Kleine Wasserforscher

Da werden Kindheitserinnerungen wach! Mit einem Kescher und einem Fünf-Liter-Glas im Gepäck sind wir gestern in den Wald gezogen. In einem Teich hatten wir Kaulquappen entdeckt. Mit dabei waren Opa, Cousine und Cousin unserer Kinder. Mein Neffe, fast sechzehn, hatte mit dem Smartphone müde abgewunken, als wir ihn gefragt haben, ob er mitkommt. Als es los ging, stand er auf einmal neben uns, die Turnschuhe an den Füßen.

in-wachsenden-ringen_quappe1P1080688P1080691in-wachsenden-ringen_quappen4P1080694P1080674Die Begeisterung der Kinder war im ganzen Waldstück zu hören: „Ich seh eine! DA!!! Eine Kaulquappe! Kommt schnell, hier sind ganz viele! Guck mal! BOA!!! …“ Selbst mein Neffe war plötzlich auf allen Vieren und nicht weniger gebannt als unser Vierjähriger. Und unser großer Kleiner hat es sich nicht nehmen lassen, den Kescher selbst zu führen. Dass dem Cousin oder der Cousine ein paar zappelnde Tiere ins Netz gingen, reichte ihm nicht. Er wollte selbst einen Fang machen. Vor lauter Aufregung purzelten ihm die Konsonanten im Mund durcheinander: „Eine Kaulklappe! Guck mal, da ist eine Sibelle!“

Ich selbst war hin und her gerissen. Auf der Stelle war ich genauso fasziniert, wie ich es aus Kaulquappenfangtagen meiner Kindheit kenne. Gebannt habe ich ins Wasser gestarrt und mich gefreut über jedes Tier, das ich aus der Nähe zu sehen bekam. Dann stand ich wieder neben der Szene, war Beobachterin und einfach nur glücklich über das Glück der Kinder.

Aber Vorsicht! Amphibien stehen unter Naturschutz! Es ist nicht erlaubt, Kaulquappen aus Gewässern zu entnehmen und sie – wie wir das als Kinder gemacht haben – im Einmachglas auf die Fensterbank zu stellen. Noch nicht einmal zu Bildungszwecken unter fachkundiger Aufsicht werden hierfür Ausnahmegenehmigungen erteilt, wie dieser Fall zeigt. Kinder bekommen einen ganz anderen Bezug zu Amphibien, wenn sie deren Entwicklung mit eigenen Augen beobachten, haben die Befürworter argumentiert. Aber der Naturschutz steht im Vordergrund, so die Behörden.

Grundsätzlich ist das ja richtig! Trotzdem stellt sich die Frage, unter welchem Vorzeichen Kinder eigentlich mit der Natur in Berührung kommen. Ist es vor allem die Gefährdung, die Bedrohung, die Schutzwürdigkeit? So sehr, dass man besser gar nicht raus geht, um nichts kaputt zu machen? Und die Umwelt dann mehr oder weniger nur aus Büchern kennt? Vielleicht ist das übertrieben so, doch der Gedanke an sich ist ernst zu nehmen, finde ich! In Andreas Webers Buch Mehr Matsch! findet sich die Überlegung: Wenn Kinder die Natur vor allem von ihrer bedrohten Seite her kennen lernen, bleibt ihnen eine ganz elementare Erfahrung verschlossen. Eine Erfahrung, die nur aus der unmittelbaren Begegnung entsteht, wenn wir durch die Wiesen streifen oder ganz unbefangen Kaulquappen nachstellen, so wie in meiner Kindheit. Es geht um die Grunderfahrung: Leben setzt sich durch! Und damit um ein Grundvertrauen ins Leben.

Wir haben es mit unserem Froschnachwuchs so gehalten: kurzfristig sind die gefangenen Kaulquappen in unser Glasgefäß gewandert. So konnten wir sie aus nächster Nähe bestaunen und studieren. Nach kurzer Zeit aber haben wir sie wieder in die Freiheit entlassen.

52d20-6a0120a791de49970b01b8d12afe98970c-piWieder einmal verlinkt bei naturkinder.

Advertisements

Ein Gedanke zu „Kleine Wasserforscher

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s