Archiv für den Monat Februar 2016

Lebens-Mitte

Vor einiger Zeit flatterte die Einladung zum 20jährigen Abi ins Haus. Ich bin mit eher gemischten Gefühlen zu diesem Treffen gefahren. Schließlich habe ich seit Jahren zu niemandem aus meiner Jahrgangsstufe mehr Kontakt. Es wurde ein ausgesprochen netter Abend mit angeregten Gesprächen – ausgerechnet mit Leuten, mit denen ich während meiner Schulzeit so gut wie nie etwas zu tun hatte.

Nachher habe ich mich gefragt, ob es eigentlich ein Thema gibt, das uns alle verbindet. Die einen stecken – wie wir – gerade erst in der Familiengründungsphase, andere haben die Kinder schon bald wieder aus dem Haus. Ein Paar ist bereits seit unserer Schulzeit zusammen, andere sind längst wieder mehr oder weniger glückliche Singles. Und auch beruflich könnte das Spektrum kaum größer sein: zufriedener Hausmann, selbständige Unternehmerin, Dauerstudent und Gelegenheitsjobber – alles war vertreten.

Eigentlich gibt es nur ein Thema, das uns – rund um die vierzig – verbindet: wir befinden uns alle in unserer Lebensmitte. Zumindest statistisch gesehen haben wir so ungefähr die Hälfte des Lebens hinter uns.

Aber was bedeutet das? Im täglichen Leben spielt die Frage, wieviel Lebenszeit schon rum ist und wie viel noch bleibt, ja in der Regel keine Rolle. Trotzdem hat mich diese Frage nicht mehr losgelassen und sie beschäftigt mich seither.

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Aus der indischen Philosophie kenne ich schon länger die Einteilung in vier Lebensstadien von jeweils 21 Jahren: der enthaltsame Schüler, der Hausvater, der Waldeinsiedler und der Weise. Auch wenn die Bezeichnungen etwas urtümlich erscheinen, entsprechen die Phasen durchaus unserer Lebenswelt. Wir kennen die Übergänge in ein eigenständiges Leben, sprechen von der midlife-crisis und wissen um den Einschnitt, den der Übergang in den Ruhestand bedeuten kann. Aber während beim Eintritt ins Berufsleben und auch beim Ausscheiden daraus die Veränderungen auf der Hand liegen, gibt es in der Lebensmitte nichts, was sich im Außen verändert. Im Gegenteil, es könnte eigentlich alles Jahre und Jahrzehnte so weitergehen wie bisher – wenn, ja wenn sich da nicht manchmal das Gefühl einschleichen würde: „Das kann doch nicht alles gewesen sein!“ In der Lebensmitte verändert sich etwas ganz leise und unbemerkt.

Im Verborgenen vollzieht sich etwas, was ein entscheidender Wendepunkt des Lebens sein kann. Für den Schweizer Psychoanalytiker C. G. Jung steht ab der Lebensmitte die wichtige Aufgabe an, die innere Persönlichkeit auszubilden. Aber dieser Weg von außen nach innen kann steinig und holprig sein. Man muss im Inneren aufräumen, alte Verletzungen bearbeiten, seelische Bedürfnisse ernst nehmen. Diese Phase funktioniert nach anderen Prinzipien als die vorige. Wer genauso weitermacht wie bisher – den beruflichen Erfolg, das Vermögen, seine Macht und sein Wissen ausbauen – der verpasst das Entscheidende. Aber auch das Gegenteil – den alten Beruf an den Nagel hängen, eine neue Beziehung anfangen, aussteigen und sich selbst verwirklichen – führt immer noch in die falsche Richtung. Es geht weder darum, weiterhin „Fleißkärtchen zu sammeln“, noch sein Leben neu zu erfinden. Weil beides immer noch mit einer Orientierung nach außen einher geht.

Jetzt steht es aber an, sich einer inneren Führung anzuvertrauen. Während bisher Aktivität und gestaltende Kraft im Vordergrund standen, ist jetzt mehr und mehr Loslassen gefragt. So vollzieht sich ein innerer Führungswechsel, der sich an manchen Stellen wie Kontrollverlust anfühlt und nicht nur angenehm ist. In dieser Lebensphase sind daher Zeiten des Rückzugs und der Stille von besonderer Bedeutung.

Aber dieser Weg ist nicht nur steinig und schwer. Wer sich darauf einlässt, findet Geschmack daran. Wer den unmittelbaren Ruf des Lebens zu hören vermag, dem wird die Welt durchsichtiger und leuchtender als vielleicht je zuvor. Und er wird selbst durchscheinend für Weisheit und Güte – Qualitäten, die wir an alten Menschen sehr schätzen, die sich aber keineswegs von alleine einstellen.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass sich bei mir die Frage nach einer Lebensaufgabe gerade jetzt meldet. Auf jeden Fall bin ich gespannt, welche Veränderungen die nächsten Jahre mit sich bringen werden…

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Mehr Schneematsch!

Das Wochenende hat uns eine wunderbare Auszeit beschert. Für uns kamen genau die richtigen Zutaten zusammen: ein Kraftort zum Auftanken,  wenigstens ein Hauch von Schnee, Zeit, die Kinder führen zu lassen, und dazu haben wir die Parole Mehr Matsch! sehr wörtlich genommen. Alles das macht zusammen: entspannte Eltern und glückliche Kinder! Wunderbar!

Eine Sonntagsfreude und wieder einmal ein Grünzeug-Beitrag!

Spielend aufräumen

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Ein #chaosfreies Kinderzimmer – gibt es das überhaupt? Bei uns so gut wie nie. Immer liegen Legosteine, Bauklötze, Autos, Bücher ausgebreitet. Bei zwei Kleinkindern finde ich das (meistens) auch völlig okay! Solange wir abends nur ein paar Minuten zum Aufräumen brauchen, ist alles im grünen Bereich. Das Auf- und Einräumen der Spielsachen ist natürlich selten so lustvoll wie das Ausbreiten. Am besten klappt es (wahrscheinlich nicht nur) bei uns, wenn wir ein Spiel daraus machen. Und weil unsere beiden noch relativ klein sind, bin ich in der Regel mit von der Partie.

Unsere Lieblinge:

Sortieren: Zum Beispiel nach Farben. Du räumst alle grünen und roten Legosteine auf, ich alle anderen. Wer ist am schnellsten fertig? Oder nach Formen, nach Größe etc. Das schult bestimmt nebenbei noch ein paar wichtige Fähigkeiten, was mir in dem Moment aber völlig egal ist. Hauptsache, es wird aufgeräumt!

Aufteilen: Wir müssen die Autos aufräumen und die Bauklötze. Wer übernimmt was? Wer als erstes mit seiner Aufgabe fertig ist, bekommt eine kleine Belohnung, darf zum Beispiel die Gute-Nacht-Geschichte aussuchen.

Würfeln: Es wird abwechselnd gewürfelt und jeder räumt immer so viele Teile auf, wie der Würfel anzeigt. Damit Tempo ins Spiel kommt, muss jeder mit seinen Teilen fertig sein und neu würfeln, bevor der andere seine Aufgabe erledigt hat. – Wenn man fast fertig ist mit aufräumen und dann eine sechs würfelt, muss man richtig kreativ werden, aber das erhöht nur den Reiz des Spiels! Bei einer ausgekippten Legokiste ist das allerdings nicht die Methode der Wahl. Es sei denn, man möchte zählen, wie viele Legosteine man hat…

Ausmisten mit einem Vierjährigen

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Birgit von Fräulein im Glück hat die Challenge #chaosfreies Kinderzimmer ausgerufen. Ein guter Anlass, uns das Kinderzimmer noch einmal von Grund auf vorzunehmen! Nach unserem Umzug ist die Einrichtung hier und da in den Kinderschuhen stecken geblieben. Also haben wir erst mal gründlich aufgeräumt, geputzt – und ausgemistet!

Bisher war ich an diesem Punkt mit unserem großen Kleinen nie erfolgreich. Längst nicht mehr benutztes Spielzeug wurde immer genau in dem Moment wieder interessant, wenn ich gefragt habe: Brauchst du das noch? Und von kaputten Sachen wollte er sich nicht trennen, sondern alles irgendwie wieder heile machen. Im Grunde finde ich das ja gut. Wir kleben, leimen, nähen und stopfen, wo es geht, um erlebbar zu machen, dass Dinge einen Wert haben, dass sie nicht einfach weggeworfen und durch etwas Neues ersetzt werden müssen. Trotzdem sammelt sich im Laufe der Zeit so viel Zeugs im Kinderzimmer an…

Nun habe ich es also probiert und in kleinen Schritten mit dem großen Kleinen zusammen aussortiert. Zwei Dinge waren für mich dabei erhellend.

Zuerst: Die Kisten-Methode funktioniert! Wir haben drei Kisten aufgestellt, jede mit einer besonderen Überschrift: 1. Verschenken/Flohmarkt, 2. Keller (kann bei Bedarf wieder hochgeholt werden), 3. Mülleimer. Die Frage war immer: Willst du damit noch spielen – dann räum es an seinen Platz – oder kann es in eine der drei Kisten? Auf diese Weise hatte der große Kleine mehr als nur eine Alternative, es ging nicht nur um hop oder top. Es hat mich erstaunt, wie gezielt er Dinge in die verschiedenen Kisten gelegt hat. Zum Teil war ich auch amüsiert und erleichtert. Zum Beispiel hat er sehr entschieden ein Buch in die Flohmarkt-Kiste gelegt, das ich selber noch nie mochte. 🙂 Zugegeben, die Keller-Kiste war am meisten gefüllt, in der Mülleimer-Kiste sind dagegen nur Überreste von längst vergangenen Basteleien gelandet. Aber immerhin!

Das Zweite: Der große Kleine kann recht gut einschätzen, womit sein kleiner Bruder (noch) gerne spielt. Wenn ein jüngeres Geschwisterkind da ist, besteht ja die Versuchung, alles, wo der Große schon rausgewachsen ist, für den Kleinen aufzuheben. Nur dann bleibt eben alles im (gemeinsamen) Kinderzimmer, und es kommt bei jedem Anlass immer noch mehr dazu. Aber – so meine Erkenntnis – der große Kleine weiß ziemlich treffsicher, was für den Kleinen interessant ist, und kann durchaus für ihn mitentscheiden.

So war unser erstes gemeinsames Ausmisten zwar keine große Sache, aber trotzdem ein kleiner Erfolg!

Polizei-Einsatz im Karneval

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Zu Karneval hat unser großer Kleiner immer sehr genaue Vorstellungen, als was er gehen will. In diesem Jahr: Polizist! Gut. Die Polizei brauchte dieses Mal ja auch besondere Verstärkung, selbst von jüngeren Kräften!

Ein schönes Polizisten-Kostüm zu finden, war aber gar nicht so einfach. Die fertigen von der Stange waren weder schön noch erschwinglich. Also kam endlich mal wieder die Nähmaschine zum Einsatz. Auf ein dunkelblaues Shirt habe ich den Schriftzug „Polizei“ und einen Stern appliziert und eine 110 zum Aufbügeln hatte ich zufällig auch noch da. Das Shirt ist schön geworden und gleichzeitig so dezent, dass es auch über den Karneval hinaus bestimmt noch oft zum Einsatz kommt. Das freut Mutter und Kind! 🙂

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Die Uniform war komplett mit einer Polizeimütze aus dem Second-Hand-Shop. Aus Opas Werkstatt kam eine Kelle dazu, und Papa hat noch das wichtigste Accessoire aufgetrieben: die Handschellen. Die brauchte es, um die Kinderaugen zum Strahlen zu bringen!

Heute ziehen wir ein letztes Mal los. Und morgen ist schon wieder alles vorbei…

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