Archiv der Kategorie: spiritual|parenting

Bunte Zweige

P1090757

Heute ist mit bunten Zweigen ein kleiner Vorgeschmack auf Ostern eingezogen: Wir haben mit den Kindern einen Palmbusch gebunden (die Anregung stammt hierher). Die Buchsbaumzweige haben wir im Garten geschnitten und dazwischen ein paar Forsythienzweige versteckt. In ein paar Tagen, wenn Ostern näher rückt, werden sie ihre gelben Blütenköpfchen rausstrecken und noch ein paar Farbtupfer mehr in unsere Wohnung bringen. Am meisten Spaß hatten die Kinder an den Kreppbändern. Die wurden fröhlich hin und her geschwenkt, beherzt in Stücke geschnitten und dann liebevoll drapiert.

Ich kannte die Tradition eines Palmbuschs bisher nicht. Die immergrünen Zweige stehen für unvergängliches Leben – und natürlich für die Zweige, mit denen die Menschen Jesus beim Einzug in Jerusalem begrüßten. Die (bald) blühenden Zweige zeigen das Leben an, das sich wieder neu entfaltet. Die bunten Bänder erinnern an die Kleider, die die Menschen damals auf dem Boden ausgebreitet haben. Die Perlen könnten für Tränen stehen. Immerhin sind wir ja noch in der Passionszeit, einer Zeit in der wir uns vielleicht in besonderer Weise durch das Leid anderer berühren lassen. Am Ostersonntag werden wir dann noch Ostereier hinzufügen – aber die müssen erst noch angemalt werden…

Eine Sonntagsfreude und wunderschönes Grünzeug!

Advertisements

Meditieren mit Kindern #2

Im Leben mit kleinen Kindern Zeit für Meditation zu finden, ist gar nicht so einfach. Morgens oder abends, wenn die Kinder schlafen, schaffe ich es in der Regel nicht, mich aufs Kissen zu setzen. Also versuche ich, Meditationszeiten mitten in den trubeligen Alltag einzubauen, wenn die Kinder drumherum spielen, mir zuschauen oder vielleicht sogar mitmachen.

Dabei gibt es ein paar Dinge, die es mir und uns einfacher machen.

Hilfreich ist auf jeden Fall Vorerfahrung mit Meditation. Ich kenne verschiedene Formen von Meditation und Kontemplation und übe mich darin – in unterschiedlicher Intensität – seit gut 15 Jahren. Lange Zeit habe ich das stille Sitzen dazu genutzt, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Die äußeren Reize waren auf ein Minimum reduziert und endlich war mal Zeit, meine Gedanken bis zu Ende zu denken. Unglaublich, welche Wege der eigene Geist in kürzester Zeit zurücklegt und wo man innerhalb von 15 Minuten landen kann. Die Stille hat mir immer gut getan, aber ich habe erst viel später verstanden, dass es bei der Meditation um etwas anderes geht. Erst durch bestimmte Achtsamkeitsübungen (aus der MBSR-Schule) und eine spirituelle Praxis (wie diese hier) wurde mir klar, um was es eigentlich geht: ganz im Hier und Jetzt sein, mit einem wachen Geist und mit allen Sinnen. Und weil der Geist gerne in die unterschiedlichsten Richtungen davon flattert, ist es einfacher, wenn ich meine Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Fokus richte – auf den Atem, auf Körperwahrnehmungen, auf die Beobachtung von Gedanken und Gefühlen oder auf ein innerlich wiederholtes Mantra. Um diese fokussierte Aufmerksamkeit zu üben, braucht es nicht unbedingt absolute Stille um mich herum. Das geht genauso, wenn die Kinder gerade die Legosteine durcheinander wirbeln, die Zahlen auf dem Timer vorlesen oder auf meinen Schoß klettern. Ich kehre immer wieder zurück zu meiner Übung im Hier und Jetzt.

Für die Kinder ist es klarer, wenn es einen besonders gestalteten Ort gibt. Dieser Ort markiert: Mama macht gerade ihre stille Zeit. Sie ist jetzt beschäftigt. Wenn sie aufsteht, ist sie wieder für uns da. Bei uns ist dieser Ort noch im Entstehen. Ich habe eine Servierplatte umfunktioniert (das schwedische Möbelhaus machts möglich), quasi als kleinen Altar, den ich mit besonderen Gegenständen geschmückt habe: eine Kerze, eine Blume, ein schöner Stein, ein kleiner Engel. Ich stelle mir vor, dass die Kinder diesen Ort in Zukunft mitgestalten – mit Fundstücken aus der Natur, Bildern, mit Dingen, die ihnen wichtig sind.

Für die Kinder ist zudem ein Zeitmesser hilfreich, etwas, das das Vergehen der Zeit sichtbar macht. Ich nutze diesen kleinen Timer, bei dem man Tonsignal, Vibrationsalarm und ein Lichtsignal beliebig miteinander kombinieren kann. Unser großer Kleiner ist fasziniert von Zahlen, er zählt vorwärts und rückwärts, und er verfolgt genau die wechselnden Zahlen auf dem Timer. Bei kleineren Kindern kann eine Sanduhr gute Dienste leisten. Sie macht einen kurzen Zeitraum und seine Begrenzung optisch sichtbar.

Damit die Auszeit funktionieren kann, ist es natürlich wichtig, dass gerade alle wichtigen Bedürfnisse der Kinder gestillt sind. Ein guter Zeitpunkt ist deshalb zum Beispiel nach der Raubtierfütterung. Und wenn die Kleinen vorher auch noch eine ordentliche Portion von Mamas Aufmerksamkeit bekommen haben, dann hilft das auf jeden Fall, sie jetzt für eine kleine Weile zu entbehren.

Meditieren mit Kindern #1

Ich würde gerne wieder regelmäßig meditieren. Die Frage ist nur: wann? Im Leben mit zwei kleinen Kindern scheint es dafür keine geeignete Tageszeit zu geben. Morgens früh? Es mag Leute geben, die stehen in aller Frühe auf, um zu meditieren – zu denen gehöre ich aber definitiv nicht! Meine Kinder sind – im Gegensatz zu mir! – Frühaufsteher, und der Tag fängt ohnehin immer viel zu früh an. Da ist nicht daran zu denken, vor den Kindern aufzustehen, um den Tag in Stille zu beginnen! Und abends? Ja, wenn die Kinder schlafen, wäre das eigentlich eine gute Zeit. Nur muss halt immer alles abends stattfinden, was tagsüber mit den Kinder nicht geht, und das ist nicht wenig! Und oft bin ich selbst so k.o., dass ich mit den Kindern auf der Bettkante einschlafe.

Daher mein Entschluss: Ab sofort meditiere ich mit den Kindern! Nicht in dem Sinne, dass ich sie darin anleite zu meditieren – das kommt vielleicht später auch noch. Aber ich meditiere, wenn die Kinder um mich herum sind. Ich setze mich einfach mitten im Alltagstrubel hin und nehme mir eine Auszeit. Eine Kerze, ein Kissen und ein Timer sind meine Hilfsmittel.

Dem großen Kleinen habe ich das so erklärt: Ich setze mich jetzt für eine Viertelstunde hin, zünde mir eine Kerze an und möchte einfach still sein. Ich stelle den Timer auf fünfzehn Minuten ein, dann kannst du sehen, wann die stille Zeit zuende geht. Er interessiert sich unglaublich für Zahlen und Zeiten, so dass er abwechselnd zu mir und auf den Timer geschaut und die Zeit quasi rückwärts gezählt hat.

Unser Kleiner ist einfach noch zu klein für Erklärungen. Nachdem er erst eine Weile mit etwas anderem beschäftigt war, kam er irgendwann und hat das ungewohnte Setting interessiert beobachtet. Am Ende der fünfzehn Minuten saß der Kleine auf meinem Schoß, und der Große lehnte sich von hinten an meinen Rücken. Ich war ganz gerührt über diesen dichten gemeinsamen Moment mit meinen Kindern!

So habe ich Meditation bisher nie gedacht. Ich bin immer davon ausgegangen, dass es eine ungestörte Zeit und einen ruhigen Ort braucht. Aber auch wenn die Kinder um mich herum sind, wenn sie spielen oder auf meinen Schoß klettern, kann ich mich darin üben, mit meiner Aufmerksamkeit bei mir selbst zu sein. Und immer wieder dahin zurück zu kehren.

Und ganz nebenbei finde ich es gut, wenn die Kinder es miterleben, wie ich meditiere. Sie werden neugierig werden und es auch ausprobieren wollen. Und dann wird es sicher wieder Zeiten geben, wo sie sich überhaupt nicht dafür interessieren. Aber sie wissen wenigstens um diese Möglichkeit und können sich jederzeit dazu setzen, wenn sie mögen.

Mit einer Aufgabe geboren

Zu den größten Inspirationen der vergangenen zwei Jahre zählen für mich die Bücher von und die Begegnung mit Sobonfu Somé. Die Lehrerin afrikanischer Weisheit und Spiritualität stammt aus Westafrika, aus Burkina Faso. Es ist eines der ärmsten Länder der Welt, aber es ist unermeßlich reich an spirituellen Traditionen. Einige davon bringt Sobonfu Somé durch ihre Bücher und ihre Workshops in die westliche Welt. Denn genau das ist ihre Lebensaufgabe. Sie ist die „Hüterin der Rituale“, wie ihr Name übersetzt heißt.

Als ich zum ersten Mal davon gelesen habe, hat mich das gleich fasziniert. Die Dagara – der Stamm, dem Sobonfu Somé angehört – gehen davon aus, dass jedes Kind mit einer Aufgabe in diese Welt kommt. Es hat eine Bestimmung, eine Berufung, ein Lebensziel. Es bringt Gaben mit, die für die Gemeinschaft wichtig sind. Noch in der Schwangerschaft wird ein Ritual durchgeführt, um von dieser Lebensaufgabe zu erfahren. Die Schwangere wird in Trance versetzt und durch die Ältesten befragt. Die Mutter des Kindes gibt so die Bestimmung und die Aufgabe des kommenden Wesens weiter. Das Lebensziel findet seinen Niederschlag im Namen des Kindes, so dass seine Aufgabe immer präsent ist. In Kindheit und Jugend erhält es alle Unterstützung, die es braucht, um seine Gaben entfalten und in die Gemeinschaft einbringen zu können.

Mich hat das ungeheuer beeindruckt. Welcher Respekt und welche Ehrfurcht vor dem Wesen jedes einzelnen Menschen stehen dahinter! Welche Verantwortung und welcher Gemeinschaftssinn, jeden Neuankömmling darin zu unterstützen, seinen Platz im Leben zu finden!

Und welch ein Unterschied zu der Art und Weise, wie wir in unserer westlichen Welt ins Leben starten! Wir werden als eine tabula rasa betrachtet und in den ersten (sechzehn bis neunzehn!) Jahren mit quasi neutralem Wissen gefüttert. Mit 40 suchen wir dann unsere midlife-vision und investieren viel Geld und Coaching-Sitzungen, um unsere Berufung zu finden.

Gleichzeitig hat mich dieser Gedanke neugierig gemacht. Kennen wir denn nichts Vergleichbares? Gibt es in unserer Tradition kein Wissen um eine Lebensaufgabe, mit der wir geboren werden? Und ich bin unverhofft fündig geworden! In den christlichen Erzählungen findet sich gleich zwei Mal der Bericht von noch ungeborenen Kindern, die mit einer besonderen Aufgabe in die Welt kommen. In diesen Tagen hat man sie vielleicht gerade wieder mal gehört. Hier ist es kein Ritual mit Gesang, Trommeln und Trance, das die Lebensaufgabe offenbart. Es ist ein Engel, der die Botschaft überbringt. Gabriel. Er übermittelt Botschaften aus einer anderen Wirklichkeit. Und Empfänger sind jeweils die Eltern. Einmal ist es der Vater, Zacharias. Er erfährt von Gabriel, dass er einen Sohn haben wird und dessen Bestimmung wird sein, „die Herzen der Väter den Kindern zuzuwenden“! Wie wunderbar! Und die zweite Geschichte, nun, das ist die bekanntere: Gabriel stattet Maria einen Besuch ab und kündigt auch hier die Geburt eines Sohnes an. Er wird „heilig“ sein und „Kind Gottes“ genannt werden und eine Herrschaft antreten, die niemals aufhören wird.

Mit einer Aufgabe geboren. Vielleicht sind diese beiden Kinder, von denen hier die Rede ist, zu besonders, um diesen Gedanken auf alle Menschen auszuweiten? Vielleicht haben wir unsere Verbindung zu Engeln, zu unserer Intuition, zu unserer spirituellen Weisheit verloren? Vielleicht fehlen uns wirkmächtige Rituale und die Unterstützung einer Gemeinschaft, um damit in Berührung zu kommen? Mich lässt der Gedanke jedenfalls nicht mehr los, und ich werde ihm auf der Spur bleiben!

Wie mit Kindern über Terror reden?

iwR_Kerzen

Als ich den gestrigen Post schrieb, hatte ich die Nachrichten des Tages noch nicht gelesen. Wahrscheinlich hätte ich sonst nicht über Laternen, Martinsfeuer und Willkommen geschrieben. Mein erster Gedanke war: Wie unbedeutend sind solche Erfahrungen angesichts der Ereignisse in Paris! Wie rührselig vielleicht auch. Aber dann habe ich gedacht: Nein, das stimmt nicht! Genau das ist wichtig. Über unsere Werte nicht nur reden. Sondern Menschlichkeit und Zusammenhalt leben. Sie in Szene setzen, erfahrbar machen, um-setzen!

Meine nächste Überlegung war: Wie kann ich denn mit Kindern über solche Ereignisse reden? Dazu auf die Schnelle ein paar Gedanken:

Am besten gar nicht! Diese Nachrichten gehören nicht in Kinderohren und -herzen! Je kleiner die Kinder sind, desto weniger. Das heißt für mich, aufmerksam mit meinem eigenen Medienkonsum sein: nicht einfach so nebenbei das Radio laufen lassen. Selbst kleine Kinder schnappen mehr auf, als man oft denkt. Falls nun aber genau das passiert ist, gilt:

Die Dramatik rausnehmen! Den Gedanken in dieser Klarheit verdanke ich Nicola Schmidt. Sie empfiehlt einen Mittelweg zwischen Wahrheit und Schonung. Aus genau diesem Grund: Terrornachrichten gehören nicht in Kinderohren und – herzen! Ich erinnere mich lebhaft an eine Diskussion – ausgerechnet mit einer Freundin aus Israel! – über den Film „Das Leben ist schön„: Ist es erlaubt, ein Kind anzulügen, um es vor einer schmerzlichen Wahrheit zu bewahren? Ich bin der Meinung: unbedingt ja! Nicht um Kindern eine heile Welt vorzugauckeln. (Schmerzliche Wahrheiten, die das Kind direkt betreffen, Krankheit und Tod in allernächster Umgebung etwa, gehen Kinder unbedingt etwas an!) Aber um Kinder vor einer Realität zu bewahren, die sie schlicht nicht verarbeiten können.

Keine Bilder! Das heißt vor allem keine Fernsehbilder! Unser Hirn unterscheidet nicht, ob wir von einer Situation „nur“ Bilder sehen oder ob wir live dabei sind. Es verarbeitet Bilder immer so, als gehe es um unmittelbar Erlebtes. Und entsprechend reagiert es mit Stress. Das gilt übrigens genauso für uns Erwachsene. Außerdem sind die Bilder von verletzten und verzweifelten Menschen keine „Nachrichten“, die wir „wissen“ müssten – dafür begleiten sie uns eindringlicher als alles andere.

Mit Kindern über ihre Gefühle reden! In diesem Fall – anders als bei der Dramatik der Situation – gilt: nicht beschwichtigen! Wenn Gefühle wie Angst, Trauer und Wut da sind, hilft es, sie auszusprechen. Das ist wie mit einem Luftballon: Wenn sich immer mehr aufstaut, dann platzt er irgendwann. Wenn bedrohliche Gefühle ausgesprochen werden können, wenn es jemanden gibt, der mitfühlt, dann kann die Luft einfach ausströmen. Eine hervorragende Hilfe zu diesem Thema sind hier die Bücher von Vivian Dittmar! Gleichzeitig ist es natürlich wichtig zu signalisieren:

Die Erwachsenen kümmern sich drum. Das hat nichts mit beschwichtigen zu tun. Die Grundbotschaft lautet: Du darfst weiter Kind sein und unbekümmert spielen. Die Erwachsenen regeln das. So gut wie sie können.

Sich an eine höhere Macht wenden. Beten, in die Kirche gehen, eine Kerze anzünden, über Schutzengel sprechen – was euch entspricht. Es für Kinder so wichtig zu erleben, dass auch die Erwachsenen nicht die letzte Instanz sind. Dass auch sie sich an jemanden wenden mit ihren Fragen, ihrer Not, aber auch dass sie Vertrauen haben. Wir waren heute in der Kirche und haben dort gesungen: „Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu dieser Zeit… Schaffe Licht in dunkler Nacht. Erbarm dich, Herr.“ Wie passend!

Wie über eine höhere Macht zu reden ist – die unendliche Liebe ist, der wir uns anvertrauen, die aber zugleich so erschreckende Ereignisse nicht verhindert  – das ist freilich ein ganz eigenes Thema!

Wer mehr zu dieser Fragestellung lesen will, dem kann ich ein Buch des amerikanischen Rabbiners Marc Gellman empfehlen: Wo steckt Gott? Wie wir unseren Kindern helfen können, mit schlechten Nachrichten umzugehen.

Wie haltet ihr das? Habt ihr noch andere Punkte, die euch wichtig sind?

Licht und Feuer

iwR_stmartin2

Seit meinen Kindertagen hat mich das Martinsfest nicht mehr so berührt wie in diesem Jahr. Gleich drei Umzüge kamen in der vergangenen Woche quasi vor unserer Haustür vorbei. Kindergarten, Grundschule und Kirche machten es möglich. Zum Teil sind wir spontan und ungeplant mitgegangen. Schnell die Laternen holen und los! Und irgendwie sind daraus heilige Momente geworden. Nicht nur, weil man mit kleinen Kindern den Zauber der Feste selbst noch einmal ganz neu und unverbraucht erlebt. Sondern auch, weil wir mit einem Mal Teil einer großartigen Inszenierung waren!

iwR_stmartin6   iwR_stmartin3iwR_stmartin4   iwR_stmartin5

Wie oft habe ich die Martinsgeschichte schon gehört! Wie oft habe ich sie selbst schon erzählt! Und ich bin ein großer Fan von gut erzählten Geschichten, die uns entführen in eine andere Welt. Aber etwas ganz anderes ist es doch, wenn man mit allen Sinnen plötzlich mitten drin ist. Teil des Geschehens. Der Heilige Martin reitet hoch zu Ross voran, der rote Mantel leuchtet durch die Nacht. Sein Anblick erfüllt mit Ehrfurcht. Die vielen liebevoll gestalteten Laternen. Geschmückte Straßenzüge, erleuchtete Fenster. Vertraute Melodien singen, begleitet von einer Blaskapelle, mit Trommeln im Hintergrund. Das Feuer, hell und warm, bildet den Mittelpunkt für einen unsichtbaren Zusammenhalt. In diesem Moment spüre ich eine wunderbare Verbundenheit mit unserem Stadtteil, in dem ich eigentlich immer noch nicht so richtig angekommen bin. Licht und Wärme in der Nachbarschaft. Unsere Kinder werden beschenkt, weil sie so schön ihre Laternen hochhalten, während die Mama singt. Die Freude der Kinder über Smarties und Seifenblasen. Ein Weckmann und Glühwein – ein Geschenk, ein Willkommen.

iwR_stmartin1Diese schlichte Geschichte – wie wunderbar inszeniert! Und wie dringend brauchen wir solche Inszenierungen – weil es eben nicht einfach nur eine alte Geschichte ist! Wenn wir eintauchen, mitten rein, ein Teil davon werden, dann kommen wir verändert wieder hervor. Ein großes Mysterienspiel! In dieser Woche vor unserer Haustür.

Heute ein Gastspiel bei karminrot und naturkinder.

Magie des Alltags

Eines der Prinzipien des spiritual parenting lautet: Add Magic to the Ordinary.

Am Anfang steht die eher traurige Feststellung: „Our society works to educate the wonder out of children.“ Wir lehren unsere Kinder Zahlen, Daten, Fakten, aber wir erlauben ihnen nicht, das Leben in seiner Buntheit und Faszination zu erleben. Wie schnell sind wir dabei, zu erklären, wie etwas heißt oder funktioniert, anstatt einfach nur zu wahrzunehmen und zu staunen.

Mir ist bei der Lektüre noch einmal deutlicher geworden, wie ich mit meinen Kindern durch die Welt gehen möchte: weniger erklären – mehr wahr-nehmen! Das heißt ganz konkret, wirklich die Sinne zu benutzen. Nicht nur Worte, die etwas beschreiben oder erklären. Sondern so genau wie möglich zu beobachten, zuzuhören, zu riechen, zu schmecken, zu fühlen. Nicht von ungefähr kommt die spirituelle Weisheit, dass man über die Erfahrung der Sinne zur Erfahrung von (Lebens)Sinn kommt.

Auf diese Weise sind wir in der letzten Woche wirklich auf ein kleines Wunder gestoßen. Beim Waldspaziergang haben wir auf dem Boden Bucheckern gefunden. Ich wollte den Kindern gerne eine der ‚Nüsse‘ zu probieren geben, aber in keiner einzigen Hülle war etwas zu finden. Alle waren leer. In der Hoffnung, ein geschlossenes Exemplar zu finden, habe ich eine Buchecker von einem niedrig hängenden Ast gepflückt. Aber was wir da zu sehen bekamen, hat wirklich keiner von uns erwartet. In der schon geöffneten Hülle hockten sechs bis acht Marienkäfer unterschiedlicher Farbschattierungen aufeinander. „BOAAA, guck mal! Eine Marienkäferwohnung!!!“ Ich liebe es, wenn die Begeisterung meines großen Kleinen sich so lautstark Bahn bricht. Von dem Moment an waren wir ganz Aug und Ohr. Die Marienkäfer, zuerst noch ganz ruhig, fingen an sich zu bewegen und durcheinander zu krabbeln. Der ein oder andere krabbelte über unsere Finger. Mit einem Mal, ganz unerwartet, breitete er seine Flügel aus und flog einem unbekannten Ziel entgegen.

„Weniger erklären – mehr wahr-nehmen“ ist eine gutes Mantra, das mir hilft, mich zu fokussieren und mich daran zu erinnen, meine Sinne zu benutzen. Denn so findet man im Alltag wirklich magische Augenblicke.

52d20-6a0120a791de49970b01b8d12afe98970c-pi

Wieder ein Grünzeug-Beitrag bei naturkinder.

Nachtrag: Die Farbe blau