bewirkt. Es ist wie Elektrizität, hält Sachen in Gang.

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