Wie du mithilfe von GfK Gewissensbisse auflösen kannst

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Im Urlaub wirklich ganz abschalten und entspannen? Selten ist mir das so wenig gelungen wie in diesem Jahr!

Das liegt vor allem daran, dass man mit kleinen Kindern trotz Urlaub „funktionieren“ muss: aufstehen, wenn die Kinder wach sind, Frühstück machen, Essen für den Strand einpacken, Sandburgen bauen, Kletterversuche auf dem Spielplatz absichern, quengelige Kinder auf dem Heimweg motivieren, Abendessen kochen, müde Kinder durch die Dusche schleusen, vorlesen, ins Bett bringen… So ein Urlaubstag ist ganz schön voll gepackt, und so schön das alles auch ist, beim Ins-Bett-bringen schlafe ich vor lauter Erschöpfung oft selber mit ein.

Dieses Jahr war ich damit besonders unzufrieden. Einmal habe ich mich hingesetzt und versucht, mir darüber klar zu werden, was ich eigentlich brauche. Im Sinne der gewaltfreien Kommunikation (GfK) habe ich erkundet, welches meine Bedürfnisse sind. Ganz oben auf der Liste stand:

  • Zeit für mich, in der ICH! SELBST! BESTIMMEN! KANN!!!
  • meine eigenen Impulse spüren und ihnen nachgehen
  • verbunden sein mit Erde und Himmel, Luft und Meer

„Ich brauche jetzt noch eine Woche Urlaub ganz alleine“, habe ich am Ende unseres Urlaubs zu meinem Mann gesagt. „Bleib doch noch!“ meinte er. Zuerst kam mir das verrückt vor. Doch dann habe ich nachgeschaut. Ein Bed & Breakfast-Zimmer war schnell gefunden. Eine Zugverbindung auch. Noch ein Wochenende dran hängen? Ganz alleine? Geht das wirklich?

Die Faszination dieser Idee hat so schnell von mir Raum ergriffen, dass klar war: ich mach’s! Aber genauso schnell kamen die Gewissensbisse: Ich verlängere den Urlaub und die Kinder müssen nach Hause fahren. Das werden sie nie verstehen. Das wird ihnen das Herz brechen!!!

Diese Gewissensbisse hatten mich so sehr in der Zange, dass ich es um ein Haar nicht gemacht hätte. Zum Glück kamen mir meine GfK-Kenntnisse zur Hilfe, und ich habe mich kurzfristig selbst gecoacht. Was ich nun schildere, ist ein Prozess, der in relativ kurzer Zeit den inneren Frieden (wieder) herstellen kann, wenn du dich selbst verurteilst für etwas, was du getan hast – oder wie in meinem Fall: tun willst.

In unserem inneren Team gibt es in einem solchen Fall zwei Akteure: den inneren Entscheider und die Richterin. Die beiden sind sich völlig uneins. Und welcher Stimme soll man da trauen??? Der Entscheider macht einfach, was er für gut befindet und lässt sich nicht beirren. Die Richterin kritisiert, beschimpft und verurteilt messerscharf alles, was sie nicht billigen kann. Unter dieser Fuchtel kann man sich echt elend fühlen und definitiv nichts mehr genießen – da kann der Entscheider noch so gute Tatsachen geschaffen haben.

In diesem Prozess ist es der erste Schritt, die Richterin unzensiert sprechen zu lassen. Was halte ich von mir, wenn ich so handle?

In meinem Fall hörte sich das so an: Du brichst den Kindern das Herz. Sie sollen nach Hause fahren und du bleibst? Das werden Sie nie verstehen! Du bist total egoistisch! Du nimmst dir etwas, was sie nicht haben dürfen.

Als nächstes erkundet man die Gefühle und Bedürfnisse, die hinter diesen Urteilen stehen: Wie fühle ich mich, wenn ich so über mich urteile? Und welche unerfüllten Bedürfnisse stehen dahinter?

Wie ich mich fühle, wenn die Stimmen in meinem Inneren so zetern, ist klar: klein und ohnmächtig, irgendwie falsch, beschämt, traurig.

Welche Bedürfnisse dahinter stehen, konnte ich – wie meistens – nicht ganz so einfach entschlüsseln. Ich möchte:

  • gut für meine Kinder sorgen
  • ihnen Orientierung geben und für sie verständlich handeln
  • mit ihnen verbunden sein (zum Beispiel auch indem wir den Urlaub gemeinsam abschließen – die gemeinsame Rückfahrt ist ja schließlich so eine Art Ritual)

Danach wird der Entscheider gefragt, welche Bedürfnisse er zu erfüllen versucht. Diese Frage hatte ich ja schon beantwortet:

  • Zeit für mich, in der ich selbst bestimmen kann, was ich wann tue und wie lange! Schlafen. Lesen. Spazieren gehen. Kaffee trinken. Oder einfach nur in die Luft schauen!
  • meine eigenen Impulse spüren und ihnen nachgehen
  • verbunden sein mit Erde und Himmel, Luft und Meer
  • neue Energie tanken

Schließlich stellt man die Bedürfnisse beider Seiten nebeneinander. Gibt es einen Weg, für die Erfüllung aller Bedürfnisse zu sorgen?

Oft ist dieser letzte Schritt gar nicht unbedingt notwendig. Wenn man sich mit seinen Bedürfnissen verbindet, entspannt sich innerlich meistens schon so viel, dass gar nichts weiter zu tun ist. Als ich die Bedürfnisse beider Seiten quasi in meinen beiden Händen abgewogen habe, wurde mir schnell klar, dass ich gut für meine Kinder sorge, indem ich mir diese Auszeit nehme! Ich brauche es, mit mir in Verbindung zu sein und meine Akkus aufzuladen, um auch wieder gut für sie da sein zu können. Mit dieser inneren Klarheit konnte ich offenbar gut rüber bringen, worum es mir geht. „Okay“, sagte der Große, als ich erklärt habe, dass ich noch zwei Tage bleibe. Und der Kleine meinte begeistert: „Dann bist du ganz alleine. Dann kannst du ganz in Ruhe schlafen.“ – Genau!!!

Manchmal muss man auch um Bedürfnisse trauern, die (zumindest jetzt) nicht erfüllt werden können. In meinem Fall war es der Wunsch, mit meiner Familie gemeinsam den Urlaub abzuschließen und so mit ihnen verbunden zu sein. Als sie gefahren sind, war ich ganz schön traurig. Aber es war ein anderes traurig als vorher. Es fühlte sich richtig an.

Und als ich dann – nachdem ich so lange gewunken hatte, bis das Auto nicht mehr zu sehen war – losgegangen bin, um meine Freiheit zu genießen, habe ich auf der Straße einen Bierdeckel gefunden mit der Aufschrift: Always trust your inner voice!

Echt jetzt!

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