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Wie kommt man raus aus dem Hamsterrad?

Ich habe darauf keine Antwort! Nur eine Problemanzeige. In den Worten von Gerald Hüther. Sie machen mich betroffen, wütend und ratlos. Und besorgt im Blick auf unsere Kinder. Denn sie sind so wahr!

Nun sind wir, erwachsen und der Kindheit entwachsen, aus dem Staunen längst heraus. Die Pflicht, die Verantwortung, die Gewöhnung hat verschüttet, was war. Das Einfache ist kompliziert geworden. Das Langsame schnell. Das Große klein. Wir nehmen uns nicht mehr Zeit, die Zeit nimmt uns. Wir drehen am Rad. Sind müde und erschöpft, fühlen uns ausgelaugt und überfordert. Der Takt der Arbeitswelt diktiert den Alltag, er bestimmt unsere Beziehungen, unsere Verhältnisse, unser Denken. Der technische Fortschritt, der soziale Wandel und das Tempo des Lebens – wir erfahren es täglich – lassen uns zunehmend ratlos zurück. Das Leben ist zu einem Stresstest geworden, effizient soll es sein, perfekt, optimiert. Alles muss Sinn machen, einen Zweck haben, unser Dasein ist Analyse. Wir werten und werden bewertet, der Wettbewerb hat auf allen Ebenen Besitz von uns ergriffen. Bei der Wahl eines Partners, bei der Geburt eines Kindes, im Job und in der Freizeit. Wir sind vernetzt und verdrahtet und unsere Köpfe voll von Bildern. Wir kommen kaum nach, diese zu ordnen. Haben für alles ein Wort und für nichts mehr Zeit. Denken daran, was wird und was war. Wir rasen durchs Sein und vergessen zu sein, beugen uns wie selbstverständlich Zwängen, ohne sie in Frage zu stellen, und liefern uns einem System aus, das von drei Wörtern beherrscht wird: Ich. Alles. Sofort. Das ist die eilige Dreifaltigkeit unserer Tage.

(aus: Gerald Hüther, Uli Hauser – Jedes Kind ist hoch begabt; Hervorhebungen von mir)

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Licht und Liebe

Meine Zitate der Woche:

Man kann einen Feind nicht bekämpfen, indem man ihm ähnlich wird. Das ist das Problem mit dem „Krieg gegen den Terror“: wer ihn führt, hat ihn bereits verloren. Die einzige Waffe gegen den Hass ist die Versöhnung.

Jakob Augstein am 16.11.2016 auf Spiegel Online

Darkness cannot drive out darkness; only light can do that. Hate cannot drive out hate; only love can do that.

Martin Luther King, aufgelesen bei mama denkt

Die Farbe blau

iwR_blauWeniger erklären – mehr wahr-nehmen – in den Worten des Benediktinermönchs und Weisheitslehrers David Steindl-Rast hört sich das so an:

Wir sagen „blau“. Aber was heißt schon „blau“? Wir schauen ja kaum hin. Wir kleben dem Ding nur schnell eine Freimarke auf. Fertig. Wir drücken ihm einen Stempel auf: „Blau. – Erledigt. Nächste Nummer!“

Was unser Verstand mit kalter Ungenauigkeit blau nennt, das kennt unter Herz als die Farbe von Taubenflügeln und Wiesenenzian, von Stahl und Lavendel, von kleinen Schmetterlingen, die am Feldweg um eine Pfütze tanzen, und vom Sommerhimmel, der sich im Braun der Pfütze dennoch blau spiegelt. Das Kind in uns weiß noch, wie viel tausenderlei Blau es gibt.

Das Kind in uns ist Dichter. Unser Herz bleibt zeitlebens dichterisch, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht. Und Dichter wissen, wie vielschichtig, wie nahezu unerschöpflich das ist, was wir so einfachhin „blau“ nennen.

David Steindl-Rast, Achtsamkeit des Herzens