Archiv für den Monat Oktober 2016

Ab nach draußen!

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Dass es wichtig ist, dass Kinder draußen spielen, weiß man ja. Irgendwie. Aber wenn man richtig gute Gründe dafür hat, macht es noch viel mehr Spaß, bei (fast) jedem Wetter mit den Kleinen rauszugehen! Gute Gründe gibt es natürlich viele, nachzulesen zum Beispiel hier und hier. Und seit ich den Film „Zwischen zwei Welten – Kinder im medialen Zeitalter“ gesehen habe, kenne ich noch einen Grund mehr.

Hier geht es um die Hirnentwicklung unserer Kinder. Anders als Tiere kommen Menschenkinder nicht mit einem fertig entwickelten Gehirn zur Welt. Ein Huhn hat nicht viele Entwicklungsmöglichkeiten. Es scharrt im Gras und pickt Körner und legt Eier. Und diese Möglichkeiten sind von Anfang an in ihm angelegt. Ein Huhn ist ein Huhn ist ein Huhn. Anders bei uns Menschen. Welche Fähigkeiten wir ausbilden, ist nicht von Geburt an festgelegt. Es sind unzählige Möglichkeiten angelegt, es müssen erst Verknüpfungen und Verschaltungen gebildet werden. Unser Gehirn muss sozusagen erst gebrauchsfertig werden.

Und dabei spielen die Sinneserfahrungen eine zentrale Rolle. Das Gehirn setzt das, was unsere Sinne übermitteln, in Aktivität der Neuronen um. Je mehr die Sinne aktiv sind, desto vernetzter entwickelt sich das Netzwerk in den Köpfen der Kinder. Sehen, hören, riechen, schmecken, tasten! Klar, dass die Sinne draußen viel mehr zu tun haben, als wenn wir drinnen in der Stube hocken. Der Wind rauscht durch die Blätter und durch unsere Haare. Das Sonnenlicht bricht sich in jedem Moment anders durch die Wolken. Und Kinder tauchen ja noch viel mehr ein als wir Großen, die wir in der Regel über einen Waldspaziergang und das Sitzen auf der Parkbank nicht hinauskommen. Meine Jungs springen kopfüber in die großen Laubhaufen, die wir gerade täglich in unserem Garten zusammen kehren. Sie wirbeln die Blätter herum, laufen drunter durch und lassen sich mitten reinfallen… Mehr Arbeit können die Sinne nicht haben! Und die Neuronen auch nicht!

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Es liegt auf der Hand, warum jegliche Bildschirmmedien – wie pädagogisch wertvoll sie auch sein mögen – das nicht leisten können. Man schaue sich nur mal Kinder an, die vor dem Fernseher sitzen: bewegungslos, ein starrer Blick, wie in Trance. Daran ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Aber es sind eben nur zwei Sinne aktiviert, der Seh- und der Hörsinn, und die beiden auch nur sehr eingeschränkt. Jeder Bildschirm kann mit den Sinneseindrücken, die es draußen in der Natur aufzunehmen gibt, nicht mithalten.

Die Autoren des Films „Zwischen den Welten“ empfehlen deshalb ein „Neuronenschutzprogramm“. Es besteht erstens aus einer klaren Haltung der Eltern – das, was ich hier beschreibe. Der zweite Punkt ist eine „Zwei-Welten-Waage“: im Kindergartenalter sollen sich 10 Minuten Mediennutzung mit 40 Minuten freiem Spiel, am besten draußen, die Waage halten. Das funktioniert – drittens – gemeinsam mit den Kindern, wenn sie, in einfachen Worten, erklärt bekommen, was in ihrem Oberstübchen passiert und wie sie ihr Hirn fit halten können.

Wenn meine Jungs also den ganzen Nachmittag im Garten gespielt haben und sie völlig verdreckt, aber glücklich aus den Laubhaufen wieder auftauchen, freue ich mich insgeheim und denke mir: JA! Das ist echte Frühförderung!!!

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Zu Gast bei Grünzeug und Sonntagsfreude.