300 Dinge und Gefühle

Das Projekt 300 ist eine Woche alt. Meine erste Erkenntnis: 300 Dinge sind nicht viel! Überhaupt nicht! Im Regal stehen 55 Bücher (und noch anderer Kleinkram) weniger – aber es fällt kaum auf.

Inzwischen habe ich mehrfach gelesen, dass wir im Durchschnitt ca. 10.000 Dinge besitzen. Dann fallen 300 wirklich kaum ins Gewicht. Und ich bin mir noch nicht mal sicher, ob diese Hausnummer pro Person gilt oder pro Haushalt zu rechnen ist. Kaum auszudenken, die 10.000 bei uns mal vier zu nehmen. Gut, der Kleine besitzt wahrscheinlich bisher noch zwei bis drei Dinge weniger. Wobei, wenn ich mir seine Spielzeugkiste ansehe…  P1080046

Und das ist noch lange nicht alles! Was macht man bloß damit??? Der Kleine will ohnehin nur mit den Sachen vom großen Bruder spielen!

Zurück zu meinem Bücherregal.

Bei liebevollerleben bin ich auf die hilfreiche Frage gestoßen: Was löst du in mir aus?

Eine interessante Denkrichtung! Das ist für mich eine völlig neue Herangehensweise! Ich habe mich bisher immer gefragt: Brauche ich das noch? Oder: Könnte ich das eventuell irgendwann noch einmal brauchen? Statt dessen also in Beziehung zu den Dingen treten und sie fragen: Was löst du in mir aus?

Was ist es, was du in mir auslöst? Alles, was spontan keine Begeisterung auslöst, gehört einer kritischen Prüfung unterzogen. – Begeisterung? Die wenigsten Alltagsdinge lösen bei mir Begeisterung aus. Es gibt sie, solche Dinge, aber es sind wenige. Davon an anderer Stelle mehr.

Wenn ich vor meinen Bücherregalen stehe, dann kommt als erstes Pflichtgefühl in mir auf. Im Sinne von: Das sollte ich mal lesen. Damit sollte ich mich mal beschäftigen. Das habe ich mir schließlich selbst einmal gekauft, also war es auch mal wichtig. Oder auch: Das hat mir doch meine liebe Schwägerin geschenkt.

Aber will ich Bücher tatsächlich nur aus Pflichtgefühl lesen? Oder weil ein Buch irgendwann mal für mich interessant war? Ich lese gerne und ich bin begeisterungsfähig. Ich stoße fast jeden Tag auf neue Bücher, in die ich mich gerne vertiefen würde. Das sind aber in der Regel nicht die Bücher, die gestern oder vorgestern wichtig waren. Schließlich entwickle ich mich weiter. Und das ist gut so!

Außerdem, wer gibt vor, mit welchen Themen ich mich mal beschäftigen sollte? Natürlich gibt es Erwartungen, die an mich herangetragen werden. Themen, mit denen ich mich auskennen sollte. Aber ist meine eigene Begeisterung nicht ein besserer Kompass als mein Pflichtgefühl?

Ein weiteres Gefühl, das manche Bücher in mir auslösen, ist Angst. Mir ist bewusst geworden, dass ich viele Bücher nur deshalb aufhebe, weil ich Sorge habe, einer bestimmten Frage, Aufgabe oder Situation nicht gewappnet zu sein. Eine Frage nicht beantworten zu können. Keine kreative Idee zu haben. Dann will ich nachschlagen können. Und da ich die Fragen, Aufgaben und Situationen ja noch nicht kenne, muss ich vieles bereit halten, um nachschlagen zu können. Ist das nicht verrückt? Und das im Zeitalter des Internets! Ironischerweise weiß ich gar nicht so genau, welche genialen „Nachschlagewerke“ sich in den Tiefen meiner Bücherregale verbergen. Sie nehmen nur Platz weg und bieten dem Staub reichlich Ablagefläche. Ich werde also nicht auf die Idee kommen, sie zu konsultieren, wenn ich noch nicht einmal mehr um sie weiß. Allein diese Erkenntnis macht es mir einfacher, bestimmte Bücher zu verabschieden.

Wieder andere Bücher sind verbunden mit einer sentimentalen Erinnerung. Ich hatte z.B. Schulfächer, die ich echt gerne gemacht habe, v.a. während der Oberstufenzeit. Deutsch und Pädagogik zum Beispiel. Da habe ich viel gelesen, weit über das schulische Pensum hinaus. Meine Lehrer, aber auch viele der Bücher haben mir neue Horizonte eröffnet. Einen weiteren Rahmen, eine größere Freiheit, als je zu denken gewagt hätte. Ein paar dieser Bücher habe ich bis heute aufgehoben. Mich überkommt ein seltsames Gefühl, etwas Sentimentales, auch Dankbarkeit, wenn ich mich daran erinnere. Aber lese ich diese Bücher deshalb heute noch einmal? Diese Zeit ist über 20 Jahre her! Heute gibt es andere Gedanken, die mich herausfordern und mein Weltbild ver-rücken – und darüber freue ich mich!

Ich frage mich, was es atmosphärisch ausmacht, wenn aus meinen Bücherregalen so viel Pflichtgefühl auf mich herabschaut, durchmischt mit Angst und Sentimentalität. Ist das wirklich eine gute Umgebung zum Arbeiten? Oder ist das zu esoterisch gedacht?P1080047

Natürlich kommt bei vielen Büchern auch einfach Freude auf. Gerade bei denen, die ich in den letzten zwei, drei Jahren gelesen habe. Die mich inspiriert haben. Von denen ich begeistert bin. Die habe ich gerne noch ein Weilchen um mich. Und über manche will ich auf jeden Fall auch hier noch schreiben…

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