Archiv für den Monat Dezember 2015

Mit einer Aufgabe geboren

Zu den größten Inspirationen der vergangenen zwei Jahre zählen für mich die Bücher von und die Begegnung mit Sobonfu Somé. Die Lehrerin afrikanischer Weisheit und Spiritualität stammt aus Westafrika, aus Burkina Faso. Es ist eines der ärmsten Länder der Welt, aber es ist unermeßlich reich an spirituellen Traditionen. Einige davon bringt Sobonfu Somé durch ihre Bücher und ihre Workshops in die westliche Welt. Denn genau das ist ihre Lebensaufgabe. Sie ist die „Hüterin der Rituale“, wie ihr Name übersetzt heißt.

Als ich zum ersten Mal davon gelesen habe, hat mich das gleich fasziniert. Die Dagara – der Stamm, dem Sobonfu Somé angehört – gehen davon aus, dass jedes Kind mit einer Aufgabe in diese Welt kommt. Es hat eine Bestimmung, eine Berufung, ein Lebensziel. Es bringt Gaben mit, die für die Gemeinschaft wichtig sind. Noch in der Schwangerschaft wird ein Ritual durchgeführt, um von dieser Lebensaufgabe zu erfahren. Die Schwangere wird in Trance versetzt und durch die Ältesten befragt. Die Mutter des Kindes gibt so die Bestimmung und die Aufgabe des kommenden Wesens weiter. Das Lebensziel findet seinen Niederschlag im Namen des Kindes, so dass seine Aufgabe immer präsent ist. In Kindheit und Jugend erhält es alle Unterstützung, die es braucht, um seine Gaben entfalten und in die Gemeinschaft einbringen zu können.

Mich hat das ungeheuer beeindruckt. Welcher Respekt und welche Ehrfurcht vor dem Wesen jedes einzelnen Menschen stehen dahinter! Welche Verantwortung und welcher Gemeinschaftssinn, jeden Neuankömmling darin zu unterstützen, seinen Platz im Leben zu finden!

Und welch ein Unterschied zu der Art und Weise, wie wir in unserer westlichen Welt ins Leben starten! Wir werden als eine tabula rasa betrachtet und in den ersten (sechzehn bis neunzehn!) Jahren mit quasi neutralem Wissen gefüttert. Mit 40 suchen wir dann unsere midlife-vision und investieren viel Geld und Coaching-Sitzungen, um unsere Berufung zu finden.

Gleichzeitig hat mich dieser Gedanke neugierig gemacht. Kennen wir denn nichts Vergleichbares? Gibt es in unserer Tradition kein Wissen um eine Lebensaufgabe, mit der wir geboren werden? Und ich bin unverhofft fündig geworden! In den christlichen Erzählungen findet sich gleich zwei Mal der Bericht von noch ungeborenen Kindern, die mit einer besonderen Aufgabe in die Welt kommen. In diesen Tagen hat man sie vielleicht gerade wieder mal gehört. Hier ist es kein Ritual mit Gesang, Trommeln und Trance, das die Lebensaufgabe offenbart. Es ist ein Engel, der die Botschaft überbringt. Gabriel. Er übermittelt Botschaften aus einer anderen Wirklichkeit. Und Empfänger sind jeweils die Eltern. Einmal ist es der Vater, Zacharias. Er erfährt von Gabriel, dass er einen Sohn haben wird und dessen Bestimmung wird sein, „die Herzen der Väter den Kindern zuzuwenden“! Wie wunderbar! Und die zweite Geschichte, nun, das ist die bekanntere: Gabriel stattet Maria einen Besuch ab und kündigt auch hier die Geburt eines Sohnes an. Er wird „heilig“ sein und „Kind Gottes“ genannt werden und eine Herrschaft antreten, die niemals aufhören wird.

Mit einer Aufgabe geboren. Vielleicht sind diese beiden Kinder, von denen hier die Rede ist, zu besonders, um diesen Gedanken auf alle Menschen auszuweiten? Vielleicht haben wir unsere Verbindung zu Engeln, zu unserer Intuition, zu unserer spirituellen Weisheit verloren? Vielleicht fehlen uns wirkmächtige Rituale und die Unterstützung einer Gemeinschaft, um damit in Berührung zu kommen? Mich lässt der Gedanke jedenfalls nicht mehr los, und ich werde ihm auf der Spur bleiben!

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windelfrei update

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Fast sah es so aus, als hätten wir uns von windelfrei verabschiedet. Das ganze erste Jahr hindurch ging zumindest das große Geschäft nicht in die Windel, sondern immer sofort dahin, wo es hin gehört. Und auch das Pinkeln haben wir zu bestimmten Zeiten wenigstens regelmäßig abgepasst. Dass zu unserer Form von windelfrei so gut wie immer auch Windeln gehörten, habe ich hier beschrieben.

Aber dann haben wir irgendwie den Faden verloren. Wie alles bei Kindern (und im Leben überhaupt) läuft auch windelfrei in Phasen ab. Werden die Kleinen mobiler und aktiver, haben sie plötzlich keine Zeit mehr, sich um ihre Ausscheidungen zu kümmern. Das war mir zwar bekannt, aber den richtigen Dreh für diese Phase habe ich nicht gefunden. Je länger das dauerte, desto größer wurde meine Sorge, dass wir die Errungenschaften des ersten Jahres komplett verlieren. Immerhin hat der Kleine ein Jahr lang seine Bedürfnisse mehr oder weniger zuverlässig kommuniziert und entsprechend sein Bewusstsein über diese Vorgänge bewahrt. Jetzt hatte ich die Sorge, dass er genau das wieder verliert und er in ein, zwei Jahren lernen muss, ohne Windeln klar zu kommen, als hätte es windelfrei bei uns nie gegeben.

Ich weiß gar nicht mehr genau, wie es kam, aber inzwischen haben wir eine neue Form für uns gefunden. Vielleicht ist es das Vorbild des großen Bruders, denn neuerdings übt das Töpfchen eine ungeheure Faszination auf den Kleinen aus. Unsere derzeitige windelfrei-Phase sieht also so aus: Immer, wenn ich den Kleinen wickele, frage ich ihn: Willst du mal Pipi machen? Willst du grad mal aufs Töpfchen gehen? Und ich bekomme immer eine sehr präzise Antwort! Wenn er nein sagt, dann ist es im Moment wirklich nicht dran. Oft fällt ihm aber genau in dem Augenblick ein, dass er doch vielleicht gerade mal muss. Also läuft er ins Badezimmer, setzt sich aufs Töpfchen und macht – manchmal nur ein paar Tröpfchen. Dann ist er aber so stolz, dass er mit leuchtenden Augen das Töpfchen durch die ganze Wohnung trägt, bis alle Familienmitglieder es zur Kenntnis genommen und Beifall geklatscht haben. Zu süß!

Dann gibt es immer wieder auch Phasen, wo er komplett ohne Windeln durch die Wohnung läuft. Ich knöpfe den Body seitlich, so dass ich ihn nicht komplett umziehen muss, wenn mal etwas daneben geht. Auch hier frage ich immer wieder zwischendurch, ob er grad muss. Und wenn mal was auf dem Boden landet, ist das auch nicht weiter schlimm. Wir haben nur Parkettboden oder Fliesen, und der Kleine kommt immer sofort angelaufen und sagt Bescheid, wenn es mal ein Malheur gab.

Bei unserem großen Kleinen wäre ich damals nie auf die Idee gekommen, ihn mit anderthalb Jahren zu fragen, ob er aufs Töpfchen gehen will. Bei unserem Kleinen bin ich froh, dass wir jetzt diese neue windelfrei-Form gefunden haben, und dass damit die „elimination communication“ weitergeht.

Advent, Advent…

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Das erste von 24 Türchen ist geöffnet! In diesem Jahr sind es bei uns allerdings keine Türchen, sondern Pyramiden. Die wunderbare Idee für diesen Adventskalender habe ich hier gefunden: 24 Pyramiden für 24 kleine Überraschungen. Die kleinen Täschchen aus Filz sind einfach und super schnell zu nähen. In dem Tutorial war der Hinweis zu finden, dass es zu schaffen ist, selbst wenn man erst am 30.11. anfängt. Das kann ich aus Erfahrung inzwischen bestätigen!

Unser Adventskranz wurde in diesem Jahr von Kinderhand dekoriert! Und er sieht zum ersten Mal so ganz anders aus als all die vergangenen Jahre. Glitzerfigürchen, rote Herzen und ein Nikolaus – ich hätte das nicht ausgewählt… Aber ich finde, unser Kranz ist richtig schön geworden!

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