Archiv für den Monat Mai 2016

Unterwegs Bedürfnisse erkunden (GfK #3)

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Am Wochenende hatte ich ein wunderbares Seminar in der Schweiz. (Dazu an anderer Stelle mehr!) Die Zugfahrt hat mich durch halb Deutschland geführt, und ich bin in den Genuss gekommen, mit der Schwarzwald-Bahn quer durch verschlungene Täler und über weite Höhen des Schwarzwalds zu fahren. Dabei hatte ich reichlich Gelegenheit, mich in der Erkundung meiner Bedürfnisse zu üben.

Beim Blick aus dem Fenster hatte ich nämlich ganz viele Das will ich auch!-Impulse. Aus der Achtsamkeits-Schulung (MBSR) kenne ich die Übung, die eigenen Gedanken zu beobachten. Dabei ist es hilfreich, innerlich einmal kurz zu benennen, was gerade in mir vorgeht. Wenn ich z.B. denke: Oh, ich muss mich dringend noch zum Seminar anmelden!, dann benenne ich es: Planen. Oder wenn mir durch den Kopf schießt: Was hat die denn für einen schrägen Hut auf?, dann nehme ich wahr, was ich gerade tue: Urteilen. Und während der Bahnfahrt habe ich bemerkt, dass mir ganz viel Haben-Wollen im Kopf rumspukt.

Das großartige an der gewaltfreien Kommunikation (GfK) ist, dass sie noch einen Schritt weiter geht. Es geht auch hier darum, Gedanken und Gefühle wahrzunehmen, dann aber noch tiefer zu gehen und die darunter liegenden Bedürfnisse ans Licht zu bringen. Ich habe also – jedes Mal, wenn ich beim Blick aus dem Fenster etwas gesehen habe, wo in mir ein Das will ich auch! anspringt – Ausschau gehalten, welches Bedürfnis sich darin zu Wort meldet.

Hier eine Auswahl an Haben-Wollen-Impulsen und den Bedürfnissen, die ich darin ausgemacht habe:

eine wunderschöne, idyllische Terasse – Erholung, Schönheit

Menschen sitzen in der Sonne, im Gras, am Fluss – Erholung, unmittelbarer Kontakt mit der Natur

Radfahrer – Bewegung, Entspannung, Natur um mich herum

eine Frau im Liegestuhl – Entspannung, Ruhe

das Tomate-Mozzarella-Brötchen meines Sitznachbarn im Zug – Geniessen

der Wald – sinnlicher Kontakt mit der Natur, Ruhe, Erholung

ein Fluss – Erfrischung, den Körper und meine Lebendigkeit spüren

die idyllischen Schwarzwaldhäuser: holzverkleidet, mit kleinen Fenstern und einem riesigen Dachstuhl – Rückzug, Geborgenheit

und zuletzt ein Heißluftballon, schon in der Schweiz, über den Appenzeller Bergen – Ruhe, Frieden, Freiheit

Nach dieser kleinen Übung war mir völlig klar, dass ich dringend erholungsbedürftig bin! Ich sehne mich danach, in der Natur zu sein und meinen Körper (in Bewegung) zu spüren. Das hat mir das Seminar zwar weniger geboten, dafür hatte ich aber eine klare Vorstellung davon, wie ich meine freie Zeit gestalte: wandern, im Liegestuhl unter einer Linde liegen und abends, zum Teil in eine Wolldecke eingewickelt, ein Glas Wein unter freiem Himmel trinken… Immer mit Blick auf die Berge! Herrlich! Zusammen mit der Inspiration des Seminars komme ich jetzt wirklich erholt und genährt wieder zurück!

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Eine Sonntagsfreude – mit Gruß in die Schweiz!

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Kopernikanische Wende (GfK #2)

Meine Begeisterung für die gewaltfreie Kommunikation (GfK) wächst von Tag zu Tag und von Wort zu Wort, das ich von Marschall Rosenberg lese. Was gerade geschieht, ist nicht weniger als eine kopernikanische Wende in meiner Wahrnehmung! Es ist die Wendung von außen nach innen, vom Du zum Ich.

Aber mal langsam. Worum geht es genau?

Ich erinnere mich noch gut, wie ich an einem Wochenmantra in meinem artgerecht-Planer hängen geblieben bin. Es ging darum, wie wichtig für Kinder die Botschaft ist: „Du bist nicht schuld!“ Kinder beziehen alles auf sich selbst, deshalb ist es so wichtig, sie zu entlasten. Zum Beispiel: Ich bin grad total genervt, aber du bist nicht schuld!

So weit, so gut! Aber wie soll das bitte schön funktionieren, wenn es sich gerade genau so anfühlt: Ich bin total genervt, und das ist absolut deine Schuld!!! Eine typische Situation: wenn wir morgens aus dem Haus gehen. Wir sind ohnehin spät dran, ich habe schon siebenundzwanzig Mal gerufen: Kommt, Schuhe anziehen! – ohne Reaktion – und habe ich die Kinder endlich im Flur versammelt, wird plötzlich alles zum Drama! Das Schildchen im T-Shirt zwickt, die Socken sind falsch, wir finden die Handschuhe nicht (ja, die braucht Kind auch im Mai!) und die Diskussion, warum wir nicht mit dem Auto, sondern mit dem Fahrrad zur KiTa fahren, beginnt jeden Morgen von vorn. Und endet mit Gebrüll! Ich bin fertig mit den Nerven, stehe total unter Druck, weil ich schon wieder zu spät zur Arbeit komme und würde die Kinder am liebsten kurz und klein brüllen. Ja: Ich bin total genervt, und das ist absolut deine Schuld!!!

So fühlte sich das bisher an. Inzwischen habe ich etwas Entscheidendes verstanden! Nämlich wie Gefühle und Bedürfnisse zusammen hängen. Meine Gefühle entstehen nicht, weil jemand anderes etwas falsch macht. Meine (unangenehmen) Gefühle zeigen an, dass eine Lücke besteht zwischen der aktuellen Situation und meinen Bedürfnissen. Nicht mein Gegenüber ist schuld daran, wie ich mich fühle, sondern meine unerfüllten Bedürfnisse melden sich in den Gefühlen zu Wort.

Die Formulierung: Ich bin genervt, weil du dies und das tust! wird mit Hilfe der GfK nur minimal verändert, aber mit großer Wirkung: Ich bin genervt, weil ich dies und das brauche! In meinem Fall: Ich bin genervt, weil ich pünktlich sein möchte und mir für unseren Start in den Tag mehr Leichtigkeit wünsche! Und da geht es nicht in erster Linie um sprachliche Feinheiten. Es geht um eine ganz andere Wahrnehmung! Habe ich den Blick auf dem (angeblichen Fehl-)Verhalten des andern oder richte ich meine Wahrnehmung auf meine eigenen Bedürfnisse?

Diese neue Wahrnehmung allein führt noch nicht dazu, dass bei uns morgens alles fluppt. Trotzdem ändert sie unendlich viel:

1. Es entspannt, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Dieser kleine Moment an Selbst-Empathie ist ungeheuer hilfreich: Warum fühlt sich gerade alles so verkehrt an? Genau, weil es mir wichtig ist, pünktlich und verlässlich zu sein. Und weil ich mir Leichtigkeit in unserem Zusammenleben wünsche. Ich bin in Kontakt mit mir selbst und dadurch ein ganzes Stück gelassener.

2. Ich schaue milder auf meine Kinder – oder wer auch immer gerade mein Gegenüber ist. Wenn ich im Vorwurfs-Modus bin, ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir eine gute Lösung finden, relativ gering. Im Gegenteil, die Eskalation ist eigentlich schon vorprogrammiert. Wenn ich aber in Kontakt bin mit dem, was ich gerade brauche, bin ich offener, nach Wegen zu suchen, die für uns alle funktionieren. Und dann ist es tatsächlich möglich, die Kinder zu entlasten: Ich bin grad total genervt, aber du bist nicht schuld!

Meine Erkenntnis dreht sich letztlich darum, ein Personalpronomen und den Bezugsrahmen auszutauschen. Nicht mehr: Ich fühle …, weil du … tust (Verhalten des anderen). Statt dessen: Ich fühle …, weil ich … brauche (eigene Bedürfnisse).

Das schreibt sich so einfach, ist aber alles andere als leicht. Ich bin diese Art der Wahrnehmung nicht gewohnt. Ich habe sie schlicht nicht gelernt. Deshalb fühlt sie sich für mich mindestens wie eine kopernikanische Wende an. Ob diese Erkenntnis tatsächlich eine entscheidende Wende in meiner Kommunikation bedeutet – das muss die Zeit erst noch zeigen…

Was ist in dir lebendig? (GfK #1)

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Diese Frage finde ich so wundervoll! Sie lenkt die Aufmerksamkeit liebevoll nach innen. Sie macht Lust, sich mit sich selbst zu verbinden. Und nachzuforschen: Was ist in mir lebendig? Jetzt, in diesem Augenblick?

Es ist die zentrale Frage in der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Auf verschiedenen Kanälen ist die gewaltfreie Kommunikation – kurz: GfK – in den letzten Wochen zu mir gekommen und lässt mich seitdem nicht mehr los. Es steckt so viel an Wahrheit und Schönheit in dieser Idee, die viel mehr ist als einfach nur ein Kommunikationsmodell. Es ist eine Haltung, ein (heilsames!) Menschen- und Weltbild!

Meine Vorstellungen zur GfK beschränkten sich bisher darauf, dass es wichtig ist, Ich-Botschaften zu senden. Das ist zwar nicht falsch, hat mit GfK aber ungefähr soviel zu tun, wie Instantpulver mit einem frisch aufgebrühten Cappuccino! Weil ich meine Entdeckungen so wertvoll und bereichernd finde – gerade auch im Blick auf die Kinder -, werde ich hier in der kommenden Zeit einiges davon in Worte fassen.

„Gewalt-freie“ Kommunikation ist übrigens nicht unbedingt eine glückliche Bezeichnung für diese Art, sich mit sich selbst und mit anderen zu verbinden. In der GfK geht es nämlich unter anderem darum, sich darüber klar zu werden, was man will und braucht, und das dann positiv zu formulieren. Also nicht: Ich will keinen Stress mehr haben. Sondern: Ich brauche… – ja, was denn eigentlich? – Ruhe, Entspannung, Unterstützung, Anerkennung, ein friedvolles Miteinander…? Im Sinne der GfK ist es vielleicht passend, von Bedürfnis-basierter Kommunikation zu sprechen. Es geht darum, Gefühle und Bedürfnisse zunächst einmal wahr-zunehmen und sich dann auf dieser Basis mit anderen zu verbinden. Wer das nicht gelernt hat – wie wahrscheinlich die meisten von uns – merkt schnell, dass das einfacher gesagt ist als getan! Oh ja! Wie so viele gute Dinge im Leben: GfK ist einfach, aber nicht leicht! 🙂

Die Giraffe ist übrigens das Symboltier für die GfK. Mit ihrem langen Hals hat sie eine besondere Weitsicht. Und da sie das größte Herz aller Säugetiere hat, steht sie für die wichtige Fähigkeit zum Mitgefühl.

Und? Was ist in dir lebendig?

Brotzeit zum Trinken

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Hier kommt noch ein Nachtrag zu Caros Brotzeit-Challenge. In diesem Fall geht es weniger um die Kinder als um mich: Wenn ich weiß, dass sich an einem Tag die Termine dicht an dicht reihen und ich kaum Zeit zum Essen haben werde, dann sehe ich zu, dass ich einen grünen Smoothie dabei habe. Trinken geht immer. Zur Not auch während einer Besprechung. Und diese kleine Zwischenmahlzeit hat es wirklich in sich! Sie ist ein wahrer Cocktail an Vitaminen und Mineralstoffen. Wenn er im Kühlschrank gelagert wird, kann der Smoothie gut schon am Vortag zubereitet werden. Die Kinder greifen bei uns übrigens auch gerne zu einem Glas frisch zubereiteten „Obstsaft“.

Das hier sind die drei Komponenten für einen grünen Smoothie:

Eine Handvoll Grünzeug. Mein liebstes Wildkraut ist Giersch, einfach weil er so üppig in unserem Garten wächst, aber auch weil sein Geschmack sehr mild ist. Für ein fruchtigeres Aroma mische ich gerne ein paar Blättchen Zitronenmelisse drunter. Sehr angenehm im Geschmack sind auch die frischen Triebe von Brennesseln. Aufgrund der entgiftenden und entwässernden Wirkung von Brennesseln bin ich bei der Verwendung aber eher zurückhaltend. Es müssen natürlich keine Wildkräuter sein. Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt: Spinat, Mangold, Grünkohl, Salat, das Grün von Möhren, Kohlrabi, Rote Beete etc. können zu einem grünen Smoothie verarbeitet werden.

Zwei bis drei Stücke Obst. Die Variante im Bild – mit Banane und Grapefruit – ist in Kombination mit Wildkräutern recht herb. Wenn Kinder mittrinken sollen, dann empfiehlt es sich, süßes und – wichtig! – sehr reifes Obst zu verwenden. Banane und Apfel sind bei uns so gut wie immer mit von der Partie. Und daneben alles, was sonst gerade in der (Obst- und) Gemüsekiste war: Kiwi, Mandarine, Mango, Erdbeeren, Pflaumen…

Das ganze mit so viel Wasser aufgießen, dass alles bedeckt ist, und ordentlich mixen, bis alles eine flüssig-cremige Konsistenz hat.

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Schokoladige Müsli-Brötchen

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Zum Frühstück mag ich es gerne süß! Ich habe Caros Brotzeit-Challenge zum Anlass genommen und ein Rezept ausprobiert, das ich schon lange mal testen wollte: Müsli-Brötchen mit Schokoladenstückchen. Beim Sonntagsauflug waren sie ein willkommenes Picknick, und fürs Frühstück morgen im Kindergarten sind auch noch welche übrig.

Hier das Rezept:

350 gr Vollkornmehl, 1/4 l Milch, 1 EL Honig, 1 Würfel Hefe oder ein Päckchen Trockenhefe, 100 gr Haferflocken, 50 gr Rosinen, 50 gr gehackte Haselnüsse, 50 gr geraspelte Schokolade, 50 gr Rapsöl und 2 Prisen Salz

Milch, Honig und Hefe zusammen kurz anwärmen. Dann die restlichen Zutaten hinzufügen und zu einem geschmeidigen Teig kneten. An einem warmen Ort ca. 30 Minuten gehen lassen. Nochmals gut kneten und 10 Brötchen daraus formen. Noch einmal 15 Minuten gehen lassen und dann bei 180°C ca. 25 Minuten lang backen.

Zu den frischen Brötchen gabs Cappuccino mit Herz! Das war die Gelegenheit, meine neue ecoffee cup einzuweihen. Der wiederverwendbare Kaffeebecher ist aus Bambusfasern gefertigt, also aus nachwachsenden Rohstoffen, und er kann – irgendwann mal – einfach kompostiert werden. Natürlich gibt es auch andere Wege, die 320.000 Pappbecher zu reduzieren, die deutschlandweit pro Stunde im Müll landen. Aber diese Cups sind einfach unwiderstehlich schick, eine schöner als die andere! Und so trinke ich ab jetzt unterwegs Kaffee mit grünem Gewissen – eine schöne Sonntagsfreude!

Brotzeit aus dem Glas

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Caro von den Naturkindern fragt in ihrer Brotzeit-Challenge, was landauf, landab so in den Frühstücksboxen landet. Und vor allen Dingen, was bei den Kindern auch wirklich gut ankommt.

Nicht selten kommen Brote bei unserem großen Kleinen unberührt wieder zurück. Und ich kann’s auch verstehen. Die Frühstücksbrote, die ich in meiner Schulzeit immer in der Tasche hatte, habe ich auch nicht in bester Erinnerung. Deshalb ist bei uns jeden Morgen die große Frage: „Was willst du zum Frühstücken mitnehmen?“ Es gibt ein paar Dinge, die eigentlich immer gehen, und das ist meistens ein „Pausenbrot“ aus dem Glas!

Der Liebling: Frischer Milchreis

Frisch gekochter Milchreis, am besten noch ein bisschen warm und natürlich mit Zimt bestreut, ist der absolute Liebling. Das würde jeden Tag gehen. Dank Thermomix ist der Milchreis auch unkompliziert gekocht. Niemand muss daneben stehen und rühren und nix kocht über. Die erste Portion wird meist schon zuhause verspeist und die zweite kommt garantiert nicht unberührt zurück.

Der Dauerbrenner: Stracciatella-Joghurt

Joghurt lieben die Kinder sehr, und wann immer sie möchten, dürfen sie sich einen nach eigenem Gusto aussuchen. Da Fruchtjoghurt und Co. vom Zuckergehalt aber absolut inakzeptabel sind, mische ich immer Naturjoghurt drunter. Besonders beliebt ist bei den Jungs Stracciatella-Joghurt: Naturjoghurt, evtl. leicht gesüßt mit Reissirup, mit untergemischten Schokoladenstreuseln.

Die Neuentdeckung: Griechischer Joghurt mit Honig und Walnüssen

Griechischer Joghurt ist mit seinem Gehalt von 10% Fett besonders gehaltvoll, aber einfach auch echt lecker. Mit ein bisschen Honig versüßt und frisch gehackten Walnüssen bestreut – wir haben einfach so viel davon… 🙂 – ist das inzwischen der Liebling der Eltern geworden.

Das Nahrhafte: Apfel-Joghurt-Müsli

Einen Apfel und eine Handvoll Walnüsse, Rosinen und Sonnenblumenkerne im Mixer zerkleinern und mit Haferflocken und Joghurt vermischen. Das schmeckt je frischer desto besser und ist ein wirklich schnelles Frühstück, das lange satt macht. Eine gute Grundlage für den Start in den Tag!

 

Vor-Freude

Im Garten faszinieren mich derzeit zwei Dinge:

Zum einen die Explosion des Wachstums. Gerade noch war alles kahl und wie tot. Da schieben sich vorsichtig die ersten Blättchen aus dem Nichts, fein zusammengefaltet wie eine Zieharmonika. Und mit einem Mal ist alles üppig grün und über und über mit Blüten bedeckt. Zwischen den ersten Blättchen steckt in den vielen Knospen die Verheißung einer süßen Ernte. Johannisbeeren, Holunderbeeren, Äpfel.

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Mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen. Und ich freue mich schon darauf, wenn es in unserem Kühlschrank wieder so aussieht und wir an heißen Tagen unseren Durst mit kühlem Holunderblütensirup stillen.

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Das zweite, was mich fasziniert, ist das Wesen der Pflanzen. Seit ich so dies und das über Wildkräuter in Erfahrung gebracht habe, ist das Grün um mich herum nicht mehr einfach nur grün. Ich erkenne mehr und mehr Pflanzen und freue mich darüber, wie wertvoll sie sind und in welches Süppchen sie wandern könnten. Für unsere Vorfahren waren die grünen Gewächse am Wegesrand aber weit mehr als einfach nur Grünzeug. Sie hatten wirklich ein eigenes Wesen.

Der Holunder zum Beispiel. Es ist der Baum der Frau Holle. Jede(r) von uns kennt das Märchen von den beiden Stiefschwestern, die bei ihr in die Lehre gehen – mit ganz unterschiedlichem Erfolg. Frau Holle wurde einst als Göttin verehrt, die die Herrschaft über die Jahreszeiten, das Wetter und die Jenseitswelt innehat. Dass mit ihr und ihren Gesetzen nicht zu spaßen ist, zeigt, das Märchen. Aber auch, dass von ihr zu lernen reichen Segen mit sich bringt.

Der Holunder ist Frau Holles Baum, und er galt als Zugang zu ihrem Reich. Er schafft Verbindung mit dem Erdreich und Zugang zu einem anderen Bewusstsein. Und so wie die Göttin selbst ist auch der Baum zweischneidig: Er ist weiß (Blüte) und schwarz (Beere), er ist giftig und heilend, reinigend und nährend. Aus den Blättern oder den jungen Trieben wurde ein Trank hergestellt, der Durchfall oder Erbrechen hervorruft und auf diese Weise Krankheiten vertreiben soll. Die gleiche Wirkung haben die Beeren, wenn man sie roh zu sich nimmt. Wird der Saft aber abgekocht, ist er aufgrund seines hohen Gehalts an Vitamin C und B stärkend für das Immunsystem. Und ein Aufguss aus den Blüten wirkt entgiftend, entzündungshemmend und stärkt die Abwehrkräfte.

Es gab viele Bräuche rund um den Holunderbaum, gerade weil er als Tor zu einer anderen Welt galt. Einer gefällt mir ganz besonders: Frauen, die schwanger werden wollen, sollen den Holunder küssen. (Das alleine wird nicht ausreichen, aber wer weiß, helfen kann es vielleicht schon… 😉 )

Von diesen Wurzeln sind wir heute gänzlich abgeschnitten. Ich bedauere das, denn es macht unsere Wahrnehmung der Welt ein ganzes Stück ärmer. Ich schaue auf jeden Fall auf den Holunder in unserem Garten inzwischen mit ganz anderen Augen!

Meine grüne Sonntagsfreude!