Archiv der Kategorie: Spiritualität

Licht und Feuer

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Seit meinen Kindertagen hat mich das Martinsfest nicht mehr so berührt wie in diesem Jahr. Gleich drei Umzüge kamen in der vergangenen Woche quasi vor unserer Haustür vorbei. Kindergarten, Grundschule und Kirche machten es möglich. Zum Teil sind wir spontan und ungeplant mitgegangen. Schnell die Laternen holen und los! Und irgendwie sind daraus heilige Momente geworden. Nicht nur, weil man mit kleinen Kindern den Zauber der Feste selbst noch einmal ganz neu und unverbraucht erlebt. Sondern auch, weil wir mit einem Mal Teil einer großartigen Inszenierung waren!

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Wie oft habe ich die Martinsgeschichte schon gehört! Wie oft habe ich sie selbst schon erzählt! Und ich bin ein großer Fan von gut erzählten Geschichten, die uns entführen in eine andere Welt. Aber etwas ganz anderes ist es doch, wenn man mit allen Sinnen plötzlich mitten drin ist. Teil des Geschehens. Der Heilige Martin reitet hoch zu Ross voran, der rote Mantel leuchtet durch die Nacht. Sein Anblick erfüllt mit Ehrfurcht. Die vielen liebevoll gestalteten Laternen. Geschmückte Straßenzüge, erleuchtete Fenster. Vertraute Melodien singen, begleitet von einer Blaskapelle, mit Trommeln im Hintergrund. Das Feuer, hell und warm, bildet den Mittelpunkt für einen unsichtbaren Zusammenhalt. In diesem Moment spüre ich eine wunderbare Verbundenheit mit unserem Stadtteil, in dem ich eigentlich immer noch nicht so richtig angekommen bin. Licht und Wärme in der Nachbarschaft. Unsere Kinder werden beschenkt, weil sie so schön ihre Laternen hochhalten, während die Mama singt. Die Freude der Kinder über Smarties und Seifenblasen. Ein Weckmann und Glühwein – ein Geschenk, ein Willkommen.

iwR_stmartin1Diese schlichte Geschichte – wie wunderbar inszeniert! Und wie dringend brauchen wir solche Inszenierungen – weil es eben nicht einfach nur eine alte Geschichte ist! Wenn wir eintauchen, mitten rein, ein Teil davon werden, dann kommen wir verändert wieder hervor. Ein großes Mysterienspiel! In dieser Woche vor unserer Haustür.

Heute ein Gastspiel bei karminrot und naturkinder.

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Lass dein Kind führen

Häufig sieht unser Alltag so aus: KiTa, Tagesmutter und Arbeit geben den Takt vor. Ich höre mich ständig Sätze sagen wie: „Komm schnell! Los jetzt! Beeil dich! Wir sind schon spät dran.“ Dem Rhythmus der Kinder entspricht das ganz und gar nicht. Sie sind mitten ins Spiel vertieft, müssen gerade noch ein Lego-Projekt fertig bauen oder wollen verstecken spielen, während ich auf allen Vieren versuche, ihnen Jacke, Schal und Mütze anzuziehen.

Ganz schön kräftezehrend! Geht das auch anders? Bestimmt nicht immer. Gerade wenn wir vorgegebene Zeiten einhalten müssen oder wollen. Also vor allen Dingen morgens. Aber zum Glück hat der Tag ja noch mehr Stunden! Zu bestimmten Zeiten nehme ich mir deshalb fest vor, mein Kind führen zu lassen. Und ich mache für mich eine Übung daraus.

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Meine Übungszeit ist zum Beispiel immer, wenn ich mit unserem Kleinen im Tierpark bin. Dann gibt er den Takt vor. Und den Weg. Und die Aktivität. Mehr als alles andere liebt er die Enten. Ich finde ja, es gibt durchaus größere Attraktionen als die gewöhnliche Stockente. Aber er ist da anderer Ansicht. Und er bestimmt! Ich halte mich zurück mit: „Komm, lass uns mal die Esel anschauen! Wollen wir nicht zu den Pfauen gehen? Hast du den Hirsch schon gesehen?“ Und wenn er der Meinung ist, dass die Tiere heute gar nicht interessant sind, sondern dass es viel spannender ist, Blätter ins Wasser zu werfen, dann schaue ich ihm zu oder mache mit.

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Ich mache für mich bewusst eine Übung daraus. Ich achte auf meine Impulse, ohne sie umzusetzen. Ich beobachte, wie mein innerer Antreiber immer neue Ideen parat hat. Ich nehme wahr, wie es sich anfühlt, geführt zu werden – auch wenn ich selbst eine ganz andere Wahl treffen würde. Und ich nehme die Welt aus den Augen meines Kindes wahr. Es nimmt ganz andere Dinge wichtig, als ich das tue.

Ich übe auf diese Weise drei Dinge: wahr-nehmen, mich führen lassen und staunen. Alle drei haben für mich eine spirituelle Dimension. Es ist eine Übung, die ich natürlich auch sonst jederzeit im Alltag machen kann. Meinen Kindern schenke ich damit aber wertvolle Zeit, in der sie den Ton angeben und tun, was ihnen einfach nur Spaß macht.

Magie des Alltags

Eines der Prinzipien des spiritual parenting lautet: Add Magic to the Ordinary.

Am Anfang steht die eher traurige Feststellung: „Our society works to educate the wonder out of children.“ Wir lehren unsere Kinder Zahlen, Daten, Fakten, aber wir erlauben ihnen nicht, das Leben in seiner Buntheit und Faszination zu erleben. Wie schnell sind wir dabei, zu erklären, wie etwas heißt oder funktioniert, anstatt einfach nur zu wahrzunehmen und zu staunen.

Mir ist bei der Lektüre noch einmal deutlicher geworden, wie ich mit meinen Kindern durch die Welt gehen möchte: weniger erklären – mehr wahr-nehmen! Das heißt ganz konkret, wirklich die Sinne zu benutzen. Nicht nur Worte, die etwas beschreiben oder erklären. Sondern so genau wie möglich zu beobachten, zuzuhören, zu riechen, zu schmecken, zu fühlen. Nicht von ungefähr kommt die spirituelle Weisheit, dass man über die Erfahrung der Sinne zur Erfahrung von (Lebens)Sinn kommt.

Auf diese Weise sind wir in der letzten Woche wirklich auf ein kleines Wunder gestoßen. Beim Waldspaziergang haben wir auf dem Boden Bucheckern gefunden. Ich wollte den Kindern gerne eine der ‚Nüsse‘ zu probieren geben, aber in keiner einzigen Hülle war etwas zu finden. Alle waren leer. In der Hoffnung, ein geschlossenes Exemplar zu finden, habe ich eine Buchecker von einem niedrig hängenden Ast gepflückt. Aber was wir da zu sehen bekamen, hat wirklich keiner von uns erwartet. In der schon geöffneten Hülle hockten sechs bis acht Marienkäfer unterschiedlicher Farbschattierungen aufeinander. „BOAAA, guck mal! Eine Marienkäferwohnung!!!“ Ich liebe es, wenn die Begeisterung meines großen Kleinen sich so lautstark Bahn bricht. Von dem Moment an waren wir ganz Aug und Ohr. Die Marienkäfer, zuerst noch ganz ruhig, fingen an sich zu bewegen und durcheinander zu krabbeln. Der ein oder andere krabbelte über unsere Finger. Mit einem Mal, ganz unerwartet, breitete er seine Flügel aus und flog einem unbekannten Ziel entgegen.

„Weniger erklären – mehr wahr-nehmen“ ist eine gutes Mantra, das mir hilft, mich zu fokussieren und mich daran zu erinnen, meine Sinne zu benutzen. Denn so findet man im Alltag wirklich magische Augenblicke.

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Wieder ein Grünzeug-Beitrag bei naturkinder.

Nachtrag: Die Farbe blau

Kraftorte aufsuchen

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Ein einfacher Weg, die Seele unserer Kinder zu nähren, ist Orte aufzusuchen, die gut tun. Das sind ganz allgemein Orte, an denen man Verbundenheit spüren kann. Draußen, in der Natur, im Grünen, im Wald, am Wasser…

Darüber hinaus gibt es für mich aber auch besondere Kraftorte. Orte, die mich berühren, mich runter fahren, mich erden und mit Kraft aufladen. Meistens sind das naturnahe Orte, die von Menschen in besonderer Weise gestaltet und – nicht immer, aber oft – auch religiös (klösterlich) geprägt sind. Ich bin überzeugt, dass Kinder die besondere Kraft an diesen Orten spüren, selbst wenn sie das noch nicht bewusst erleben oder es in Worte fassen können.

Altenberg mit seinem Dom ist für mich ein solcher Ort, ein ehemaliges Zisterzienserkloster. Zisterzienser haben sich immer in abgelegenen Gegenden niedergelassen und diese urbar gemacht. In diesem Tal spürt man sowohl die Wirkung der unberührten Natur als auch die gestaltende Kraft des klösterlichen Lebens. Im Dom herrscht eine Atmosphäre, die so dicht ist, dass man sie mit Händen greifen kann. Als wir in der vergangenen Woche mit den Kindern dort waren, wollte der große Kleine überhaupt nicht mehr gehen. Auf meine Frage, was gefällt dir denn so gut, bekam ich die Antwort: „Die Musik und die grün-weißen Leute“ (der Zelebrant und die Messdiener).

Ähnlich und doch ganz anders ist der Schwanberg. Ein alter keltischer Kraftort, hoch gelegen auf dem gleichnamigen Berg, mit einer Schlossanlage samt grandiosem Park und dem Kloster eines evangelischen Frauenordens. Die ganze Anlage ist aufgeladen mit guter Energie, je öfter ich dort bin, desto mehr spüre ich es.

Wenn wir mit Kindern solche Kraftorte aufsuchen, müssen wir gar nichts weiter tun. Die Orte wirken für sich. Und Kinder haben ihre Kanäle, um das aufzunehmen. Wenn wir zu einer bewussteren Wahrnehmung anregen wollen, können wir natürlich nachfragen, zum Beispiel:

Wie ist es, hier an diesem Ort zu sein?

Was ist das Besondere an diesem Ort?

Was gefällt dir hier?

Ich bin gespannt, wie sich die Sprachfähigkeit der Kinder entwickelt, wenn wir im Laufe der Jahre immer wieder diese Orte aufsuchen und sie immer wieder nach ihren Eindrücken fragen.

Welche Kraftorte kennt ihr? Wie bringt ihr euren Kinder diese Orte nahe?

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Verlinkt bei naturkinder.

Die Seele deines Kindes nähren

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Seit ein paar Tagen halte ich ein kleines Juwel in den Händen – ein Buch, gebraucht gekauft für 3,86 € und von der britischen Insel herüber geschifft. Durch „Zufall“ bin ich auf den Titel gestoßen und merke, so etwas habe ich schon lange gesucht. Oder vielleicht hat das Buch mich gesucht – und gefunden!

„10 Principles for Spiritual Parenting. Nurturing your Child’s Soul“ ist von zwei Amerikanerinnen – Mutter und Tochter! – verfasst. Es enthält eine unendliche Fülle von Anregungen und Inspriationen, um eine alltagstaugliche Spiritualität mit Kindern zu leben. In den vergangenen Tagen habe ich ein bisschen kreuz und quer gelesen und schon einige Ideen bekommen, die ich in unser Familienleben einbringen werde.

Oft sind es ja gar nicht unbedingt große Aktionen, die gefragt sind, sondern die innere Haltung ist entscheidend. Für mich war die Erinnerung wichtig: Kinder sind spirituelle Wesen. Wir müssen ihnen das nicht erst beibringen. Wir dürfen ihnen nur den Zugang zu ihrer inneren Welt nicht erschweren oder gar versperren. Unsere Aufgabe ist es, sie zu unterstützen, diese innere Welt wie selbstverständlich zu bewohnen.

„Think of your child as an infinite Higher Self housed in a small body.“

Mein Kind mit diesen Augen zu sehen, finde ich ungemein entlastend. Es befreit mich davon, „the almighty-their-destiny-depends-on-me-parent“ zu sein. Mein Kind hat Zugang zu höheren Kraftquellen und zu einer tieferen Weisheit. Es lebt nicht allein in den engen familiären Bindungen und in den etwas weiteren von Kindergarten, Verwandtschaft, Freundeskreis. Es gibt darüber hinaus die Verbindung zu einer Wirklichkeit, die jenseits unserer (alltäglichen) Wahrnehmung liegt, und die ich am eheseten mit Worten wie Licht, Klarheit, Wärme, Liebe beschreiben kann. Wenn ich mir diese Verbindung bildlich vorstelle – wie einen Lichtfaden, der über mein Kind hinaus in den Himmel reicht und nach unten zur Mitte der Erde – dann spüre ich körperlich, wie mich das entlastet. Ich atme tiefer und entspannter.

Die erste Anregung ist also, meine Kinder in einem weiteren Horizont zu sehen. Der ist so viel größer als ihr noch kleiner und zarter Körper. Und dieser Perspektivwechsel entlastet und inspiriert mich zugleich.

Weitere und konkretere Ideen sind schon in Planung. Ich werde hier davon berichten.