Archiv für den Monat März 2015

Momo und die frühkindliche Bildung

Englisch und Französisch bei der Tagesmutter! Das war die Entdeckung der Woche!

Immer noch sind wir auf der Suche nach guten Orten für unsere Kinder. Und immer deutlicher wird uns, dass wir unter „gute Orte“ etwas so ganz anderes verstehen als der Mainstream. Irgendetwas läuft doch in unserer Gesellschaft deutlich schief, wenn Tagesmütter für sich damit werben, dass sie ihre Schützlinge an zwei Fremdsprachen heranführen. Die Kinder sind in der Regel ein Jahr alt! Sie sprechen noch nicht mal ihre eigene Muttersprache!

Im Blog von Herbert Renz-Polster bin ich auf das gute alte Kinderbuch Momo gestoßen. Ich kenne es wie meine Westentasche, weil ich die Geschichte während meiner Schulzeit im Schultheater gespielt habe. In der Rolle der Momo! 🙂 Aber damals war mir natürlich nicht bewusst, wie weitsichtig Michael Ende die Entwicklung in der (früh)kindlichen Bildungslandschaft vorhergesehen hat. Immerhin ist das Buch über vierzig Jahre alt – also in Zeiten erschienen, in denen unsereins mit drei, vielleicht auch erst mit vier Jahren in den Kindergarten kam, und dann zwischen neun und zwölf Uhr ganz zweckfrei ein bisschen gebastelt und gespielt hat.

Herbert Renz-Polster hat sich die Mühe gemacht und ein paar Passagen aus Momo zusammengestellt – wer nachlesen möchte, bitte hier entlang.

Besonders schön finde ich die Passage:

Die Spiele wurden (den Kindern) von Aufsichtspersonen vorgeschrieben und es waren nur solche, bei denen sie irgendetwas Nützliches lernten. Etwas anderes verlernten sie freilich dabei und das war: sich zu freuen, sich zu begeistern und zu träumen.

Das erinnert mich nicht nur daran, dass Kindergärten immer mehr zu kleinen Schulen werden, sondern auch an das ganze pädagogisch wertvolle Spielzeug, vor dem man sich nicht mehr retten kann, sobald man Kinder hat. Heutzutage kann man ja nichts mehr kaufen, womit die lieben Kleinen einfach nur Spaß haben. Nein, jeder noch so banale Babygreifling schult immer auch das Hör- und Sehvermögen, den Tastsinn und die feinmotorischen Fähigkeiten und was sonst noch alles. Und Bilderbücher sind auch nicht mehr einfach zum Anschauen und Vorlesen da, sondern zum Klappen, Drehen, Schieben, Tasten, Hören und Riechen.

Ob die Kinder heute nicht (viel zu früh!) verlernen, sich zu freuen, zu begeistern und zu träumen, ist eine wichtige Frage, finde ich. Da geht es um mehr, als um romantische Vorstellungen. Wer sich begeistern kann, der lernt. Der ist kreativ. Und produktiv. Schöpferisch tätig, um es etwas poetischer auszudrücken. Das sind Fähigkeiten, die wir brauchen werden in einer Welt, die in ihrer Maßlosigkeit längst aus den Fugen geraten ist.

Ebenfalls bei Renz-Polster bin ich auf die bedenkenswerte Frage gestoßen, was wir eigentlich bezwecken, wenn wir unseren Kindern immer früher immer mehr funktionale Bildung angedeihen lassen. Wollen wir ihnen ermöglichen, schneller am Ziel zu sein? Aber an welchem Ziel genau? In den Chefetagen eines hochdotierten Unternehmens? In einer Sinnkrise? Im Burnout?

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Nie zu spät für eine glückliche Kindheit

Ich weiß gar nicht, wer diesen Ausspruch geprägt hat: „Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit.“ Er kam mir in den Sinn, als ich ein ganz ähnliches Buch wie Mehr Matsch! – mein Monatsbuch für März – gelesen habe: Wie Kinder heute wachsen von Herbert Renz-Polster. Ich habe es letztes Jahr im Sommer gelesen, im Sand, am Strand… im unmittelbaren Kontakt mit den Elementen: Sonne, Sand, Meer und Wind. Das passte prima, denn auch hier geht es darum: schickt die Kinder wieder raus zum Spielen. Und lasst sie ihr Ding machen.

Nicht, dass meine Kindheit nicht glücklich gewesen wäre. Bei der Lektüre sind mir aber ganz neue Punkte aufgegangen, von denen ich bisher nicht wusste, wie entscheidend sie sind (und die meine Eltern bestimmt nicht bewusst gesteuert haben)! Und die für Kinder leider immer weniger selbstverständlich sind.

Renz-Polster schreibt aus einer evolutionsbiologischen Sicht. Über den absolut größten Teil der menschlichen Entwicklung haben die Kinder der Spezies Mensch ihre Kindheit weitgehend draußen verbracht. Unter freiem Himmel. Und zwar zusammen mit anderen Kindern. Nicht schön nach Jahrgängen getrennt, so wie wir das heute in unserem Schulsystem machen, sondern immer altersgemischt. Mit ungefähr drei Jahren wuchs ein Kind aus dem engeren Bereich der Mutter heraus und in die Kindergruppe herein. Weil jeder mal klein war innerhalb dieser Gruppe und irgendwann später auch mal groß, hatte er im Laufe der Zeit unterschiedliche soziale Rollen inne. Mal brauchte er Anleitung, mal war er der besonders kreative Kopf, mal der, der Verantwortung für andere übernommen hat. (Das geht unserer Aufteilung in Jahrgänge heute völlig ab. Da geht es um Vergleichbarkeit und Konkurrenz! Es gibt immer Gewinner und Verlierer!) Entscheidend war dabei: die Kinder waren unter sich. Sie hatten keinen Erwachsenen dabei, der sie beaufsichtigt und kontrolliert hat. Sie haben ihr Ding gemacht.

All diese Faktoren waren in meiner Kindheit sehr ausgeprägt.

1. Ich war viel draußen! Ich bin auf dem Dorf groß geworden, mit einem großen Grundstück ums Haus. Wenn ich mich richtig erinnere, hat meine Mutter uns jeden Tag zum Spielen rausgeschickt, egal welches Wetter war.

2. Da waren immer andere Kinder. Und sie waren unterschiedlich alt. In unserer Straße waren wir sechs Kinder, die regelmäßig um die Häuser gezogen sind. In meiner Verwandtschaft waren wir ein Dutzend Cousinen und Cousins, und wir haben uns jede Woche bei meinen Großeltern getroffen. Besonders mit meinen großen Cousins habe ich mich immer gemessen – die körperlichen Kräfte beim Toben und Kämpfen und die geistigen Kräfte bei Strategiespielen etc. Ich wollte immer mithalten, das war ein riesiger Anreiz.

3. Der Radius, den wir uns erobert haben, wurde zunehmend größer. Wir waren ohne Aufsicht von Erwachsenen unterwegs im Dorf, wir sind über die Felder gestreift, wir waren in den Ställen und Scheunen meiner Großeltern und auch im Wald.

Nie hätte ich gedacht, dass diese Faktoren so wichtig für die Entwicklung von Kindern sind. Aber es erscheint mir einleuchtend und die Erinnerungen, die aufblitzen, sprechen die Sprache von Verbundenheit, Sinnhaftigkeit und Glück.

Um so schmerzhafter ist für mich die Frage: was werden meine Kinder davon – in der Großstadt – erleben können? Welche Haltung müssen wir als Eltern kultivieren, um sie mit Vertrauen in die Welt schicken zu können?

Und mich interessiert: Wie macht ihr das? Welche Lösungen habt ihr für euch gefunden?

Mehr Matsch!

Nach unserem Umzug müssen wir uns an einen neuen Kindergarten gewöhnen – alle miteinander. Hier fällt mir auf, was letztlich auch für unsere alte Kita galt: wie künstlich die Welt ist, in der unsere Kinder leben. Die meiste Zeit des Tages spielen sie umringt von Mauern. Ich vermute, selten sind es mehr als zwei Stunden, die sie draußen verbringen, wenn überhaupt. (Wir haben – leider, leider, leider – keinen Platz im Waldkindergarten bekommen…) Innerhalb dieser Mauern aber hat eine kleine Schule Einzug erhalten. Da gibt es alles, was zukünftige Schülerinnen und Schüler lernen sollen: Turnen, Musik, Englisch, Sprachunterricht, naturwissenschaftliche Experimente. Natürlich alles ganz spielerisch und kindgerecht! Da kommen Muttersprachler ins Haus, um schon den Kleinsten ein Gefühl für die fremde Sprache zu vermitteln. Da werden teure Bewegungsmaterialien angeschafft, die die Kinder in ihrer psychomotorischen Entwicklung fördern sollen, wo es all das ein paar Meter weiter umsonst gibt: im Wald. Und frische Luft und eine Extraportion Vitamin D gratis dazu.

Was müssen Kinder lernen? Wie bereiten wir sie aufs Leben vor? Was brauchen sie, um im Leben anzukommen?

Andreas Weber sagt es mit dem Titel seines Buches: mehr Matsch! Er meint damit: mehr unmittelbare Erfahrungen mit den Elementen, mehr Kontakt zu anderen Kreaturen, mehr Freiheit unter freiem Himmel. Schlicht: mehr Lebendigkeit!

Kinder sind ein Ausbund an Lebendigkeit, und sie tragen ein inneres Suchprogramm in sich: sie suchen anderes Leben. Sie brauchen die Gegenwart von Pflanzen und Tieren, quasi als geistige Nahrung. Sie entdecken sich selbst in der Kraft und in der Verletzlichkeit anderer Wesen. Sie begreifen das Leben im Wachsen und Vergehen der Natur.

Das gilt auf einer grundlegenden physiologischen Ebene. Bestimmte Zellen in unserm Gehirn, die sogenannten Spiegelneuronen, sind dafür verantwortlich, dass wir fühlen, was unser Gegenüber zum Ausdruck bringt. Seine Freude und seinen Schmerz. Vermutlich gilt das nicht nur für menschliche Gegenüber, sondern auch für Tiere. Wir fühlen mit den anderen Wesen. Wir entdecken in ihnen die Welt von ihrer „Innenseite“, schreibt Andreas Weber. Das ist aber nicht mit der Nüchternheit von Faktenwissen zu beschreiben, sondern letztlich nur in Form von Poesie. Aber auf diese Weise begreifen wir intuitiv etwas von uns selbst und vom Leben überhaupt.

Ich erinnere mich an solche Erfahrungen, die sich mir tief eingeprägt haben. An den Seeadler, der im Zoo nur weniger Zentimeter über meinem Kopf seine Bahnen zog. An die Weite seiner Flügel, das Rauschen des Windes in seinem Gefieder. Seine Majestät und seine Erhabenheit haben mich zutiefst berührt und mir einen Geschmack von Freiheit vermittelt. Ich weiß noch, wie ich als Kind begeistert war, wenn wir in einem der Teiche der Umgebung Froschlaich entdeckt hatten. Wie gerne hätte ich die Metamorphose von diesem glibberigen Schleim zu einem quicklebendigen Frosch einmal mit eigenen Augen verfolgt. (Jeder Versuch, diese Wandlung in einem Einmachglas in mein Zimmer zu holen und mit gemopstem Fischfutter vom Aquarium meines Vaters zu unterstützen, ist leider kläglich gescheitert.) Wie sehr blühe ich bis heute auf, wenn im Frühling – wenn sich noch kaum ein grünes Blättchen nach draußen wagt – Magnolien ihre Blüten in aller Farbenpracht von weiß über rosa bis dunkelviolett in den frühlingsblauen Himmel strecken!

Wie viele dieser Erfahrungen machen unsere Kinder heute in einem durchgetakteten Leben, in dem sie – umringt von Mauern – eine Frühförderungsmaßnahme nach der nächsten durchlaufen? Was geht verloren, wenn der Kontakt zur Natur und zu anderen Kreaturen auf ein Minimum reduziert wird, durch Technik und von Menschen gemachte Dinge ersetzt wird oder ganz verloren geht? Unser Verständnis davon, was Leben ist?!

Weber schreibt: „Das trostlose Leben der Kinder, eingesperrt hinter Bildschirmen, zu Tode geschützt hinter Airbags und Schulhortmauern, sollte uns aufrütteln. Oder sind wir schon zu abgestumpft, um den Skandal zu bemerken, dass eine ganze Kultur sich verschworen hat, die Prinzipien der Lebendigkeit abzuschaffen?“

Monatsbücher

Bei meinem Projekt 300 habe ich festgestellt, dass ich zu viele To-Do-Listen in Form von diversen Stapeln habe. Besonders gerne sammeln sich Bücher an. Manche habe ich angefangen, andere möchte ich noch lesen, in andere will ich wenigstens mal kurz reinschauen. Wenn ich auf ein Buch stoße, das mich interessiert, schaue ich immer erst mal nach, ob es in der Stadtbibliothek zu haben ist. Wenn ja, merke ich es vor, und irgendwann landet es dann quasi von allein auf meinem Stapel. Das ist an sich eine gute Sache, nur finde ich viel zu selten die Zeit dafür. Wenn ich dann lese, ist es oft mit Zeitdruck, um so schnell wie möglich so viel wie möglich zu schaffen. Vieles überfliege ich nur, ohne es zu verinnerlichen.

Ich möchte den Druck von unerledigten To-Do-Listen reduzieren und auch das Gefühl, immer zu wenig Zeit zu haben. Deshalb werde ich ab sofort mit „Monatsbüchern“ experimentieren. Ich wähle ein oder zwei Bücher aus, die mich einen Monat lang begleiten. Alle anderen wandern zurück ins Regal oder in die Bibliothek. Dann habe ich keinen Druck, möglichst viel schaffen zu wollen. Wenn ich zum Lesen komme, lasse ich mir Zeit. Wenn es sich um „Landkartenbücher“ handelt, will ich außerdem hier darüber schreiben. „Landkartenbücher“ sind für mich die Bücher, bei denen es um innere Landschaften geht. Um die Welt der Gefühle, um spirituelle Wege, um das Leben und Wachsen mit Kindern. Schreibend und meine eigenen Worte findend, werde ich mir oft erst bewusst, was mich da gerade berührt hat. Und sollte sich nach ein paar Seiten herausstellen, dass ich das Buch doch nicht mit Begeisterung zur Hand nehme, dann tausche ich es gegen ein neues aus.

Mein Monatsbuch für März: Mehr Matsch! Kinder brauchen Natur von Andreas Weber

300 Dinge – Fazit und Commitment

In den vergangenen 30 Tagen hatte ich das Projekt, mich von 300 Dingen zu trennen. Wir hatten einen Umzug vor uns, also mussten 30 Tage lang jeweils zehn Gegenstände raus. Schon in der ersten Woche wurde mir klar, dass angesichts eines Umzugs 300 Dinge ziemlich wenig sind. Insgesamt sind es nun knapp 400 geworden. In der Größenordnung konnten sie unterschiedlicher nicht sein. Es waren Babystrumpfhosen dabei, Kugelschreiber und Lippenstifte, aber auch ein Fernseher, ein PC und ein Kühlschrank. Seit wir zusammen gezogen sind, hatten wir Toaster, Wasserkocher, Waffeleisen und ähnliches doppelt, und jeweils ein Teil wartete im Keller darauf, dass das Pendant seinen Geist aufgab. Ist aber bisher nicht geschehen, also haben jetzt sämtliche doppelt vorhandenen Elektrogeräte den Weg in ein Sozialkaufhaus gefunden.

Dazu habe ich mich von ca. 100 Büchern getrennt. Die meisten habe ich verschenkt, ca. 35 verkauft. Bei booklooker.de verkaufe ich schon seit einigen Jahren, über momox.de habe ich zum ersten Mal ein Paket Bücher verkauft. Insgesamt kamen bei dieser Aktion 125 Euro zusammen.

Meine wichtigste Erkenntnis bei diesem Projekt: ich habe zu viele To-Do-Listen! Da ist nicht nur die eine, die ich schriftlich in meinem Kalender führe. Daneben gibt es die materialisierten To-Do-Listen: Bücherstapel, Zeitschriftenstapel, Papierkram, Fix-it-Stapel, Aufbrauch-Sammlungen und dazu noch diverse digitale „Stapel“. Dass all diese Stapel und Ansammlungen von Dingen To-Do-Listen sind, liegt auf der Hand. Alle Dinge warten darauf, dass sie gelesen, benutzt, be- oder verarbeitet werden. Und da unerledigte To-Do-Listen nicht gerade förderlich sind für ein gutes Lebensgefühl, habe ich beschlossen, sie zu reduzieren. Und zwar so:

1. Ich werde mehr Entscheidungen treffen. Ich übe mich darin, sofort zu entscheiden, was mit den Dingen passieren soll, und sie nicht auf einen Stapel zu legen, um mich irgendwann später noch einmal damit zu beschäftigen.

2. Ich werde Bücher auswählen. Da ich gerne lese und viele neue Ideen aufnehme, sammeln sich bei mir schnell diverse Stapel mit Büchern an, in die ich zumindest mal reinschauen möchte. Hier werde ich ein bisschen experimentieren: ich wähle „Monatsbücher“ aus. Etwa zwei pro Monat, für die ich mir dann ausgiebig Zeit nehme. Alle anderen Bücher wandern zurück ins Regal oder in die Bibliothek.

3. Ich werde darauf achten, was die Schwelle passiert. Ich habe festgestellt, dass die Dinge leichter über die Türschwelle in die Wohnung kommen als wieder raus. Deshalb werde ich die Regel, die für den Kleiderschrank taugt, auf die ganze Wohnung ausdehnen: ein Teil rein – ein (gleichwertiges) raus.

4. Schließlich werde ich das Reduzieren fortsetzen. Nicht mehr 10 Gegenstände pro Tag, sondern nur noch einen. Dafür aber 365 Tage lang. Vielleicht lässt sich eine gute Gewohnheit daraus machen, jeden Tag ein Ding mehr loszulassen.

300 Dinge und die Schwelle

Wir sind umgezogen. Dabei hatte ich es bildlich vor Augen: die neue Wohnung war leer. Nichts drin. Nur freie Flächen. Das sieht jetzt anders aus. Überall Kartons. Und unsere Möbel natürlich. Jetzt ist es die alte Wohnung, die leer ist. Alles rausgeräumt. Nur leere Zimmer.

All unsere Besitztümer haben zwei Schwellen passiert: die Türschwelle der alten Wohnung und die Schwelle der neuen. Diesem Übergang habe ich bisher nie Beachtung geschenkt. Aber es ist so: kein Ding kommt in unsere Wohnung, ohne dass es über die Schwelle getragen wird.

Ich kenne den Gedanken aus meinem laienhaften Feng-Shui-Wissen. Da hat die Tür des Hauses eine besondere Bedeutung. Alles Wesentliche kommt über diese Schwelle in die Wohnung. Soweit ich das verstanden habe, bezieht sich das vor allem auf Energien, und das kam mir immer ein bisschen esoterisch vor. Aber langsam kann ich mir denken, was es damit auf sich hat. Mit jedem Ding, das die Türschwelle passiert, kommt durchaus eine bestimmte Energie rein. Das wurde mir ziemlich deutlich, als ich mir die Frage gestellt habe: Was löst du in mir aus? Ein Ding an sich ist nicht neutral. Es löst Gefühle aus. Mal mehr, mal weniger. Und mittlerweile kann ich mir sogar gut vorstellen, dass auch Material und Produktionsweise eines Gegenstands in seiner Umgebung auf irgend eine Weise wirken. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Meine wichtigste Beobachtung zur Schwelle: Die Dinge kommen leichter rein als raus!

Ohne uns das bewusst zu machen, tragen wir so gut wie jeden Tag etwas in die Wohnung. Vielleicht nur Lebensmittel, die sich aufbrauchen. Vielleicht aber auch andere Dinge. Raus kommt in der Regel nur das, was den Weg in den Mülleimer findet. Wenn ich die Dinge in meinem Wohnraum reduzieren will, dann geschieht das nicht nebenbei, sondern ich muss es als bewusste Entscheidung tun. Aussortieren. Entscheiden, was mit den Dingen passieren soll, sofern sie noch brauchbar sind. In den letzten Tagen gingen bei uns zum Beispiel mehrere Kartons Kleidung, Bücher und Küchengeräte an ein Sozialkaufhaus. Um mich von Gegenständen zu trennen, braucht es Zeit, Entscheidungen und Wege, die wiederum Zeit in Anspruch nehmen.

Bei mir sind es oft Bücher, die sich quasi unbemerkt in meinen Besitz schleichen. In den letzten vier Wochen habe ich mich von ca. 100 Büchern getrennt. Und das nur, weil ich mich bewusst damit beschäftigt habe. Ganz nebenbei sind aber innerhalb nur einer Woche gleich mehrere Bücher wieder dazu gekommen. Ich habe einen Büchergutschein eingelöst, und – weil der eine höhere Summe umfasste – nicht nur das eine Buch gekauft, das ich haben wollte, sondern gleich drei. Zwei Bücher habe ich gebraucht gekauft. Und von Freunden mit größeren Kindern haben wir aussortierte Kinderbücher geschenkt bekommen. Ich war schon stolz auf mich, dass ich aus dem Stapel von bestimmt 15 Büchern nur die vier ausgesucht habe, die thematisch bei unserem Großen gerade auf Begeisterung stoßen.

Was den Kleiderschrank betrifft, kenne ich die Regel: ein Teil rein – ein (gleichwertiges!) raus. Die habe ich bisher mal mehr, meistens weniger konsequent angewendet. Dass diese Regel unbedingt Sinn macht, ist mir bei meinem Projekt 300 mehr als deutlich geworden. Ich habe mir vorgenommen, sie in Zukunft konsequent anzuwenden, und zwar nicht nur auf den Kleiderschrank bezogen, sondern auf die ganze Wohnung. Ich werde beobachten, was die Türschwelle passiert – in beide Richtungen!