Wie mit Kindern über Terror reden?

iwR_Kerzen

Als ich den gestrigen Post schrieb, hatte ich die Nachrichten des Tages noch nicht gelesen. Wahrscheinlich hätte ich sonst nicht über Laternen, Martinsfeuer und Willkommen geschrieben. Mein erster Gedanke war: Wie unbedeutend sind solche Erfahrungen angesichts der Ereignisse in Paris! Wie rührselig vielleicht auch. Aber dann habe ich gedacht: Nein, das stimmt nicht! Genau das ist wichtig. Über unsere Werte nicht nur reden. Sondern Menschlichkeit und Zusammenhalt leben. Sie in Szene setzen, erfahrbar machen, um-setzen!

Meine nächste Überlegung war: Wie kann ich denn mit Kindern über solche Ereignisse reden? Dazu auf die Schnelle ein paar Gedanken:

Am besten gar nicht! Diese Nachrichten gehören nicht in Kinderohren und -herzen! Je kleiner die Kinder sind, desto weniger. Das heißt für mich, aufmerksam mit meinem eigenen Medienkonsum sein: nicht einfach so nebenbei das Radio laufen lassen. Selbst kleine Kinder schnappen mehr auf, als man oft denkt. Falls nun aber genau das passiert ist, gilt:

Die Dramatik rausnehmen! Den Gedanken in dieser Klarheit verdanke ich Nicola Schmidt. Sie empfiehlt einen Mittelweg zwischen Wahrheit und Schonung. Aus genau diesem Grund: Terrornachrichten gehören nicht in Kinderohren und – herzen! Ich erinnere mich lebhaft an eine Diskussion – ausgerechnet mit einer Freundin aus Israel! – über den Film „Das Leben ist schön„: Ist es erlaubt, ein Kind anzulügen, um es vor einer schmerzlichen Wahrheit zu bewahren? Ich bin der Meinung: unbedingt ja! Nicht um Kindern eine heile Welt vorzugauckeln. (Schmerzliche Wahrheiten, die das Kind direkt betreffen, Krankheit und Tod in allernächster Umgebung etwa, gehen Kinder unbedingt etwas an!) Aber um Kinder vor einer Realität zu bewahren, die sie schlicht nicht verarbeiten können.

Keine Bilder! Das heißt vor allem keine Fernsehbilder! Unser Hirn unterscheidet nicht, ob wir von einer Situation „nur“ Bilder sehen oder ob wir live dabei sind. Es verarbeitet Bilder immer so, als gehe es um unmittelbar Erlebtes. Und entsprechend reagiert es mit Stress. Das gilt übrigens genauso für uns Erwachsene. Außerdem sind die Bilder von verletzten und verzweifelten Menschen keine „Nachrichten“, die wir „wissen“ müssten – dafür begleiten sie uns eindringlicher als alles andere.

Mit Kindern über ihre Gefühle reden! In diesem Fall – anders als bei der Dramatik der Situation – gilt: nicht beschwichtigen! Wenn Gefühle wie Angst, Trauer und Wut da sind, hilft es, sie auszusprechen. Das ist wie mit einem Luftballon: Wenn sich immer mehr aufstaut, dann platzt er irgendwann. Wenn bedrohliche Gefühle ausgesprochen werden können, wenn es jemanden gibt, der mitfühlt, dann kann die Luft einfach ausströmen. Eine hervorragende Hilfe zu diesem Thema sind hier die Bücher von Vivian Dittmar! Gleichzeitig ist es natürlich wichtig zu signalisieren:

Die Erwachsenen kümmern sich drum. Das hat nichts mit beschwichtigen zu tun. Die Grundbotschaft lautet: Du darfst weiter Kind sein und unbekümmert spielen. Die Erwachsenen regeln das. So gut wie sie können.

Sich an eine höhere Macht wenden. Beten, in die Kirche gehen, eine Kerze anzünden, über Schutzengel sprechen – was euch entspricht. Es für Kinder so wichtig zu erleben, dass auch die Erwachsenen nicht die letzte Instanz sind. Dass auch sie sich an jemanden wenden mit ihren Fragen, ihrer Not, aber auch dass sie Vertrauen haben. Wir waren heute in der Kirche und haben dort gesungen: „Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu dieser Zeit… Schaffe Licht in dunkler Nacht. Erbarm dich, Herr.“ Wie passend!

Wie über eine höhere Macht zu reden ist – die unendliche Liebe ist, der wir uns anvertrauen, die aber zugleich so erschreckende Ereignisse nicht verhindert  – das ist freilich ein ganz eigenes Thema!

Wer mehr zu dieser Fragestellung lesen will, dem kann ich ein Buch des amerikanischen Rabbiners Marc Gellman empfehlen: Wo steckt Gott? Wie wir unseren Kindern helfen können, mit schlechten Nachrichten umzugehen.

Wie haltet ihr das? Habt ihr noch andere Punkte, die euch wichtig sind?

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