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Spielend aufräumen

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Ein #chaosfreies Kinderzimmer – gibt es das überhaupt? Bei uns so gut wie nie. Immer liegen Legosteine, Bauklötze, Autos, Bücher ausgebreitet. Bei zwei Kleinkindern finde ich das (meistens) auch völlig okay! Solange wir abends nur ein paar Minuten zum Aufräumen brauchen, ist alles im grünen Bereich. Das Auf- und Einräumen der Spielsachen ist natürlich selten so lustvoll wie das Ausbreiten. Am besten klappt es (wahrscheinlich nicht nur) bei uns, wenn wir ein Spiel daraus machen. Und weil unsere beiden noch relativ klein sind, bin ich in der Regel mit von der Partie.

Unsere Lieblinge:

Sortieren: Zum Beispiel nach Farben. Du räumst alle grünen und roten Legosteine auf, ich alle anderen. Wer ist am schnellsten fertig? Oder nach Formen, nach Größe etc. Das schult bestimmt nebenbei noch ein paar wichtige Fähigkeiten, was mir in dem Moment aber völlig egal ist. Hauptsache, es wird aufgeräumt!

Aufteilen: Wir müssen die Autos aufräumen und die Bauklötze. Wer übernimmt was? Wer als erstes mit seiner Aufgabe fertig ist, bekommt eine kleine Belohnung, darf zum Beispiel die Gute-Nacht-Geschichte aussuchen.

Würfeln: Es wird abwechselnd gewürfelt und jeder räumt immer so viele Teile auf, wie der Würfel anzeigt. Damit Tempo ins Spiel kommt, muss jeder mit seinen Teilen fertig sein und neu würfeln, bevor der andere seine Aufgabe erledigt hat. – Wenn man fast fertig ist mit aufräumen und dann eine sechs würfelt, muss man richtig kreativ werden, aber das erhöht nur den Reiz des Spiels! Bei einer ausgekippten Legokiste ist das allerdings nicht die Methode der Wahl. Es sei denn, man möchte zählen, wie viele Legosteine man hat…

Ausmisten mit einem Vierjährigen

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Birgit von Fräulein im Glück hat die Challenge #chaosfreies Kinderzimmer ausgerufen. Ein guter Anlass, uns das Kinderzimmer noch einmal von Grund auf vorzunehmen! Nach unserem Umzug ist die Einrichtung hier und da in den Kinderschuhen stecken geblieben. Also haben wir erst mal gründlich aufgeräumt, geputzt – und ausgemistet!

Bisher war ich an diesem Punkt mit unserem großen Kleinen nie erfolgreich. Längst nicht mehr benutztes Spielzeug wurde immer genau in dem Moment wieder interessant, wenn ich gefragt habe: Brauchst du das noch? Und von kaputten Sachen wollte er sich nicht trennen, sondern alles irgendwie wieder heile machen. Im Grunde finde ich das ja gut. Wir kleben, leimen, nähen und stopfen, wo es geht, um erlebbar zu machen, dass Dinge einen Wert haben, dass sie nicht einfach weggeworfen und durch etwas Neues ersetzt werden müssen. Trotzdem sammelt sich im Laufe der Zeit so viel Zeugs im Kinderzimmer an…

Nun habe ich es also probiert und in kleinen Schritten mit dem großen Kleinen zusammen aussortiert. Zwei Dinge waren für mich dabei erhellend.

Zuerst: Die Kisten-Methode funktioniert! Wir haben drei Kisten aufgestellt, jede mit einer besonderen Überschrift: 1. Verschenken/Flohmarkt, 2. Keller (kann bei Bedarf wieder hochgeholt werden), 3. Mülleimer. Die Frage war immer: Willst du damit noch spielen – dann räum es an seinen Platz – oder kann es in eine der drei Kisten? Auf diese Weise hatte der große Kleine mehr als nur eine Alternative, es ging nicht nur um hop oder top. Es hat mich erstaunt, wie gezielt er Dinge in die verschiedenen Kisten gelegt hat. Zum Teil war ich auch amüsiert und erleichtert. Zum Beispiel hat er sehr entschieden ein Buch in die Flohmarkt-Kiste gelegt, das ich selber noch nie mochte. 🙂 Zugegeben, die Keller-Kiste war am meisten gefüllt, in der Mülleimer-Kiste sind dagegen nur Überreste von längst vergangenen Basteleien gelandet. Aber immerhin!

Das Zweite: Der große Kleine kann recht gut einschätzen, womit sein kleiner Bruder (noch) gerne spielt. Wenn ein jüngeres Geschwisterkind da ist, besteht ja die Versuchung, alles, wo der Große schon rausgewachsen ist, für den Kleinen aufzuheben. Nur dann bleibt eben alles im (gemeinsamen) Kinderzimmer, und es kommt bei jedem Anlass immer noch mehr dazu. Aber – so meine Erkenntnis – der große Kleine weiß ziemlich treffsicher, was für den Kleinen interessant ist, und kann durchaus für ihn mitentscheiden.

So war unser erstes gemeinsames Ausmisten zwar keine große Sache, aber trotzdem ein kleiner Erfolg!

Monatsbücher

Bei meinem Projekt 300 habe ich festgestellt, dass ich zu viele To-Do-Listen in Form von diversen Stapeln habe. Besonders gerne sammeln sich Bücher an. Manche habe ich angefangen, andere möchte ich noch lesen, in andere will ich wenigstens mal kurz reinschauen. Wenn ich auf ein Buch stoße, das mich interessiert, schaue ich immer erst mal nach, ob es in der Stadtbibliothek zu haben ist. Wenn ja, merke ich es vor, und irgendwann landet es dann quasi von allein auf meinem Stapel. Das ist an sich eine gute Sache, nur finde ich viel zu selten die Zeit dafür. Wenn ich dann lese, ist es oft mit Zeitdruck, um so schnell wie möglich so viel wie möglich zu schaffen. Vieles überfliege ich nur, ohne es zu verinnerlichen.

Ich möchte den Druck von unerledigten To-Do-Listen reduzieren und auch das Gefühl, immer zu wenig Zeit zu haben. Deshalb werde ich ab sofort mit „Monatsbüchern“ experimentieren. Ich wähle ein oder zwei Bücher aus, die mich einen Monat lang begleiten. Alle anderen wandern zurück ins Regal oder in die Bibliothek. Dann habe ich keinen Druck, möglichst viel schaffen zu wollen. Wenn ich zum Lesen komme, lasse ich mir Zeit. Wenn es sich um „Landkartenbücher“ handelt, will ich außerdem hier darüber schreiben. „Landkartenbücher“ sind für mich die Bücher, bei denen es um innere Landschaften geht. Um die Welt der Gefühle, um spirituelle Wege, um das Leben und Wachsen mit Kindern. Schreibend und meine eigenen Worte findend, werde ich mir oft erst bewusst, was mich da gerade berührt hat. Und sollte sich nach ein paar Seiten herausstellen, dass ich das Buch doch nicht mit Begeisterung zur Hand nehme, dann tausche ich es gegen ein neues aus.

Mein Monatsbuch für März: Mehr Matsch! Kinder brauchen Natur von Andreas Weber

300 Dinge – Fazit und Commitment

In den vergangenen 30 Tagen hatte ich das Projekt, mich von 300 Dingen zu trennen. Wir hatten einen Umzug vor uns, also mussten 30 Tage lang jeweils zehn Gegenstände raus. Schon in der ersten Woche wurde mir klar, dass angesichts eines Umzugs 300 Dinge ziemlich wenig sind. Insgesamt sind es nun knapp 400 geworden. In der Größenordnung konnten sie unterschiedlicher nicht sein. Es waren Babystrumpfhosen dabei, Kugelschreiber und Lippenstifte, aber auch ein Fernseher, ein PC und ein Kühlschrank. Seit wir zusammen gezogen sind, hatten wir Toaster, Wasserkocher, Waffeleisen und ähnliches doppelt, und jeweils ein Teil wartete im Keller darauf, dass das Pendant seinen Geist aufgab. Ist aber bisher nicht geschehen, also haben jetzt sämtliche doppelt vorhandenen Elektrogeräte den Weg in ein Sozialkaufhaus gefunden.

Dazu habe ich mich von ca. 100 Büchern getrennt. Die meisten habe ich verschenkt, ca. 35 verkauft. Bei booklooker.de verkaufe ich schon seit einigen Jahren, über momox.de habe ich zum ersten Mal ein Paket Bücher verkauft. Insgesamt kamen bei dieser Aktion 125 Euro zusammen.

Meine wichtigste Erkenntnis bei diesem Projekt: ich habe zu viele To-Do-Listen! Da ist nicht nur die eine, die ich schriftlich in meinem Kalender führe. Daneben gibt es die materialisierten To-Do-Listen: Bücherstapel, Zeitschriftenstapel, Papierkram, Fix-it-Stapel, Aufbrauch-Sammlungen und dazu noch diverse digitale „Stapel“. Dass all diese Stapel und Ansammlungen von Dingen To-Do-Listen sind, liegt auf der Hand. Alle Dinge warten darauf, dass sie gelesen, benutzt, be- oder verarbeitet werden. Und da unerledigte To-Do-Listen nicht gerade förderlich sind für ein gutes Lebensgefühl, habe ich beschlossen, sie zu reduzieren. Und zwar so:

1. Ich werde mehr Entscheidungen treffen. Ich übe mich darin, sofort zu entscheiden, was mit den Dingen passieren soll, und sie nicht auf einen Stapel zu legen, um mich irgendwann später noch einmal damit zu beschäftigen.

2. Ich werde Bücher auswählen. Da ich gerne lese und viele neue Ideen aufnehme, sammeln sich bei mir schnell diverse Stapel mit Büchern an, in die ich zumindest mal reinschauen möchte. Hier werde ich ein bisschen experimentieren: ich wähle „Monatsbücher“ aus. Etwa zwei pro Monat, für die ich mir dann ausgiebig Zeit nehme. Alle anderen Bücher wandern zurück ins Regal oder in die Bibliothek.

3. Ich werde darauf achten, was die Schwelle passiert. Ich habe festgestellt, dass die Dinge leichter über die Türschwelle in die Wohnung kommen als wieder raus. Deshalb werde ich die Regel, die für den Kleiderschrank taugt, auf die ganze Wohnung ausdehnen: ein Teil rein – ein (gleichwertiges) raus.

4. Schließlich werde ich das Reduzieren fortsetzen. Nicht mehr 10 Gegenstände pro Tag, sondern nur noch einen. Dafür aber 365 Tage lang. Vielleicht lässt sich eine gute Gewohnheit daraus machen, jeden Tag ein Ding mehr loszulassen.

300 Dinge und die Schwelle

Wir sind umgezogen. Dabei hatte ich es bildlich vor Augen: die neue Wohnung war leer. Nichts drin. Nur freie Flächen. Das sieht jetzt anders aus. Überall Kartons. Und unsere Möbel natürlich. Jetzt ist es die alte Wohnung, die leer ist. Alles rausgeräumt. Nur leere Zimmer.

All unsere Besitztümer haben zwei Schwellen passiert: die Türschwelle der alten Wohnung und die Schwelle der neuen. Diesem Übergang habe ich bisher nie Beachtung geschenkt. Aber es ist so: kein Ding kommt in unsere Wohnung, ohne dass es über die Schwelle getragen wird.

Ich kenne den Gedanken aus meinem laienhaften Feng-Shui-Wissen. Da hat die Tür des Hauses eine besondere Bedeutung. Alles Wesentliche kommt über diese Schwelle in die Wohnung. Soweit ich das verstanden habe, bezieht sich das vor allem auf Energien, und das kam mir immer ein bisschen esoterisch vor. Aber langsam kann ich mir denken, was es damit auf sich hat. Mit jedem Ding, das die Türschwelle passiert, kommt durchaus eine bestimmte Energie rein. Das wurde mir ziemlich deutlich, als ich mir die Frage gestellt habe: Was löst du in mir aus? Ein Ding an sich ist nicht neutral. Es löst Gefühle aus. Mal mehr, mal weniger. Und mittlerweile kann ich mir sogar gut vorstellen, dass auch Material und Produktionsweise eines Gegenstands in seiner Umgebung auf irgend eine Weise wirken. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Meine wichtigste Beobachtung zur Schwelle: Die Dinge kommen leichter rein als raus!

Ohne uns das bewusst zu machen, tragen wir so gut wie jeden Tag etwas in die Wohnung. Vielleicht nur Lebensmittel, die sich aufbrauchen. Vielleicht aber auch andere Dinge. Raus kommt in der Regel nur das, was den Weg in den Mülleimer findet. Wenn ich die Dinge in meinem Wohnraum reduzieren will, dann geschieht das nicht nebenbei, sondern ich muss es als bewusste Entscheidung tun. Aussortieren. Entscheiden, was mit den Dingen passieren soll, sofern sie noch brauchbar sind. In den letzten Tagen gingen bei uns zum Beispiel mehrere Kartons Kleidung, Bücher und Küchengeräte an ein Sozialkaufhaus. Um mich von Gegenständen zu trennen, braucht es Zeit, Entscheidungen und Wege, die wiederum Zeit in Anspruch nehmen.

Bei mir sind es oft Bücher, die sich quasi unbemerkt in meinen Besitz schleichen. In den letzten vier Wochen habe ich mich von ca. 100 Büchern getrennt. Und das nur, weil ich mich bewusst damit beschäftigt habe. Ganz nebenbei sind aber innerhalb nur einer Woche gleich mehrere Bücher wieder dazu gekommen. Ich habe einen Büchergutschein eingelöst, und – weil der eine höhere Summe umfasste – nicht nur das eine Buch gekauft, das ich haben wollte, sondern gleich drei. Zwei Bücher habe ich gebraucht gekauft. Und von Freunden mit größeren Kindern haben wir aussortierte Kinderbücher geschenkt bekommen. Ich war schon stolz auf mich, dass ich aus dem Stapel von bestimmt 15 Büchern nur die vier ausgesucht habe, die thematisch bei unserem Großen gerade auf Begeisterung stoßen.

Was den Kleiderschrank betrifft, kenne ich die Regel: ein Teil rein – ein (gleichwertiges!) raus. Die habe ich bisher mal mehr, meistens weniger konsequent angewendet. Dass diese Regel unbedingt Sinn macht, ist mir bei meinem Projekt 300 mehr als deutlich geworden. Ich habe mir vorgenommen, sie in Zukunft konsequent anzuwenden, und zwar nicht nur auf den Kleiderschrank bezogen, sondern auf die ganze Wohnung. Ich werde beobachten, was die Türschwelle passiert – in beide Richtungen!

300 Dinge und Zeit

In der zweiten Woche von Projekt 300 war das Thema: Zeit.

Gleich an an zwei Tagen hieß es: nix aussortiert! Ich hatte keine Zeit, keine Energie, den Kopf einfach woanders. Damit hatte ich so nicht gerechnet. Es braucht eine Menge Zeit, sich von Dingen zu trennen. Denn erst muss man sich noch einmal mit ihnen beschäftigen. Brauche ich das noch? Oder: Was löst du in mir aus? Egal mit welcher Frage ich an die Dinge herangehe, es braucht Zeit, sie zu beantworten.

Aber auch darüber hinaus fordern die Dinge meine Zeit.

Dieser Gedanke ist mir nicht neu. Ich habe vage in Erinnerung, dass er mir zum ersten Mal in simplify your life begegnet ist, schon vor einigen Jahren. Aber er tritt jetzt noch mal ganz neu in den Vordergrund.

Bücher wollen gelesen werden. Das ist ihr einziger Sinn – und das braucht Zeit. Meine Zeit.

Mit meinen Woll- und Stoffvorräten kann ich aus dem Stand unzählige Projekte realisieren, ohne irgend etwas dafür besorgen zu müssen. Es ist auch wunderbar, mal eben loslegen zu können und schnell eine neue Mütze zu nähen, wenn’s grade dran ist. Aber auch das braucht Zeit – die ich viel seltener habe, als ich mir das wünsche. All diese Dinge sind physisch manifestierte To-Do-Listen, die abzuarbeiten Zeit kostet.

An einem anderen Punkt ist mir aufgegangen, wie abwegig dieses Ansammeln ist: bei meinen Podcasts. Seit Jahren habe ich diverse Kanäle abonniert, die ich höchst inspirierend finde. Immer wieder bin ich auf diese Weise auf tolle Gedanken gestoßen, ganz nebenbei. Beim Kochen, beim Spülen, beim Wäsche falten. Allerdings hat sich das ungehörte Material nach und nach angehäuft. Es macht inzwischen bestimmt an die 90 Stunden aus. Das nimmt zwar „nur“ Speicherplatz weg, ist aber auch so eine Art To-Do-Liste. Wenn’s hoch kommt, dann höre ich im Moment vielleicht eine Stunde die Woche. Also habe ich mit den angesammelten Sendungen Material für mindestens zwei Jahre! Und jede Woche kommen neue Podcasts dazu!

All das braucht Zeit. Und auch wenn davon an sich reichlich vorhanden ist – mir erscheint sie notorisch zu knapp. Vor allem seit ich Kinder habe. Aber noch viel grundsätzlicher: meine Lebenszeit ist nicht unbegrenzt. Es stellt sich die Frage: Womit will ich sie füllen? Welchen Dingen – und damit verbunden: welchen Gedanken – will ich Raum geben? Welche Gefühle will ich erleben? Pflichtgefühl? Druck? Im Sinne von: Das sollte ich mal lesen… Damit könnte ich mich auch mal beschäftigen... Das muss ich noch erledigen… Oder möchte ich meine Zeit mit Begeisterung füllen? Inspiration erleben? Neue Welten entdecken? Eigentlich ist das überhaupt keine Frage! Aber die „Dinge“ scheinen eine andere Sprache zu sprechen…

Noch viel wichtiger scheint mir aber die Frage nach dem rechten Maß zu sein. Ich kann mich für so vieles begeistern. Nur fehlt mir die Zeit dazu. Ich lese gerne, ich nähe gerne, ich höre gerne inspirierende Podcasts. Und dann stoße ich auf interessante Menschen oder neue Gedanken und besorge mir die entsprechenden Bücher… Und zack, schon wieder ein neues (geliehenes) Buch auf dem Stapel!

Wie kann ich kann meine Begeisterung leben, ohne dass sie in Zeitdruck umschlägt? Ohne dass die Themen, die mich interessieren, zu einer To-Do-Liste werden, die es abzuarbeiten gilt? Ohne dass ich ständig das Gefühl habe, einfach viel zu wenig Zeit zu haben?

Hier bin ich noch etwas ratlos…

Wie macht ihr das?

300 Dinge und Gefühle

Das Projekt 300 ist eine Woche alt. Meine erste Erkenntnis: 300 Dinge sind nicht viel! Überhaupt nicht! Im Regal stehen 55 Bücher (und noch anderer Kleinkram) weniger – aber es fällt kaum auf.

Inzwischen habe ich mehrfach gelesen, dass wir im Durchschnitt ca. 10.000 Dinge besitzen. Dann fallen 300 wirklich kaum ins Gewicht. Und ich bin mir noch nicht mal sicher, ob diese Hausnummer pro Person gilt oder pro Haushalt zu rechnen ist. Kaum auszudenken, die 10.000 bei uns mal vier zu nehmen. Gut, der Kleine besitzt wahrscheinlich bisher noch zwei bis drei Dinge weniger. Wobei, wenn ich mir seine Spielzeugkiste ansehe…  P1080046

Und das ist noch lange nicht alles! Was macht man bloß damit??? Der Kleine will ohnehin nur mit den Sachen vom großen Bruder spielen!

Zurück zu meinem Bücherregal.

Bei liebevollerleben bin ich auf die hilfreiche Frage gestoßen: Was löst du in mir aus?

Eine interessante Denkrichtung! Das ist für mich eine völlig neue Herangehensweise! Ich habe mich bisher immer gefragt: Brauche ich das noch? Oder: Könnte ich das eventuell irgendwann noch einmal brauchen? Statt dessen also in Beziehung zu den Dingen treten und sie fragen: Was löst du in mir aus?

Was ist es, was du in mir auslöst? Alles, was spontan keine Begeisterung auslöst, gehört einer kritischen Prüfung unterzogen. – Begeisterung? Die wenigsten Alltagsdinge lösen bei mir Begeisterung aus. Es gibt sie, solche Dinge, aber es sind wenige. Davon an anderer Stelle mehr.

Wenn ich vor meinen Bücherregalen stehe, dann kommt als erstes Pflichtgefühl in mir auf. Im Sinne von: Das sollte ich mal lesen. Damit sollte ich mich mal beschäftigen. Das habe ich mir schließlich selbst einmal gekauft, also war es auch mal wichtig. Oder auch: Das hat mir doch meine liebe Schwägerin geschenkt.

Aber will ich Bücher tatsächlich nur aus Pflichtgefühl lesen? Oder weil ein Buch irgendwann mal für mich interessant war? Ich lese gerne und ich bin begeisterungsfähig. Ich stoße fast jeden Tag auf neue Bücher, in die ich mich gerne vertiefen würde. Das sind aber in der Regel nicht die Bücher, die gestern oder vorgestern wichtig waren. Schließlich entwickle ich mich weiter. Und das ist gut so!

Außerdem, wer gibt vor, mit welchen Themen ich mich mal beschäftigen sollte? Natürlich gibt es Erwartungen, die an mich herangetragen werden. Themen, mit denen ich mich auskennen sollte. Aber ist meine eigene Begeisterung nicht ein besserer Kompass als mein Pflichtgefühl?

Ein weiteres Gefühl, das manche Bücher in mir auslösen, ist Angst. Mir ist bewusst geworden, dass ich viele Bücher nur deshalb aufhebe, weil ich Sorge habe, einer bestimmten Frage, Aufgabe oder Situation nicht gewappnet zu sein. Eine Frage nicht beantworten zu können. Keine kreative Idee zu haben. Dann will ich nachschlagen können. Und da ich die Fragen, Aufgaben und Situationen ja noch nicht kenne, muss ich vieles bereit halten, um nachschlagen zu können. Ist das nicht verrückt? Und das im Zeitalter des Internets! Ironischerweise weiß ich gar nicht so genau, welche genialen „Nachschlagewerke“ sich in den Tiefen meiner Bücherregale verbergen. Sie nehmen nur Platz weg und bieten dem Staub reichlich Ablagefläche. Ich werde also nicht auf die Idee kommen, sie zu konsultieren, wenn ich noch nicht einmal mehr um sie weiß. Allein diese Erkenntnis macht es mir einfacher, bestimmte Bücher zu verabschieden.

Wieder andere Bücher sind verbunden mit einer sentimentalen Erinnerung. Ich hatte z.B. Schulfächer, die ich echt gerne gemacht habe, v.a. während der Oberstufenzeit. Deutsch und Pädagogik zum Beispiel. Da habe ich viel gelesen, weit über das schulische Pensum hinaus. Meine Lehrer, aber auch viele der Bücher haben mir neue Horizonte eröffnet. Einen weiteren Rahmen, eine größere Freiheit, als je zu denken gewagt hätte. Ein paar dieser Bücher habe ich bis heute aufgehoben. Mich überkommt ein seltsames Gefühl, etwas Sentimentales, auch Dankbarkeit, wenn ich mich daran erinnere. Aber lese ich diese Bücher deshalb heute noch einmal? Diese Zeit ist über 20 Jahre her! Heute gibt es andere Gedanken, die mich herausfordern und mein Weltbild ver-rücken – und darüber freue ich mich!

Ich frage mich, was es atmosphärisch ausmacht, wenn aus meinen Bücherregalen so viel Pflichtgefühl auf mich herabschaut, durchmischt mit Angst und Sentimentalität. Ist das wirklich eine gute Umgebung zum Arbeiten? Oder ist das zu esoterisch gedacht?P1080047

Natürlich kommt bei vielen Büchern auch einfach Freude auf. Gerade bei denen, die ich in den letzten zwei, drei Jahren gelesen habe. Die mich inspiriert haben. Von denen ich begeistert bin. Die habe ich gerne noch ein Weilchen um mich. Und über manche will ich auf jeden Fall auch hier noch schreiben…