Archiv der Kategorie: Kinder|bücher

Bilderbücher zum Schulanfang

Ob als Geschenk für die Schultüte oder zur Vorbereitung auf den ersten Schultag: hier stelle ich meine Lieblings-Bilderbücher rund um den Schulanfang vor. Die meisten davon gibt es auch in einer kleinen Mini-Ausgabe, damit sie auch wirklich in die Schultüte passen.

US_Baltscheit, Loewe_15.3.12_7er_umschlag.qxpFür unseren Schulanfänger habe ich die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte gekauft. Da geht es überhaupt nicht um die Schule, aber sehr wohl darum, warum es sich lohnt, schreiben zu lernen. Ein Löwe hat sich verliebt – in eine Löwendame, die lesen kann. Da darf man nicht einfach drauf los brüllen, man muss vorher einen Brief schreiben. Aber der Löwe kann nicht schreiben und muss sich Hilfe holen. Nur leider verstehen Affen, Nilpferde und die anderen Tiere nicht viel von Löwendamen. Sie schreiben zwar den Brief, aber sie laden die Löwendame ein, auf Bäume zu klettern oder nach Algen zu tauchen. Der Löwe ist verzweifelt… Natürlich gibt es schließlich ein Happy End. Und am Ende bringt ihm die Löwendame selbst das Lesen bei. Sehr witzig – gefällt Kindern wie Eltern!

Randerath_FipsAuch das nächste Buch hat mit Schule nichts zu tun. Es ist die Geschichte vom Bau der Arche Noah, aber als geniales ABC-Buch, großartig gereimt von James Krüss: ABC, ABC, Arche Noah sticht in See. (Fast) jedem Buchstaben ist eine Seite gewidmet. So gut wie alle Worte fangen mit dem gleichen Buchstaben an, und am Ende der Zeile reimt sich das ganze auch noch. Man kommt ins Staunen darüber, welche Tiere der Autor sich zum jeweiligen Buchstaben hat einfallen lassen: „Wülmaus, Wurm und Weinbergschnecke, … Wiesel, Wölfe, Wasserböcke, … Wachteln und zwei weiße Tauben, Wiedehopf und Wendehals…“ Beim Vorlesen braucht es etwas Zungenfertigkeit, aber wenn man einmal gut im Rhythmus ist, kommt es super über die Lippen. Die schönen Illustrationen von Günther Jakobs machen das Buch zu einem richtigen Vergnügen.

Aktuell gibt es dieses Büchlein übrigens auch als Maxi-Pixi, zusammen in einem Bundle mit den schönen Gebet-Büchlein von Ernst Grosche.

Scheffler_Frau Hoppe_US_Enturf01.inddWenn die Aufregung vorm ersten Schultag groß ist, dann eignet sich zur Vorbereitung prima Frau Hoppes erster Schultag. Henriette Hoppe hat nämlich auch Angst vorm ersten Schultag – nur ist sie die Lehrerin! Ihr passieren lauter Missgeschicke: sie hört morgens den Wecker nicht, sie weiß nicht, was sie anziehen soll, und verfährt sich auf dem Weg in die Schule. Und als sie endlich da ist, geht auch noch ziemlich viel schief. Aus dieser verdrehten Perspektive werden die Sorgen, wie denn in der Schule nun alles werden soll, liebevoll auf den Punkt gebracht und mit Humor aufgelöst. Illustrator ist übrigens Grüffelo-Zeichner Axel Scheffler.

9783522432306Ein Klassiker zum Schulanfang ist Der Ernst des Lebens von Sabine Jörg: Annette weiß nicht, was das bedeuten soll, aber alle sagen zu ihr: „Wenn du sechs wirst, kommt der Ernst des Lebens.“ Wie sieht er denn aus, der Ernst des Lebens? Ist es ein Monster, das auf dem Geburtstagstisch sitzt und alle Geschenke auffrisst? An ihrem ersten Schultag lernt sie ihn endlich kennen. Ein Junge teilt mit ihr die Bank, er leiht ihr seine Stifte und überhaupt wird er ihr bester Freund. Und nun ratet mal, wie er heißt! – Ernst!

9783407773005Auf den ersten Blick ganz witzig fand ich auch Wenn die Ziege schwimmen lernt: „Es gab einmal eine Zeit, da gingen die Tiere in die Schule. Und alle lernten schwimmen, fliegen, rennen und klettern. – Wirklich alle?“ Anfangs war die Ente Klassenbeste im Schwimmen. Aber weil sie sich beim Klettern-Üben so überanstrengt hat, geht ihr auch beim Schwimmen die Puste aus. Und auch dem Pferd will es einfach nicht gelingen, einen Baumstamm hoch zu klettern, wo doch der Affe so einen Spaß daran hat. Während die Tiere schier endlos üben, was sie am wenigsten können, geht ihnen die Kraft aus für das, was ihr eigentliches Element ist. Am Ende lassen die Tiere Schule Schule sein und machen einfach das, wofür sie geschaffen sind.

Die Botschaft ist klar und schön: Nicht jeder muss alles können und schon gar nicht gleich gut. Jeder hat seine Stärken, und die zu leben, macht seine Schönheit aus. Allerdings lässt dieses Buch einen bitteren Beigeschmack zurück. Denn genau darauf ist unser klassisches Schulsystem ja nicht ausgelegt. Hier sollen alle das Gleiche lernen, möglichst gleich gut und immer zur gleichen Zeit. Stärken hin oder her. Und bei Schwächen muss eben eine besondere Förderung her. Eigentlich ist dieses Buch ein Plädoyer für unschooling oder aber für demokratische Schulen (darüber gibt es hier einen wunderbaren Film!!!): jedes Kind lernt, was es will und wann es das will. Und was dabei heraus kommt, sind wunderbare, starke, inspirierende Persönlichkeiten. Unglaublich, aber wahr!

Wie viel davon die Schule hat, auf der unser Großer startet, kann ich noch nicht genau einschätzen. Aber ich bin unglaublich gespannt und freue mich auf diese Reise, die jetzt beginnt!

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Bilderbuch: Der Chamäleonvogel

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Wie kann man kleinen Kindern die Ostergeschichte erzählen? Ohne dass die Brutalität der Ereignisse zu sehr im Vordergrund steht, aber auch ohne einen großen Bogen um das Kreuz zu machen?

Einen gelungenen Zwischenweg geht das Bilderbuch Der Chamäleonvogel – eine Ostergeschichte für Kinder und ihre Eltern von Hermann-Josef Frisch und Ivan Gantschev. Das Buch erzählt die Geschichte von Karfreitag bis Ostern aus der Sicht eines kleinen Vogels, der – wie ein Chamäleon – seine Farbe verändert. Ist er froh, dann ist das Gefieder leuchtend bunt, ist er traurig, werden die Federn grau und schwarz.

Der Chamäleonvogel verfolgt die Geschehnisse um Jesus aus nächster Nähe, und im Verlauf der Geschichte verliert er immer mehr an Farbe. Nicht nur der Vogel, auch die Bilder werden immer dunkler. Bis Jesus schließlich gekreuzigt wird: das Bild, auf dem das Kreuz nur angedeutet ist, ist schwarz – selbst der Chamäleonvogel ist nicht mehr zu sehen. Am Ostermorgen, als die Frauen zum Grab gehen und der Stein vom Grab weggerollt ist, hat der kleine Vogel schon wieder ein bisschen Farbe. Am Ende ist schließlich alles in ein strahlendes Licht getaucht.

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Geeignet ab  4 Jahren.

Bilderbuch: Kamfu mir helfen?

Wenn ich mit den Kindern in der Bücherei stehe, bin ich manchmal ganz erschlagen: Es gibt so unendlich viele Kinderbücher! Die Auswahl ist riesig, aber viel zu oft sind die Bücher eher mittelmäßig. Mir ist es wichtig, dass nicht nur die Kinder, sondern auch ich Spaß an den Büchern habe, denn bekanntlich lesen Eltern von Kindern im Kindergartenalter ja mit! Manchmal sind aber richtige Glücksgriffe dabei, und das ein oder andere dieser Bücher werde ich hier vorstellen.

Heute: Kamfu mir helfen? von Barbara Schmidt und Dirk Schmidt

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Die Geschichte:

Ein Elefant stolpert über den eigenen Rüssel, rutscht aus und prallt gegen eine Mauer. Er merkt, „vom Sturz noch ganz benommen: Sein Rüssel hat was abbekommen.“ Zuerst versucht er es allein, die krumme Nase wieder grade zu bekommen. Nur will das nicht klappen, und er entschließt sich, um Hilfe zu bitten: „Kamfu mir helfen?“ Es muss jemand sein, der sich mit der Problematik auskennt, ein Rüsseltier also. Ameisenbär und Schwein haben durchaus Erfahrung mit verbogenen Rüsseln, allein ihre Rezepte schlagen beim Elefanten nicht an. Da kommt eine Fliege geflogen und bietet ihre Dienste an. Sie fliegt in den Rüssel des Elefanten rein, um den Schaden zu sichten. In gewisser Weise wird das zur ersehnten Hilfe, allerdings hatte die Fliege sich das Ganze wahrscheinlich etwas anders vorgestellt…

Was mir an dem Buch gefällt:

1. Die Geschichte ist witzig! Und sie nimmt am Ende eine unerwartete Wendung. Wenn Erwachsene und Kinder beim Vorlesen gleichzeitig schmunzeln, dann ist ein Buch wirklich gelungen.

2. Die Erzählung ist gereimt, und zwar richtig gut! Da macht das Vorlesen Spaß, und für die Sprachentwicklung sind gereimte Texte natürlich das Tüpfelchen auf dem I!

3. Die Zeichnungen überraschen durch ungewöhnliche Perspektiven und witzige Details. Auch hier ist das Augenzwinkern immer wieder mit eingebaut. Zum Beispiel: Der Ameisenbär saugt eine Ameisenstraße mit dem Handstaubsauber auf…

4. Schön finde ich auch, wie Erfahrungen, die Kinder machen, hier vorkommen: über die eigenen Füße fallen – wenn man mal nicht aufgepasst hat… -, alleine nicht weiter kommen, um Hilfe bitten. Das alles ist behutsam und liebevoll in der Geschichte verpackt.

Geeignet ist das Buch ab 3 Jahren.