Archiv für den Monat Juli 2015

Kleine Wasserforscher

Da werden Kindheitserinnerungen wach! Mit einem Kescher und einem Fünf-Liter-Glas im Gepäck sind wir gestern in den Wald gezogen. In einem Teich hatten wir Kaulquappen entdeckt. Mit dabei waren Opa, Cousine und Cousin unserer Kinder. Mein Neffe, fast sechzehn, hatte mit dem Smartphone müde abgewunken, als wir ihn gefragt haben, ob er mitkommt. Als es los ging, stand er auf einmal neben uns, die Turnschuhe an den Füßen.

in-wachsenden-ringen_quappe1P1080688P1080691in-wachsenden-ringen_quappen4P1080694P1080674Die Begeisterung der Kinder war im ganzen Waldstück zu hören: „Ich seh eine! DA!!! Eine Kaulquappe! Kommt schnell, hier sind ganz viele! Guck mal! BOA!!! …“ Selbst mein Neffe war plötzlich auf allen Vieren und nicht weniger gebannt als unser Vierjähriger. Und unser großer Kleiner hat es sich nicht nehmen lassen, den Kescher selbst zu führen. Dass dem Cousin oder der Cousine ein paar zappelnde Tiere ins Netz gingen, reichte ihm nicht. Er wollte selbst einen Fang machen. Vor lauter Aufregung purzelten ihm die Konsonanten im Mund durcheinander: „Eine Kaulklappe! Guck mal, da ist eine Sibelle!“

Ich selbst war hin und her gerissen. Auf der Stelle war ich genauso fasziniert, wie ich es aus Kaulquappenfangtagen meiner Kindheit kenne. Gebannt habe ich ins Wasser gestarrt und mich gefreut über jedes Tier, das ich aus der Nähe zu sehen bekam. Dann stand ich wieder neben der Szene, war Beobachterin und einfach nur glücklich über das Glück der Kinder.

Aber Vorsicht! Amphibien stehen unter Naturschutz! Es ist nicht erlaubt, Kaulquappen aus Gewässern zu entnehmen und sie – wie wir das als Kinder gemacht haben – im Einmachglas auf die Fensterbank zu stellen. Noch nicht einmal zu Bildungszwecken unter fachkundiger Aufsicht werden hierfür Ausnahmegenehmigungen erteilt, wie dieser Fall zeigt. Kinder bekommen einen ganz anderen Bezug zu Amphibien, wenn sie deren Entwicklung mit eigenen Augen beobachten, haben die Befürworter argumentiert. Aber der Naturschutz steht im Vordergrund, so die Behörden.

Grundsätzlich ist das ja richtig! Trotzdem stellt sich die Frage, unter welchem Vorzeichen Kinder eigentlich mit der Natur in Berührung kommen. Ist es vor allem die Gefährdung, die Bedrohung, die Schutzwürdigkeit? So sehr, dass man besser gar nicht raus geht, um nichts kaputt zu machen? Und die Umwelt dann mehr oder weniger nur aus Büchern kennt? Vielleicht ist das übertrieben so, doch der Gedanke an sich ist ernst zu nehmen, finde ich! In Andreas Webers Buch Mehr Matsch! findet sich die Überlegung: Wenn Kinder die Natur vor allem von ihrer bedrohten Seite her kennen lernen, bleibt ihnen eine ganz elementare Erfahrung verschlossen. Eine Erfahrung, die nur aus der unmittelbaren Begegnung entsteht, wenn wir durch die Wiesen streifen oder ganz unbefangen Kaulquappen nachstellen, so wie in meiner Kindheit. Es geht um die Grunderfahrung: Leben setzt sich durch! Und damit um ein Grundvertrauen ins Leben.

Wir haben es mit unserem Froschnachwuchs so gehalten: kurzfristig sind die gefangenen Kaulquappen in unser Glasgefäß gewandert. So konnten wir sie aus nächster Nähe bestaunen und studieren. Nach kurzer Zeit aber haben wir sie wieder in die Freiheit entlassen.

52d20-6a0120a791de49970b01b8d12afe98970c-piWieder einmal verlinkt bei naturkinder.

Sturer Esel?

Gestern waren wir mit Eseln unterwegs. Eseltrekking. Von dem Eifeldörfchen Nettersheim ging es den Erlebnispfad entlang durch Wald und Wiesen und vorbei an römischen Ausgrabungen und Fossilienfeldern.

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Unser großer Kleiner hat ordentlichen Respekt vor Tieren, zumal wenn sie größer sind als er und das Maul so weit aufreißen können. Er hat es vorgezogen, die Esel aus sicherer Entfernung zu betrachten. Die Begeisterung unseres Kleinen dagegen kennt keine Grenzen, wenn er Tiere sieht. Immerhin unterscheidet er inzwischen begrifflich: „gag gag“ für alles, was fliegt und einen Schnabel hat, und „wau wau“ für alle restlichen Tiere. Wir mussten ihn etwas zurückhalten, denn auch wenn uns versichert wurde, dass die Esel sehr kinderlieb sind, waren wir uns manchmal doch nicht sicher, ob sie diese übergroße Zuneigung teilen.

Foto: Judith Schmidt

Foto: Judith Schmidt

Samuel und Ephraim hießen unsere tierischen Begleiter. Die Esel haben unsere Tasche, Picknickdecke und das Laufrad getragen. Wir haben die Esel geführt.

Ich war erstaunt, wie einfach das war. Ich weiß gar nicht so genau, was ich mir vorgestellt hatte. Wahrscheinlich, dass der Esel ständig stehen bleibt oder in eine andere Richtung will, und dass man an ihm ziehen und zerren muss, damit er sich in Bewegung setzt. Dass man auf diese Weise kaum vorwärts kommt. Aber weit gefehlt! Der Esel trabte ruhig und stetig neben mir her. Ich hatte nichts zu tun, außer die Leine zu halten und den Esel ab und an mal vom Fressen abzuhalten. Fängt er damit nämlich einmal an, dann will er wirklich nicht mehr weiter.

Auf meine Frage, woher denn die Vorstellung vom sturen Esel kommt, bekam ich von unserer Begleiterin einen kurzen Exkurs über die Herkunft der Langohren. Sie sind Wüstentiere, ihr ursprünglicher Lebensraum waren Geröllwüsten. Da musste jeder Tritt sitzen. Deshalb prüfen die Tiere genau den Untergrund, und wenn sie unsicher sind, gehen sie nicht weiter. Sie überlegen, wohin sie den Fuß setzen können, und einer Pfütze kann man ja nicht ansehen, ob man in ihr ertrinken kann oder nicht. Also, ein Esel kann das zumindest nicht. Eigentlich ist dieses Zögern sehr schlau von ihnen. Nur die Menschen meinen schnell mal, sie hätten nicht die Zeit abzuwarten. Sie ziehen an dem armen Tier, das sich in ihren Augen stur stellt und rumbockt.

Oh, wie fühlte ich mich bei diesen erklärenden Worten an manche Situation zuhause erinnert! Die Kinder wollen sich partout nicht in Bewegung setzen, wenn wir aus dem Haus müssen. Sie tun scheinbar völlig irrationale Dinge, die mich schlicht auf die Palme bringen und die Geduld verlieren lassen. Oft gibt es dafür einen – meistens erst im Nachhinein  erkannten – völlig einfachen Grund. Der große Kleine ist zum Beispiel noch nicht mit seinem Lego-Projekt fertig. Wenn ich – verbal oder handgreiflich – an ihm ziehe und zerre, schaffe ich es meistens nicht, ihn in Bewegung zu setzen. Dafür sind wir beide ziemlich schnell ziemlich am Ende mit unseren Nerven. Nehme ich aber meine Ungeduld für einen Moment zurück und frage ihn, wie lange er noch braucht, bekomme ich oft eine höchst realistische Einschätzung. Wenn ich mir dann die Zeit nehme, diese ein, zwei Minuten abzuwarten, haben wir im Vergleich zu der ersten Vorgehensweise wahrscheinlich keine Zeit verloren, dafür aber unsere Nerven geschont und unsere gute Stimmung bewahrt.

„Wenn wir vollkommen an unser Kind glauben, vertrauen wir darauf, dass es in jedem Augenblick sein Allerbestes tut – seinem Alter, seiner Erfahrung und den Umständen entsprechend.“ (Jan Hunt, Mensch Kind)

Dieser Satz ist mir vor gut einem Jahr zum ersten Mal begegnet, und ich habe ihn sofort als wahr und stimmig empfunden. Warum verliert man das im Alltag so oft aus dem Blick?

Gestern habe ich mich von den Eseln daran erinnern lassen…

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Auch mit diesem Beitrag mache ich wieder mit bei GRÜNZEUG von naturkinder.

Holunderblütensirup

Die Erfrischung für heiße Sommertage wie diese ist perfekt: selbstgemachter Holunderblütensirup. Ein paar Eiswürfel mit Sirup übergießen und das Glas mit Wasser auffüllen. Eine wunderbare Erfrischung, die bei allen gut ankommt, von klein bis groß.

Die Blüten habe ich gemeinsam mit unserem großen Kleinen gesammelt. Er hat mit mir nach Holunderbüschen am Wegesrand Ausschau gehalten, die große Box festgehalten und die Blütendolden gezählt. Von jedem Strauch haben wir nicht mehr als drei Dolden abgeschnitten, damit noch genügend Blüten bleiben, aus denen Holunderbeeren reifen können. Am besten sammelt man die Blüten an einem sonnigen Tag mittags oder nachmittags, dann haben sie am meisten Aroma.

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Ich habe ein Rezept gefunden, das mit verhältnismäßig wenig Zucker auskommt, und es für uns noch etwas abgewandelt. Man nehme:

15-20 Dolden

2 unbehandelte Zitronen

1,5 l Wasser

300 gr Vollrohrzucker

3 Päckchen Zitronensäure

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Die Zitronen in feine Scheiben schneiden und in einem großen Topf abwechselnd mit den Dolden aufeinander schichten, von den Blüten dabei möglichst viel Grün abschneiden. Das Ganze mit ca. 1,5 l Wasser aufgießen und im Kühlschrank zwei Tage ziehen lassen.

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Den Aufguss dann durch ein Küchentuch seihen und die Flüssigkeit mit dem Zucker aufkochen. Zitronensäure zugeben und heiß in Flaschen füllen. Fertig!

Der Sirup ist zwar nicht grün, trotzdem passt das prima zu GRÜNZEUG von naturkinder.

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