300 Dinge und Zeit

In der zweiten Woche von Projekt 300 war das Thema: Zeit.

Gleich an an zwei Tagen hieß es: nix aussortiert! Ich hatte keine Zeit, keine Energie, den Kopf einfach woanders. Damit hatte ich so nicht gerechnet. Es braucht eine Menge Zeit, sich von Dingen zu trennen. Denn erst muss man sich noch einmal mit ihnen beschäftigen. Brauche ich das noch? Oder: Was löst du in mir aus? Egal mit welcher Frage ich an die Dinge herangehe, es braucht Zeit, sie zu beantworten.

Aber auch darüber hinaus fordern die Dinge meine Zeit.

Dieser Gedanke ist mir nicht neu. Ich habe vage in Erinnerung, dass er mir zum ersten Mal in simplify your life begegnet ist, schon vor einigen Jahren. Aber er tritt jetzt noch mal ganz neu in den Vordergrund.

Bücher wollen gelesen werden. Das ist ihr einziger Sinn – und das braucht Zeit. Meine Zeit.

Mit meinen Woll- und Stoffvorräten kann ich aus dem Stand unzählige Projekte realisieren, ohne irgend etwas dafür besorgen zu müssen. Es ist auch wunderbar, mal eben loslegen zu können und schnell eine neue Mütze zu nähen, wenn’s grade dran ist. Aber auch das braucht Zeit – die ich viel seltener habe, als ich mir das wünsche. All diese Dinge sind physisch manifestierte To-Do-Listen, die abzuarbeiten Zeit kostet.

An einem anderen Punkt ist mir aufgegangen, wie abwegig dieses Ansammeln ist: bei meinen Podcasts. Seit Jahren habe ich diverse Kanäle abonniert, die ich höchst inspirierend finde. Immer wieder bin ich auf diese Weise auf tolle Gedanken gestoßen, ganz nebenbei. Beim Kochen, beim Spülen, beim Wäsche falten. Allerdings hat sich das ungehörte Material nach und nach angehäuft. Es macht inzwischen bestimmt an die 90 Stunden aus. Das nimmt zwar „nur“ Speicherplatz weg, ist aber auch so eine Art To-Do-Liste. Wenn’s hoch kommt, dann höre ich im Moment vielleicht eine Stunde die Woche. Also habe ich mit den angesammelten Sendungen Material für mindestens zwei Jahre! Und jede Woche kommen neue Podcasts dazu!

All das braucht Zeit. Und auch wenn davon an sich reichlich vorhanden ist – mir erscheint sie notorisch zu knapp. Vor allem seit ich Kinder habe. Aber noch viel grundsätzlicher: meine Lebenszeit ist nicht unbegrenzt. Es stellt sich die Frage: Womit will ich sie füllen? Welchen Dingen – und damit verbunden: welchen Gedanken – will ich Raum geben? Welche Gefühle will ich erleben? Pflichtgefühl? Druck? Im Sinne von: Das sollte ich mal lesen… Damit könnte ich mich auch mal beschäftigen... Das muss ich noch erledigen… Oder möchte ich meine Zeit mit Begeisterung füllen? Inspiration erleben? Neue Welten entdecken? Eigentlich ist das überhaupt keine Frage! Aber die „Dinge“ scheinen eine andere Sprache zu sprechen…

Noch viel wichtiger scheint mir aber die Frage nach dem rechten Maß zu sein. Ich kann mich für so vieles begeistern. Nur fehlt mir die Zeit dazu. Ich lese gerne, ich nähe gerne, ich höre gerne inspirierende Podcasts. Und dann stoße ich auf interessante Menschen oder neue Gedanken und besorge mir die entsprechenden Bücher… Und zack, schon wieder ein neues (geliehenes) Buch auf dem Stapel!

Wie kann ich kann meine Begeisterung leben, ohne dass sie in Zeitdruck umschlägt? Ohne dass die Themen, die mich interessieren, zu einer To-Do-Liste werden, die es abzuarbeiten gilt? Ohne dass ich ständig das Gefühl habe, einfach viel zu wenig Zeit zu haben?

Hier bin ich noch etwas ratlos…

Wie macht ihr das?

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2 Gedanken zu „300 Dinge und Zeit

  1. Fräulein Rucksack

    Prioritäten setze und erkennen! Das hab ich die letzten Tage geübt. Oft habe ich eine lange Liste an unwichtigen Dinge die ich gerne schaffen würde, wie eben auch Handarbeiten und Lesen usw. Aber viele Dinge will ich nur machen weil sie da sind. Wäre zum Beispiel der Bücherstapel weg würde mir die Hälfte der Titel gar nicht einfallen, die ich ja „eigentlich“ lesen will…
    Vergangene Woche habe ich mich gefragt hab ich dafür keine Zeit oder hat das jetzt keine Priärität.
    Naja, das ist jetzt nicht die Ideallösung aus dem Freizeitjungle, aber, zumindest für mich, eine Sichtweise die da schon weiterhilft.
    Alles aufschreiben und entweder rauspicken was Vorrang hat, oder einfach mal durchstreichen. Blogs vom Feedreader löschen, Stoffe und Strickanleitungen wegpacken… und nicht den Haufen angucken der wartet, sondern das sehen was es sein soll, Entspannung, Freude, Bereicherung.
    Herzlichen Gruß!

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  2. inwachsendenringen Autor

    Hallo Fräulein Rucksack!
    Ja, ich merke, Prioritäten setzen gelingt mir eher bei meiner schriftlich geführten To-Do-Liste. In meinem neuen Kalender (siehe Eintrag vom 21.1.15) gibt es gleich schon die Unterscheidung von wichtig und dringend 🙂 . Aber es gibt eben auch diese andere Form von To-Do-Listen: die Dinge, die darauf warten, dass ich mich mit ihnen beschäftige. Heute nachmittag hatte ich eine Idee, wie das mit den Prioritäten bei Büchern klappen könnte. Ich werde so etwas wie „Monatsbücher“ ausprobieren. Etwa zwei Bücher für einen Monat auswählen und mich dann in Ruhe und ausschließlich diesen Büchern widmen. Alle anderen ins Regal, zurück in die Bibliothek oder was auch immer. Mal schauen, was das verändert…
    Viele Grüße!

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