Archiv der Kategorie: Inspiration

Wann leuchten die Augen unserer Kinder?

Bei mir war echt die Luft raus! Andauernder Stress bei der Arbeit, ein Dreijähriger, wie er im Buche steht, chronischer Eisenmangel – ich weiß nicht genau, woran es liegt. Aber das ist wahrscheinlich auch egal. Wie bei so vielem: es gibt nicht die eine Ursache, die wir beheben müssten, und dann ist wieder alles in Ordnung.

Meine andauernde Erschöpfung hatte zur Folge, dass ich in Tränen ausgebrochen bin, wenn ich ein wütendes „Nein“ von meinem Kleinen hörte. Weil ich nicht wusste, wie ich die möglicherweise folgende nächste Schreiattacke überstehen sollte, die gut und gerne mal eine gefühlte Stunde dauern kann. Oder ich habe mich vor jedem „Nein“, das ich auszusprechen im Begriff war, gefragt, ob ich jetzt die Kraft habe, dieses Nein auch wirklich durchzuziehen. Mit allen Konsequenzen, also zum Beispiel die nächste Schreiattacke von unabsehbarer Dauer.

Ich schreibe in der Vergangenheit davon, weil sich die Situation inzwischen ein bisschen entspannt hat. Und das unter anderem deshalb, weil ich aus meiner Not heraus intensiv nach Strategien gesucht habe, die besser funktionieren als alles, was ich bisher im Repertiore hatte. Und ich bin fündig geworden! Einige der Methoden, Strategien und Haltungen werde ich hier auf dem Blog in nächster Zeit vorstellen.

Das erste ist die schlichte Frage: Wann leuchten die Augen meiner Kinder?

Ich bin drauf gestoßen durch diesen Vortrag von Gerald Hüther.

Ungefähr ab Minute 26 spricht er darüber, dass Lernen (in diesem Fall bei Down-Kindern, aber das gilt für ‚gesunde‘ Kinder genauso) nur funktioniert, wenn ihre Begeisterung geweckt ist. Sprich: Wenn die Augen leuchten!

Ich war von dem Vortrag so inspiriert, dass ich mir vorgenommen habe, bewusst darauf zu achten: Wann leuchten denn eigentlich die Augen meiner Kinder? Ich hatte im Kopf, dass ich die Themen und Aktivitäten gezielter fördern möchte, bei denen ihre Begeisterung sichtbar zum Ausdruck kommt. Vielleicht kommt das irgendwann später auch noch mal. Der erste Effekt war aber, dass sich bei mir etwas verändert hat.

Ich nehme meine Jungs wieder bewusster wahr. Und zwar nicht nur dann, wenn sie mich anstrengen und mir den letzten Nerv rauben. Sondern genau in den Augenblicken, in denen sie einfach nur bezaubernd sind! Sie strahlen vor Begeisterung und sprühen nur so vor Lebensenergie. Und der Funke springt über. Ich lasse mich mit begeistern. Ich freue mich mit ihnen. Ich verbinde mich innerlich mit meinen Jungs und ihrem Erleben der Welt. Ich merke, wie ich mich anstecken lasse und dadurch ein Stückchen mehr Leichtigkeit einkehrt.

Weil ich diese Momente bewusst auskoste und die Intensität der Verbindung in mich aufnehme, dauert der Augenkontakt eine kleine Weile länger als gewohnt. Wir spüren in dem Moment wirklich die Verbindung. Ich kann es nicht sicher sagen, aber ich glaube, diese einfache Tatsache führt dazu, dass die Kinder entspannter und kooperativer sind. Einfach, weil sie gesehen werden.

Wann leuchten die Augen meiner Kinder? Dieser einfache Blickwechsel hat also gleich zwei schönen Konsequenzen: Ich fühle mich leichter und lebendiger. Und meine Kinder erfahren, dass sie gesehen werden. – Und das stärkt unsere Verbindung!

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Artgerecht-Planer 2017

Der artgerecht Planer 2017 - Hardcover (mit dem weekview Zeitplansystem)

Da ich im Moment noch winterlich langsam unterwegs bin, habe ich meinen neuen Kalender erst heute in Besitz  und Gebrauch genommen. Bereits zum dritten Mal habe ich jetzt den argerecht-Planer, und ich bin nach wie vor begeistert von diesem übersichtlichen, kompakten und inspirierenden Planungstool. Nach wie vor überzeugen mich die inneren Werte. Träumen. Planen. Leben. lautet das Motto.

In diesem Jahr hat aber auch die äußere Gestaltung dazu gewonnen. Zum ersten Mal ist der Planer auch in einer Hardcover-Version erhältlich. Das lässt hoffen, dass sich bei intensiver Nutzung einzelne Seiten nicht schon Anfang Mai wieder verabschieden. Zudem gibt es dieses Mal kein Cover-Foto, sondern der Kalender erinnert eher an ein edles Notizbuch. Ganz nach meinem Geschmack! Und die – wie ich finde – durchaus provozierende Aufschrift „artgerecht“ tritt dadurch noch mehr in den Mittelpunkt. Es gab schon die ein oder andere Nachfrage: „Artgerecht-Planer? Was ist das denn?“ Ein guter Einstieg, um ins Gespräch zu kommen…

Ebenfalls neu sind die zwei Lesebändchen. Das erleichtert die Orientierung und hat mir bisher gefehlt. Das Gummiband sorgt zu guter Letzt dafür, das der Planer in der Tasche nicht zerfleddert.

Jetzt liegt der Kalender vor mir, noch weitgehend unbeschrieben – so wie das neue Jahr. Nur Flecken hat er schon, weil mein Mann schon Kaffee drüber geschüttet hat. Naja, vielleicht wird es einfach ein besonders anregendes Jahr werden…!

Jetzt ist Winter!

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Hier war es in letzter Zeit ziemlich ruhig. Das liegt daran, dass Winter ist. Außen wie innen. Und zwar schon seit einer ganzen Weile…

Vor einiger Zeit bin ich auf den Lebenskompass von Ursula Seghezzi gestoßen: eine überaus kundige und weise Landkarte des Lebens, der Natur und der inneren Seelenlandschaften. Wunderbare Lektüre! Und bei mir ist in diesem Jahr so viel im Wandel, dass ich mich im Großen und Ganzen im „Winter“ bewege.

Das ist so vielleicht etwas erklärungsbedürftig. Es erschließt sich aber auf einem kurzen Gang durch die Jahreszeiten!

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Der Frühling beginnt, wenn Krokusse und Schneeglöckchen ihren Kopf aus der Erde strecken. Die ersten Anzeichen sind zart und versteckt. Es kommt vor, dass Kälte und Schnee sie wieder überdecken. Aber nach und nach setzt sich das Keimen und Wachsen durch. Die ersten Frühlingsblumen blühen, und die Vögel singen wieder.

Wenn wir mit dem Rhythmus der Natur mitgehen, können diese Fragen uns im Frühling begleiten: Was erwacht in mir? Welchen Ideen und Visionen möchte ich Gestalt geben? Wie kann ich meinen Körper reinigen und stärken?

Zum Sommer hin drängt alles nach Entfaltung und Blüte. Aus dem zarten Hellgrün der Bäume wird ein immer kräftigeres, satteres Grün. Alles strebt dem Licht entgegen.

Im Sommer geht es für uns Menschen um die Frage: Was entfaltet sich in meinem Leben? Hier sind vor allem zwei große Themenbereiche zu nennen. Der erste ist Beruf(ung): Wie entfalte ich mein Potenzial? Wie kann ich wirksam sein? Zur eigenen Erfüllung und im Dienst einer größeren Gemeinschaft. Und das zweite Thema ist Beziehung: Was ist mein Platz in der Gemeinschaft? Wie ist meine Partnerschaft? Wie mein Verhältnis zu den Eltern? Und wie steht es um die eigene Elternschaft?

iwR_graubunt1Der Herbst ist geprägt von einer zunehmenden Dichte. Im frühen Herbst haben Kräuter ihre größte Heilkraft. Die Früchte reifen. Nüsse und Samen fallen zu Boden. Mehr und mehr ziehen die Pflanzen ihre Kräfte und Säfte ins Innere der Erde zurück. Das Chlorophyll schwindet aus den Blättern und die Bäume erscheinen in bunter Farbenpracht.

Ernten und Danken sind die großen Themen des Herbstes. Im dankbaren Annehmen dessen, was gewachsen ist, erkenne ich an, dass es die eigene Leistung braucht, um etwas zu hegen und zu pflegen und ins Leben zu bringen. Aber das Wachsen kann ich nicht machen. Es steckt eine größere Kraft dahinter. Gott „wickelt seinen Segen gar zart und künstlich ein“, dichtet Matthias Claudius, „und bringt ihn dann behende in unser Feld und Brot: es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott.“

Aber auch die Vergänglichkeit führt uns der Herbst vor Augen. Er bringt die Perspektive des Sterbens ein. Und damit die Frage: Was ist wirklich wesentlich? Was zählt am Ende wirklich?

Die Qualitäten des Winters werden in unserer Gesellschaft nicht gerade geschätzt und gepflegt: es wird dunkel und still. In der Mitte des Winters liegt die längste Nacht des Jahres. Draußen wird es immer stiller – wenn Schnee die Erde bedeckt, sogar beinahe lautlos. Die Tiere ziehen sich zum Winterschlaf zurück, und die Samen schlafen in der Erde.

Diese Bewegung mitzumachen, bedeutet Schlaf, Stille und Einkehr Raum zu geben. Es ist die Zeit, das zu erkunden, was Rilke den „Weltinnenraum“ nennt: die Wirklichkeit hinter unserer greifbaren Welt, die geistige Dimension unseres Lebens. Fragen für diese Zeit lauten: Nehme ich mir die Zeit, bei mir selbst einzukehren? Wie gestalte ich mein geistiges Leben? Und wie die Beziehung zum Göttlichen?

Wir tun uns schwer mit Zeiten des Nicht-Tuns. Wir verbinden es mit Stillstand. Dabei geschieht viel, wenn alles Äußere zur Ruhe kommt und ich mich ganz in mich hinein sinken lasse. Dann, wenn die Seele sich Gehör verschaffen und die Führung übernehmen kann. Wahrhaftige Veränderung beginnt im Verborgenen, ohne unser Zutun. In der dunkelsten Nacht des Winters wird das Licht geboren. Das Göttliche wird Mensch, ganz und gar.

Dieser Bewegung werde ich noch mehr Raum geben. Ich freue mich schon riesig darauf, ein Neujahrs-Winterritual mit Ursula Seghezzi mitzumachen: „Sich der Wandlung anvertrauen – Altes hinter sich lassen und für das Neue offen werden…“

Und was tut sich bei dir so?

Wie lebt das Bedürfnis in dir? (GfK #4)

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Ganz inspiriert komme ich von der Übungsgruppe für gewaltfreie Kommunikation (GfK) zurück. Wir haben eine Übung gemacht, in der es darum ging, ein ausgewähltes Bedürfnis körperlich zu spüren. Die Frage war: Wie lebt das Bedürfnis nach … in dir?

Ich habe mein Bedürfnis nach „Verbundenheit mit dem Leben“ erkundet. Zum einen ist das mein Jahresmotto in diesem Jahr. Zum anderen war das eine tiefgreifende und prägende Erfahrung vor fünf Jahren auf einer Wüstenreise.

Das war spannend! Auf die Frage: Wie lebt das Bedürfnis nach Verbundenheit mit dem Leben in dir? stellten sich nacheinander allerhand Körperempfindungen ein. Zuerst war da ein Kribbeln und Pulsieren in der Mitte der Stirn, im Bereich des dritten Auges. Dann kam eine starke Wachheit in der Herzgegend dazu. Und immer stärker wurde eine Empfindung im ganzen Körper, auf der Oberfläche, an der Haut. Es war ein Kribbeln, ein Schauer, eine Empfindung von Kühle und Wachheit.

Kein Wunder, habe ich gedacht! Verbunden zu sein, hat etwas mit Kontakt zu tun. Da geht es um Berührung, um Sinnlichkeit, um Wahrnehmung (auch) über die Haut. Die Menschen, die mir lieb sind, will ich auch körperlich spüren. Allen voran meinen Mann und meine Kinder. Und auch die Verbindung zur Natur geht über die Sinne. Übers Wahrnehmen, über den unmittelbaren Kontakt. Es ist mir inzwischen so unglaublich wichtig, dass ich meinen Kindern – mitten im Großstadtleben – diese Dimension eröffne. Ich halte sie für unabdingbar, wenn wir die Dinge auf diesem Planeten in bessere Bahnen lenken wollen.

Und dass sich, wenn es um Verbundenheit mit dem Leben geht, auch die Herzgegend und das dritte Auge ins Gewahrsein bringen, ist für mich absolut stimmig. Verbunden bin ich mit Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind. Und wenn ich auf der spirituellen Ebene Verbundenheit lebe, öffnet hier das dritte Auge die Wahrnehmung.

Ich bin so dankbar für die Bereicherung meiner Wahrnehmung, hinter meinen Gedanken und Gefühlen die Bedürfnisse wahrzunehmen. Bedürfnisse sind immer etwas Positives. Sie tragen Kraft in sich und sie verbinden uns mit anderen Menschen.

Kopernikanische Wende (GfK #2)

Meine Begeisterung für die gewaltfreie Kommunikation (GfK) wächst von Tag zu Tag und von Wort zu Wort, das ich von Marschall Rosenberg lese. Was gerade geschieht, ist nicht weniger als eine kopernikanische Wende in meiner Wahrnehmung! Es ist die Wendung von außen nach innen, vom Du zum Ich.

Aber mal langsam. Worum geht es genau?

Ich erinnere mich noch gut, wie ich an einem Wochenmantra in meinem artgerecht-Planer hängen geblieben bin. Es ging darum, wie wichtig für Kinder die Botschaft ist: „Du bist nicht schuld!“ Kinder beziehen alles auf sich selbst, deshalb ist es so wichtig, sie zu entlasten. Zum Beispiel: Ich bin grad total genervt, aber du bist nicht schuld!

So weit, so gut! Aber wie soll das bitte schön funktionieren, wenn es sich gerade genau so anfühlt: Ich bin total genervt, und das ist absolut deine Schuld!!! Eine typische Situation: wenn wir morgens aus dem Haus gehen. Wir sind ohnehin spät dran, ich habe schon siebenundzwanzig Mal gerufen: Kommt, Schuhe anziehen! – ohne Reaktion – und habe ich die Kinder endlich im Flur versammelt, wird plötzlich alles zum Drama! Das Schildchen im T-Shirt zwickt, die Socken sind falsch, wir finden die Handschuhe nicht (ja, die braucht Kind auch im Mai!) und die Diskussion, warum wir nicht mit dem Auto, sondern mit dem Fahrrad zur KiTa fahren, beginnt jeden Morgen von vorn. Und endet mit Gebrüll! Ich bin fertig mit den Nerven, stehe total unter Druck, weil ich schon wieder zu spät zur Arbeit komme und würde die Kinder am liebsten kurz und klein brüllen. Ja: Ich bin total genervt, und das ist absolut deine Schuld!!!

So fühlte sich das bisher an. Inzwischen habe ich etwas Entscheidendes verstanden! Nämlich wie Gefühle und Bedürfnisse zusammen hängen. Meine Gefühle entstehen nicht, weil jemand anderes etwas falsch macht. Meine (unangenehmen) Gefühle zeigen an, dass eine Lücke besteht zwischen der aktuellen Situation und meinen Bedürfnissen. Nicht mein Gegenüber ist schuld daran, wie ich mich fühle, sondern meine unerfüllten Bedürfnisse melden sich in den Gefühlen zu Wort.

Die Formulierung: Ich bin genervt, weil du dies und das tust! wird mit Hilfe der GfK nur minimal verändert, aber mit großer Wirkung: Ich bin genervt, weil ich dies und das brauche! In meinem Fall: Ich bin genervt, weil ich pünktlich sein möchte und mir für unseren Start in den Tag mehr Leichtigkeit wünsche! Und da geht es nicht in erster Linie um sprachliche Feinheiten. Es geht um eine ganz andere Wahrnehmung! Habe ich den Blick auf dem (angeblichen Fehl-)Verhalten des andern oder richte ich meine Wahrnehmung auf meine eigenen Bedürfnisse?

Diese neue Wahrnehmung allein führt noch nicht dazu, dass bei uns morgens alles fluppt. Trotzdem ändert sie unendlich viel:

1. Es entspannt, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Dieser kleine Moment an Selbst-Empathie ist ungeheuer hilfreich: Warum fühlt sich gerade alles so verkehrt an? Genau, weil es mir wichtig ist, pünktlich und verlässlich zu sein. Und weil ich mir Leichtigkeit in unserem Zusammenleben wünsche. Ich bin in Kontakt mit mir selbst und dadurch ein ganzes Stück gelassener.

2. Ich schaue milder auf meine Kinder – oder wer auch immer gerade mein Gegenüber ist. Wenn ich im Vorwurfs-Modus bin, ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir eine gute Lösung finden, relativ gering. Im Gegenteil, die Eskalation ist eigentlich schon vorprogrammiert. Wenn ich aber in Kontakt bin mit dem, was ich gerade brauche, bin ich offener, nach Wegen zu suchen, die für uns alle funktionieren. Und dann ist es tatsächlich möglich, die Kinder zu entlasten: Ich bin grad total genervt, aber du bist nicht schuld!

Meine Erkenntnis dreht sich letztlich darum, ein Personalpronomen und den Bezugsrahmen auszutauschen. Nicht mehr: Ich fühle …, weil du … tust (Verhalten des anderen). Statt dessen: Ich fühle …, weil ich … brauche (eigene Bedürfnisse).

Das schreibt sich so einfach, ist aber alles andere als leicht. Ich bin diese Art der Wahrnehmung nicht gewohnt. Ich habe sie schlicht nicht gelernt. Deshalb fühlt sie sich für mich mindestens wie eine kopernikanische Wende an. Ob diese Erkenntnis tatsächlich eine entscheidende Wende in meiner Kommunikation bedeutet – das muss die Zeit erst noch zeigen…

Was ist in dir lebendig? (GfK #1)

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Diese Frage finde ich so wundervoll! Sie lenkt die Aufmerksamkeit liebevoll nach innen. Sie macht Lust, sich mit sich selbst zu verbinden. Und nachzuforschen: Was ist in mir lebendig? Jetzt, in diesem Augenblick?

Es ist die zentrale Frage in der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Auf verschiedenen Kanälen ist die gewaltfreie Kommunikation – kurz: GfK – in den letzten Wochen zu mir gekommen und lässt mich seitdem nicht mehr los. Es steckt so viel an Wahrheit und Schönheit in dieser Idee, die viel mehr ist als einfach nur ein Kommunikationsmodell. Es ist eine Haltung, ein (heilsames!) Menschen- und Weltbild!

Meine Vorstellungen zur GfK beschränkten sich bisher darauf, dass es wichtig ist, Ich-Botschaften zu senden. Das ist zwar nicht falsch, hat mit GfK aber ungefähr soviel zu tun, wie Instantpulver mit einem frisch aufgebrühten Cappuccino! Weil ich meine Entdeckungen so wertvoll und bereichernd finde – gerade auch im Blick auf die Kinder -, werde ich hier in der kommenden Zeit einiges davon in Worte fassen.

„Gewalt-freie“ Kommunikation ist übrigens nicht unbedingt eine glückliche Bezeichnung für diese Art, sich mit sich selbst und mit anderen zu verbinden. In der GfK geht es nämlich unter anderem darum, sich darüber klar zu werden, was man will und braucht, und das dann positiv zu formulieren. Also nicht: Ich will keinen Stress mehr haben. Sondern: Ich brauche… – ja, was denn eigentlich? – Ruhe, Entspannung, Unterstützung, Anerkennung, ein friedvolles Miteinander…? Im Sinne der GfK ist es vielleicht passend, von Bedürfnis-basierter Kommunikation zu sprechen. Es geht darum, Gefühle und Bedürfnisse zunächst einmal wahr-zunehmen und sich dann auf dieser Basis mit anderen zu verbinden. Wer das nicht gelernt hat – wie wahrscheinlich die meisten von uns – merkt schnell, dass das einfacher gesagt ist als getan! Oh ja! Wie so viele gute Dinge im Leben: GfK ist einfach, aber nicht leicht! 🙂

Die Giraffe ist übrigens das Symboltier für die GfK. Mit ihrem langen Hals hat sie eine besondere Weitsicht. Und da sie das größte Herz aller Säugetiere hat, steht sie für die wichtige Fähigkeit zum Mitgefühl.

Und? Was ist in dir lebendig?

Jahresmotto 2016

Auf die Idee, dem neuen Jahr ein Motto voranzustellen, bin ich zum ersten Mal vor einem Jahr gestoßen, bei MamaDenkt. Sie gefällt mir. Und in diesem Jahr habe ich gar nicht unbedingt gesucht. Es ist eher so, dass die Worte wie von selbst zu mir gekommen sind.

Verbunden Sein.

Das klingt vielleicht alles andere als spektakulär. Es bedeutet mir aber sehr viel. Es geht um viele Ebenen, die da mitschwingen: Verbunden sein…

Mit meinen Kindern. Schon im letzten Jahr hatte ich mir vorgenommen, meine Kinder jeden Tag bewusst zu geniessen. Sie sind einfach so wunderbar. Genial. Witzig. Bezaubernd. Ich will mit ihnen lachen, toben, ausgelassen sein. Jeden Tag. Zudem habe ich mir vorgenommen, viel bewusster den Blickkontakt mit ihnen aufzunehmen. Ich bin so oft in dem Modus ja gleich… ich will nur noch eben… und schaue sie dabei nicht einen Moment an. Diesen Modus werde ich auch im neuen Jahr nicht einfach abstellen können. Aber ich will immer wieder inne halten, ihnen in die Augen schauen, in Verbindung sein.

Mit meinen Freunden. Bei Vivian Dittmar habe ich gelesen, dass Singles im Schnitt fünf enge Freundschaften haben. Wenn sie eine Beziehung eingehen, verringert sich die Zahl (aus Zeitgründen?) auf vier – den neuen Partner inklusive. Unterm Strich verliert man also zwei Freundschaften. Jetzt sind in den letzten Jahren neben meinem Mann noch zwei weitere Wesen in mein Leben getreten, zu denen die Beziehung enger nicht sein könnte. Meine beiden Söhne. Heißt das, dass ich jetzt gar keine Zeit mehr für Freunde habe? Im letzten Jahr hat es sich manchmal so angefühlt. Dass sie alle deutschlandweit verstreut wohnen, macht die Sache nicht unbedingt einfacher. Trotzdem. Ich möchte wieder mehr Freundschaft leben. Live, am Telefon, via Skype – egal, Hauptsache verbunden!

Mit einer Gemeinschaft. Dieses Thema begleitet mich schon länger. So ganz genau kann ich noch gar nicht fassen, was ich suche. Es geht mir um Menschen, die ähnliche Themen haben: ein „Dorf“ für Kinder, Spiritualität, Naturverbundenheit. Menschen, die ebenfalls etwas bewegen wollen. Menschen, die das auf eine gewisse Art und Weise verbindlich gemeinsam tun. Was genau? Wie genau? Ich weiß es noch nicht.

Mit der Natur. Ich bin ein Teil der Natur, im Grunde ein ziemlich kleiner, unbedeutender Teil, aber verbunden mit allem. Es wird mir immer wichtiger, das zu leben, auch und gerade  zusammen mit meinen Kindern. Ich freue mich auf die Zeit im Garten, im Wald, am Meer – was auch immer 2016 alles kommen wird.

Mit meiner Lebensaufgabe. Dieses Thema beschäftigt mich mehr und mehr. Ich habe einen Beruf, den ich sehr liebe und der mir wunderbare Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Trotzdem arbeitet es in mir. Ich habe den Eindruck, da wird in nächster Zeit etwas an Klarheit gewinnen. Da wird sich etwas herauskristallisieren. Und im Moment bin ich ziemlich ungeduldig, weil ich nicht weiß, was da kommt!

Mit meinem Herzen. Das war vielleicht eine der größten Erkenntnisse im letzten Jahr: Es gibt eine Instanz in mir, die ist verbunden mit einer höheren Wirklichkeit. Und sie gibt mir ziemlich klare Impulse. Die haben nicht gerade viel mit dem zu tun, wie mein Kopf sich die Dinge zurecht legt. Aber sie tun mir gut. Und sie weisen eine Richtung. Dem Ruf des Herzens zu folgen, ist ziemlich aufregend, um nicht zu sagen abenteuerlich. Aber es fühlt sich richtig an. Und wesentlich. Und mit Wesentlichem möchte ich verbunden sein!

Verbunden. Sein. Ich achte darauf, Verbindungen, die mir wichtig sind, bewusst zu leben und zu gestalten. Und ich weiß: Ich bin eingebunden in ein größeres Ganzes. Ich darf SEIN.